Architektur-Wettbewerb in Bremen Studierende entwickeln Ideen für Wohnraum im Kleingartengebiet

Studierende haben bei einem Wettbewerb städtebauliche Konzepte für das Kleingartenareal Walle entwickelt. Mehr als 100 Arbeiten waren für den Preis eingereicht worden.
10.10.2018, 21:42
Lesedauer: 5 Min
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Studierende entwickeln Ideen für Wohnraum im Kleingartengebiet
Von Lisa-Maria Röhling

Wie die Zukunft mancher Kleingartengebiete aussieht, das wird in Bremen mitunter heiß diskutiert. Gerade im Bremer Westen gibt es für manche Parzellen wenige Pächter, was schon zu Diskussionen zwischen SPD und Grünen führte, ob dort Wohnungen oder Grünflächen entstehen sollten. Dass es auch städtebauliche Lösungen gibt, die Wohnen und Kleingarten zusammen bringen, haben Architektur-Studenten aus Bremen, Wismar und Oldenburg beim Wettbewerb um den Gerhard-Iversen-Studienpreis gezeigt.

Die Siegerin Evin Disli und die anderen drei Preisträger, die am Mittwoch in der Hochschule Bremen geehrt wurden, haben dabei nah an der Realität gearbeitet: Unter dem Motto „Garten Wohnen Arbeiten – Neue Ideen für Kleingartensiedlungen“ entwickelten sie Konzepte für das Kleingartenareal in Walle, um das Gebiet wiederzubeleben.

Mehr als 100 Arbeiten waren für den Preis, den die Aufbaugemeinschaft Bremen in diesem Jahr zu ersten Mal in Kooperation mit der School of Architecture Bremen ausgelobt hatte, eingereicht worden. Aus 16 Finalisten wählte eine vierköpfige Jury, zu der Clemens Bonnen von der School of Architecture der Hochschule Bremen, die Architektin Ebba Lamprecht, Martin Pampus von der Aufbaugemeinschaft und Oliver Wächter vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen gehörten, die Sieger aus.

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Neben der Erstplatzierten Disli wurden Stephanie Schumann und Nina Möllering von der Hochschule Bremen sowie Moritz Niebler von der Hochschule Wismar ausgezeichnet. Die Gewinner hatten sich mit einer schwierigen Wettbewerbsaufgabe auseinandergesetzt: Die angehenden Architekten sollten ein Konzept entwickeln, mit dem Wohnen, Arbeiten und Garten gut vereint werden, um so ein weitestgehend brachliegendes Gebiet, zumindest in der Theorie, zu beleben.

Ausgewählt wurde dafür das Kleingartenareal in Walle, abgegrenzt vom Waller Damm im Westen und dem Hohweg im Osten. Im Gegensatz zu vielen anderen Kleingartengebieten, die durch ihre Innenstadt- oder Wassernähe sehr gefragt sind, liegt das Waller Areal am Stadtrand, viele der Kleingärten sind aktuell nicht verpachtet.

„Eine Fragestellung, die in einigen Städten, Gemeinden und Ländern ein echtes Tabuthema ist“, betonte Clemens Bonnen, Professor an der School of Architecture. Mit den Ergebnissen waren er und die Jury auch bei der Preisverleihung sichtlich zufrieden: „Ich hoffe, diese Entwürfe können auch zur öffentlichen Diskussion anregen.“ Alle vier prämierten Arbeiten hätten gute Möglichkeiten des Miteinanders entwickelt. Eine konkrete Umsetzung eines der Siegerkonzepte sei allerdings bisher nicht in Planung.

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„Der Ort hat mich inspiriert“, sagte die Erstplatzierte Evin Disli über ihren Entwurf mit dem schlichten Titel „Garten Wohnen Arbeiten“. Sie habe sich viel damit beschäftigt, wie die Kleingartensiedlung und die umliegenden Gebiete entstanden seien, bevor sie ihre Arbeit begann. Ein Semester lang hat sie an ihrem Entwurf, mit dem sie auch ihr Bachelorstudium abgeschlossen hat, gearbeitet.

Ihr sei es wichtig gewesen, die Kleingartensiedlung so gut wie möglich zu erhalten, erklärte die 25-Jährige. Sie hat die vorhandenen Kleingartenparzellen in ihren Bebauungsplan integriert, indem diese von Reihen- und Mehrfamilienhäusern eingerahmt werden. Damit bleiben die Parzellen bestehen und trotzdem wird neuer Wohnraum geschaffen.

