Morgen Premiere im Schnürschuh-Theater / Auch Vorstellungen für Schulklassen Stück über Liebe in der Pubertät

Bremen. Sascha bekommt seine Hormone nicht in den Griff. Wenn Mathe-Ass Matthias ihn über gleichschenklige Dreiecke und Katheten aufklärt, versteht Sascha, dass Katharina zwei Schenkel hat, in deren oberen Ende ein Dreieck liegt. Dann huscht eine Frau quasi als Stimme aus dem "Off" über die Bühne und spricht über die Funktion von Dopamin, Adrenalin und Serotonin in der Pubertät. "Der Prozess des Verliebtseins ähnelt einer psychischen Erkrankung", meint sie.
05.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von jean-Charles Fays

Bremen. Sascha bekommt seine Hormone nicht in den Griff. Wenn Mathe-Ass Matthias ihn über gleichschenklige Dreiecke und Katheten aufklärt, versteht Sascha, dass Katharina zwei Schenkel hat, in deren oberen Ende ein Dreieck liegt. Dann huscht eine Frau quasi als Stimme aus dem "Off" über die Bühne und spricht über die Funktion von Dopamin, Adrenalin und Serotonin in der Pubertät. "Der Prozess des Verliebtseins ähnelt einer psychischen Erkrankung", meint sie.

Bewusst stakkatoartig wechseln die Szenen und Protagonisten. Bei der Premiere von "LiebeLiebe?Liebe!" geht es morgen, 6. Mai, um 20 Uhr im Schnürschuh-Theater ums Chaos rund um die pubertäre Liebe.

"Im Prinzip ist unser Stück wie Bravo einmal quergelesen", charakterisiert Schauspieler Mathias Hilbig das Stück, das jugendliche Liebe in all ihrer Vielfalt widerspiegelt. Mal spielt der 31-Jährige den Mathe-Nerd, mal Bruce Darnell, der sich als Juror bei "Germany's Next Topmodel" betören lässt, und mal den Romantiker, der seiner Angebeteten in einer lauen Mainacht imponieren will, indem er sein ornithologisches Wissen preisgibt und den Gesang einer Feldlerche von dem einer Nachtigall unterscheiden kann.

In manchen Szenen fühlt sich der Theaterpädagoge selbst an seine Jugend erinnert und hat schon anhand der Reaktionen während der sechswöchigen Proben gemerkt, dass die Erwachsenen Szenen lustig finden, die "für Schüler echt heftig sind". Für manche seien die Dialoge ein "echtes Drama, weil sie sich selbst ertappt fühlen", andere fänden es lustig, weil es anscheinend normal ist, wenn auch die Jugendlichen im Stück masturbieren.

Für Pascal Makowka (31), der mit "Liebe Liebe?Liebe!" seine Debüt als Regisseur gibt, ist aber wichtig zu betonen, dass das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschieht und die Erwachsenen erst sagen müssen, dass Masturbieren normal ist, sondern dass jeder selbst sich nachher ein Urteil bildet, wie er es findet.

Makowka als Regisseur will, dass das Stück mit einfachem Spiel fasziniert. Dadurch, dass die drei Protagonisten Mathias Hilbig, Moritz Viebeg und Vivienne Kaarow innerhalb von Minuten - vom Romantiker zum Draufgänger, vom Mauerblümchen zum Flittchen - die Rollen wechseln, soll das jugendliche Publikum Lust auf Schauspiel bekommen.

Die Geschäftsführerin des Schnürschuh- Theaters, Anja Hinrichs, sagt: "Die Stärke in dem Stück liegt darin, dass es die Pubertät locker rüberbringt und es mit den eigenen Gedanken des Publikums spielt." Auch die Schauspielerin Vivienne Kaarow (31) findet sich selbst in einigen Szenen wieder. "Es ist, als hätte ich als 13-Jährige Tagebuch geschrieben. Es wirft sehr viele Erinnerungen auf." Die Erzählung nach dem Text von Thomas B. Hoffmann erinnert sie an die Schulzeit, als sie mit ihrer Schwester über Jungen geredet hat, und an eine Freundin in der Parallelklasse, die immer ein Kondom in der Tasche gehabt haben soll.

Viel Sexwissen - wenig Liebeswissen

Moritz Viebeg findet es toll, dass er, der früher eigentlich ein schüchterner Spätentwickler war, der sich anstatt für Frauen eher für Computer und Fußball interessiert hat, auch mal den Draufgänger spielen kann. In der ersten Proben-Szene ist es Vieberg, der den hormongesteuerten Sascha spielt und seiner Katharina gedanklich hinterherruft: "Hey, ich bin Sascha, merk' dir meinen Namen, denn du wirst ihn heute Abend noch laut schreien." Als seine Angebetete ihn dann aber wirklich anspricht, bekommt er kaum einen Ton heraus.

Das Theaterstück zeigt exemplarisch, wie verunsichert Jugendliche, die durch Bravo, Fernsehen und Internet vermeintlich alles über Sex wissen, wirklich sind, wenn es um echte Gefühle geht. "LiebeLiebe?Liebe!" handelt von unerfüllten hohen Erwartungen und bezieht daraus seinen Witz, das eigentlich alle aneinander vorbeireden, sobald wahre Liebe ins Spiel kommt.

Weitere Termine vormittags und vorwiegend für Schulklassen: 10. bis 12. Mai, 16. bis 18. Mai, 19. bis 20. Mai sowie 27. Juni bis 1. Juli, jeweils um 10 Uhr. Buntentorsteinweg 145, Kartentelefon: 555410, Eintritt: zwischen 8 und 16 Euro.

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