GSO-Schüler zeigen mehr als 100 verschiedene Werke aus dem Kunstunterricht Stummfilm-Produktion und Fotoshooting

„Dot-Painting kommt in diesem Jahr besonders gut an.“ Wolfgang Rußek, Kunstlehrer Osterholz.
13.06.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

„Herr Rußek, können wir noch helfen?“ – „Herr Rußek, wo sollen diese Bilder hin?“ – „Herr Rußek, wo ist der Schlüssel?“ Wolfgang Rußek ist am Tag vor der Vernissage in der Gesamtschule Ost ein sehr gefragter Mann. Als Kopf einer Truppe von acht Kunstlehrerinnen und -lehrern koordiniert er die jährliche Werkschau der Schule an der Walliser Straße. In diesem Jahr zum zehnten Mal.

Schüler und Schülerinnen im Alter von zehn bis 19 Jahren der Klassen fünf bis 13 präsentieren ihre Bilder. Es sind die Ergebnisse eines Jahres – darunter Malereien, Objekte, Plastiken und Filme, Drahtfiguren, Zeichnungen mit Kugelschreiber und modernes Lampen-Design. Zu sehen sind die Arbeiten in der Multifunktionshalle im ersten Stock sowie in den Seitengängen.

Über 100 Werke, so schätzt Rußek, wurden von den Lehrkräften ausgewählt. Das sieht nach einer Menge aus, aber bei insgesamt 1300 Schülern ist das nur ein kleiner Querschnitt – ein Querschnitt, der sich sehen lassen kann. Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses würdigte die Leistung bei der Vernissage.

„Dot-Painting kommt in diesem Jahr besonders gut an“, berichtet Rußek und weist auf die Bilder des 10. Jahrgangs. Mit kleinen Hölzern haben die Schüler im pointillistischen Stil die Bildfläche mit regelmäßigen Farbtupfern versehen und auf diese Weise Muster, Köpfe und Figuren auf den Punkt gebracht.

Ebenfalls ein Hingucker sind die Arbeiten des 13. Jahrgangs, der sich klassische Kunstwerke als Vorlage für eigene Kompositionen genommen hat. Während der Bildaufbau dem Original entspricht, werden markante Elemente verfremdet. Die Dame in Weiß eines Manet-Gemäldes etwa steht in der neuen Version an gleicher Stelle im Bild, nur dass sie jetzt keine Dame mehr ist, sondern als Küchenkrepp-Rolle, auch in Weiß, den Mittelpunkt bildet. Ebenso ergeht es der Landschaft von van Gogh, in der das Grün von einer Jever-Flasche zitiert wird. Die Arbeiten wirken erstaunlich professionell. „Wir haben die Bilder extra in einem Fotostudio aufgenommen“, erzählt Kunstlehrerin Ingeborg Bednarz.

Zum Thema Körpersprache haben sich Schüler aus der zwölften Klasse Gedanken gemacht. „Eine ganz schöne Arbeit“, bestätigen Iman Catruat und Margarita Strelkowski und sagen: „Aber wir sind zufrieden mit dem Ergebnis.“ Sie tüftelten sechs Wochen lang an einem Stummfilm, den die Musikklasse des zehnten Jahrgangs vertonte. Am Ende steht eine Sequenz, in der die beiden Mädchen auf der Treppe sitzen, versuchen, sich zu berühren, es aber nicht schaffen. Damit der Arbeitsaufwand dafür sich lohnt und der Film nicht nur einmalig auf der Ausstellungseröffnung gezeigt wird, haben ihn die Beteiligten auf der Homepage der Schule gepostet.

Das eigene Gesicht zum Bildgegenstand macht eine 10. Kunstklasse der Schule. Die Schüler schminkten sich mit kunstvollen Mustern und fotografierten sich. Im Pop-Art-Stil zeigt sich zum Beispiel Hassan Achour.

Ihre Kreativität so richtig ausleben konnten Schüler einer 7. Klasse mit selbst entworfenen Hüten. „Crazy Kopfbedeckung“ lautete die Vorgabe. Inspiriert von Fotos der Outfits von Damen beim Pferderennen von Ascot machten sich die Schüler ans Werk. Kai Prüger mit Pinguinhut und Malte Engler mit dem „Turm des Grauens“ zeigten dabei besonderen Ideenreichtum. Aber auch allein durch ihre Handwerklichkeit überzeugende Naturstudien wie die von Stacy und Lana oder gezeichnete Dinosaurier eines 5. Jahrgangs bereichern die Schau.

„Es geht hier nicht nur darum, die allerbesten Arbeiten zu präsentieren“, erläutert Rußek den Sinn und Zweck der Werkschau. Er und seine Frau Ursula Russek (die sich für die Doppel-S-Variante im Nachnamen entschieden hat), haben die Jahres-Ausstellung der Schule aus einem ganz anderen Grund vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Rußek ist überzeugt: „Es ist einfach wichtig, Arbeiten zu präsentieren. Mit einer Ausstellung wird in den Schülern die Ernsthaftigkeit am Arbeiten geweckt. Sie lernen, sich zu disziplinieren und auf ein bestimmtes Datum hin zu arbeiten.“ Der Kunstlehrer ergänzt: „Das erste Fremdwort, das sie am Anfang der Vorbereitungen lernen, ist Deadline“, also Fristablauf.

Der Fristablauf der Schau steht noch nicht fest. Doch bis zu den Herbstferien werden die Arbeiten auf jeden Fall noch in der Gesamtschule Ost zu sehen sein, versichert Rußek.

Ein Besuch der Ausstellung ist in der GSO, Walliser Straße 125, während der Schulzeit von 8 bis 16 Uhr möglich. Wer eine Führung wünscht, kann sich unter www.kunstprofil-gso.de bei Wolfgang Rußek anmelden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+