Die von Disli entworfene Synergie zwischen Alt und Neu überzeugte die Jury. „So kann ein in Nutzung und Bewohnerstruktur bunt gemischtes Quartier entstehen“, heißt es in der Jurybegründung. Oliver Wächter vom Landesverband der Gartenfreunde hatte sich in den Jury besonders für Dislis Entwurf eingesetzt. Er begrüßt, dass Disli in ihrem Entwurf auch die Betroffenen, die momentan im Kleingartengebiet ansässig sind, berücksichtigt habe. „Ich persönlich finde, dass diese Art der Bebauung das Gebiet nach vorne bringen würde“, sagte Wächter.

Weitere Preisträger im Überblick:

Stefanie Schumacher wurde von der Jury für ihr Projekt „Stadtentwicklung Walle – Hohwegviertel“ mit dem zweiten Preis geehrt. Sie hat für das Gebiet sowohl für Privatpersonen als auch für die Öffentlichkeit viel Platz eingeplant. So gibt es bei den Gebäudekomplexen in ihrem Entwurf oft einen Garten oder einen Hof, der sowohl von Mietern und Bewohnern als auch von anliegenden Gewerbetreibenden genutzt werden kann. Dieses Verhältnis zwischen privatem und öffentlichem Raum würdigte die Jury besonders. Außerdem sei die Konzeption der Gebäude sehr professionell und realistisch.

Schumacher hat sich für die Entwicklung des Entwurfes intensiv mit dem Stadtteil auseinandergesetzt. „Es sollte ein Teil von Walle sein“, erklärte sie die Idee hinter ihrem Entwurf. Sie habe ihr Konzept so entwickelt, dass es sich gut in Struktur des Stadtteiles einfüge. Auch die Ausrichtung der Gebäude spielte dabei eine Rolle: Die habe sie bewusst so angelegt, dass die Belichtung für die Gärten optimal mal sei.

Nina Möllering wurde für ihren Entwurf „Haus +“ mit einem Anerkennungspreis bedacht. Besonders weil sie sich intensiv mit dem Verhältnis von Wohnräumen auf der einen und öffentlichen Freiflächen auf der anderen Seite auseinander gesetzt habe, war die Jury überzeugt.

Möllering hat in ihrem Konzept ein Ensemble aus Reihenhäusern entworfen, in deren Gärten weitere, kleine und niedrige Häuserreihen für Hobbynutzungen oder auch Gästewohnungen eingeplant sind. Dahinter wiederum hat Möllering eine zusätzliche Häuserreihe angelegt, in denen eine gewerbliche Nutzung möglich sein soll. Sie wollte das Kleingartengebiet mit dem Leitmotto in Einklang bringen, sagte die 22-jährige Preisträgerin. Ihre Lösung: „Da musste mehr Leben rein.“ Deswegen sind die Zwischenräume zwischen den Gewerbeflächen und Reihenhäusern als eine Art Nachbarschaftstreffpunkt gedacht, der gleichzeitig ganz nah an den Wohnungen und privaten Gärten anschließt.

Moritz Niebler von der Hochschule Wismar erhielt von der Jury einen Sonderpreis für sein Projekt „Zukunft Wohnen“. Zwar sei sein Entwurf sehr experimentell und auf den ersten Blick sogar ein bisschen verrückt, betonte die Jury bei der Preisverleihung. Trotzdem habe Niebler mit seiner Einreichung eine außerordentlich überzeugende Idee entwickelt und spannende Denkanstöße für die Städteplanung geschaffen.

Niebler hat für den Wettbewerb nahezu futuristisch geplant: Er teilte das Kleingartengebiet in sogenannte Zellen auf. Darin befinden sich unterschiedliche Gebäude wie Wohntürme oder Gemeinschaftsräume. Jeder dieser Zellenblöcke wird von einer von Niebler so betitelten Zellwand umschlossen. Seine Idee sei es, so der 24-Jährige, dass die einzelnen Zellen von verschiedenen Baugruppen wie Unternehmern oder Privatpersonen entwickelt werden, die dann nah beieinander wohnen. So solle ein Netzwerk entstehen, um das ehemalige Kleingartengebiet wiederzubeleben, sagte Niebler über seinen Entwurf.

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