Riesenandrang beim großen Kostümverkauf am Goetheplatz / Rund 1000 Exemplare im Angebot Sturm aufs Theater

Schon eine halbe Stunde, bevor das Theater am Goetheplatz gestern um Punkt 14 Uhr für drei Stunden die Türen zum großen Kostümverkauf öffnete, bildeten sich lange Schlangen. Die Idee schien zu verlockend zu sein: sich einmal im Kostüm wie die Titelheldin aus der Verdi-Oper „La Traviata“ oder wie eine stilechte Haremsdame fühlen.
10.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sigrid Schuer

Schon eine halbe Stunde, bevor das Theater am Goetheplatz gestern um Punkt 14 Uhr für drei Stunden die Türen zum großen Kostümverkauf öffnete, bildeten sich lange Schlangen. Die Idee schien zu verlockend zu sein: sich einmal im Kostüm wie die Titelheldin aus der Verdi-Oper „La Traviata“ oder wie eine stilechte Haremsdame fühlen.

„Theater, Theater, der Vorhang geht auf“, sang Katja Ebstein einst. Doch bis sich gestern im Theater am Goetheplatz der Vorhang für den Eintritt ins Kostümparadies hob, war Geduld gefragt. Trotz des Schmuddelwetters harrten Bremer und Butenbremer geduldig in langen Schlangen vor den Türen des Theaters aus. Dass der Andrang so groß war, änderte sich selbst gut eine Stunde vor Ende des großen Kostümverkaufs nicht. Obwohl so mancher Wartende den Schnäppchenjägern, die mit prall gefüllten Plastiktüten hochzufrieden das Theater verließen, die bange Frage stellte: „Lohnt sich das überhaupt noch? Gibt es noch schöne Sachen?“

Klar gab es die noch, auch wenn zu diesem Zeitpunkt das Rennen um die exotischen Kopfbedeckungen aus „Tausendundeiner Nacht“ schon gelaufen war. Jedes einzelne Hütchen ein Kunstwerk, aus weinrotem, aprikose- oder türkisfarbenem Goldbrokat geformt und reich mit Pailletten, Schmuckbändern und goldener Spitze bestickt. Der Stand mit den dazugehörigen, in allen Farben des Orients schillernden Gewändern war gestern Nachmittag einer der am meisten umlagerten. Sich einmal wie eine Haremsdame zu fühlen, die Michael Hampes historisierender Inszenierung zu Rossinis Oper „Maometto II.“ entsprungen ist, war allerdings mit über 100 Euro nicht so ganz preiswert. Und eigentlich sollte es besagte Hütchen nur als Gesamtpaket mit den passenden Kostümen geben. Doch schließlich kapitulierten die Mitarbeiterinnen des Theaters, die orientalischen Kopfbedeckungen wurden ihnen zum Preis von 15 Euro förmlich aus den Händen gerissen. Gabriele Schiller hingegen, die sonst im Theater an der Kasse sitzt und in verschiedenen Chören singt, hat sich ein Paar rustikale Stiefel aus „Maometto II.“ gesichert.

„Theater, Theater der Vorhang geht auf“: Die Illusion des „Sich wie in eine andere Welt hineinversetzt Fühlens“, das ist die Magie, die das Theater so unwiderstehlich macht. Mit verzücktem Blick dreht sich eine Dame, geschätzte Konfektionsgröße 36, in einem Hauch von hochgeschlossenem Spitzenkleid, unter dem kräftig roséfarbenes Satin hervorblitzt, vor dem Spiegel. Die begeisterte Theatergängerin Maria Badde schaut darin selbst ein bisschen wie die Titelheldin aus Verdis „La Traviata“ aus, einer ihrer Lieblingsopern, die sie schon in zwei verschiedenen Bremer Inszenierungen gesehen hat (in der aktuellen von Benedikt von Peter und in der von Ernst Theo Richter). Auch wenn Maria Badde Zweifel plagen, wann sie diesen Traum von einem Kleid wohl tragen wird, es muss für 80 Euro mit. Jenny Ellebrecht ist eigens aus Twistringen ins Theater gekommen und hat sich auch in eines dieser Spitzenkleider verliebt: „Das würde perfekt zum Gothic-Festival passen“. Sie schaut zweifelnd: „Aber ob die Konfektionsgröße auch die richtige ist?“ Zweifel hegt auch Anne Klüver, die in eines von vielleicht drei Dutzend Hochzeitskleidern geschlüpft ist: „Ich wollte einmal im Leben ein Hochzeitskleid tragen. Das ist cool und mit 20 Euro noch günstig dazu. Aber wann soll ich das anziehen?“, fragt sie sich.

Der lange, weiße Leinenmantel aus der hinreißenden „Norma“-Inszenierung von Philipp Himmelmann ist zum Schnäppchenpreis von zehn Euro zu haben. Und auch Dieter von Glahn, Lehrer an der Tobias-Schule, ist für seine jungen Schauspieler fündig geworden. „So etwas kann man gar nicht selber machen“, sagt er mit Blick auf die zwei flauschigen Kostüme, die er im Arm hält. An der Tobias-Schule, einer heilpädagogischen Waldorf-Schule, gehört das Theaterspielen zum Unterricht dazu.

Kostümbildner Paul Zimmermann ist Herr über die rund 1000 Exemplare, die an diesem Nachmittag verkauft werden. „In unserem Fundus haben wir über 48000 Kostüme, deshalb mussten wir unbedingt Platz schaffen“, erläutert er. Gemeinsam mit Bernward Hein, Empfangschef und Leiter des Abendpersonals, sorgt er dafür, dass sich das Getümmel zwischen den Kostümständern in Grenzen hält. Eiserne Regel: Es werden immer nur 250 Besucher eingelassen. „Sonst können Sie nicht mehr in Ruhe aussuchen“, betont Hein.

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