Kreistag Wesermarsch Suche nach neuen Mehrheiten

Die Wähler haben mit ihrem Votum von Sonntag den Kreistag der Wesermarsch ordentlich durcheinander gewirbelt. Sieben Fraktionen beziehungsweise Einzelabgeordnete gehören dem Parlament künftig an.
14.09.2016, 00:00
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Suche nach neuen Mehrheiten
Von Barbara Wenke

Die Wähler haben mit ihrem Votum von Sonntag den Kreistag der Wesermarsch ordentlich durcheinander gewirbelt. Sieben Fraktionen beziehungsweise Einzelabgeordnete gehören dem Parlament künftig an.

Politische Beobachter müssen sich von November an aber nicht nur an neue Gesichter, sondern auch an neue Mehrheitsverhältnisse gewöhnen. Die bisherige, aus Sozialdemokraten und Grünen bestehende Mehrheitsgruppe hat ihre absolute Mehrheit verloren. Die Grünen büßten zwei Sitze im Kreistag ein, sodass es für die Gruppe fortan nur noch zu 20 der 42 vorhandenen Sitze reichen würde.

Dennoch ist Grünen-Fraktionschef Jürgen Janssen zufrieden mit dem Wahlergebnis. „Wir haben uns deutlich als dritte Kraft im Kreistag etabliert“, freut sich der Stadlander. „Dass wir vor fünf Jahren sechs Sitze gewonnen hatten, lag am damaligen Fukushima-Effekt.“ Die Interessen der südlichen Wesermarsch werden weiterhin die Bernerin Christina-Johanne Schröder vertreten, die ihr Kreistagsmandat bei der Kommunalwahl verteidigt hat.

Hoher Frauenanteil bei SPD-Fraktion in Brake

Freude über das Wahlergebnis ist auch der stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Karin Logemann anzumerken. Die Landtagsabgeordnete aus Berne lobt besonders den hohen Frauenanteil ihrer zukünftigen Fraktion in Brake. Die Sozialdemokraten ziehen gleich mit acht neuen Gesichtern in den kommenden Kreistag ein. Sie werden mit den acht etablierten Kreistagspolitikern „eine tolle Mischung“ bilden, ist Karin Logemann überzeugt.

Einer der Neuen ist Heinz Feja aus Lemwerder. Gemeinsam mit Karin Logemann und dem derzeitigen Fraktionsvorsitzenden Meinrad-M. Rohde, der ebenfalls in Lemwerder wohnt, wird Feja die sozialdemokratischen Gedanken der südlichen Wesermarsch präsentieren. Zufrieden zeigte sich Karin Logemann auch damit, dass die Sozialdemokraten die Anzahl von 16 Sitzen gehalten haben.

"Es kommen spannende Wochen"

„Es kommen spannende Wochen auf uns zu“, blickt CDU-Fraktionschef Torsten Lange voraus. „Es wird andere Konstellationen geben müssen.“ Dass die CDU einen Sitz weniger im neuen Kreistag erhält, als sie in der auslaufenden Legislaturperiode inne hat, sei bedauerlich, sagt Lange. Die Erklärung sei aber schnell gefunden. Der Stimmenverlust in Nordenham hänge eindeutig mit dem Namen Hans Francksen zusammen. Der ehemalige Nordenhamer Bürgermeister hat in seiner Heimatstadt knapp 6000 Stimmen erhalten – allerdings für die SPD. Positiv ist die Kreistagswahl aus Sicht der Stedinger Christdemokraten verlaufen. Der Landtagsabgeordnete Björn Thümler aus Berne konnte mehr als 3500 Wählerstimmen auf sich vereinen. Auch Wolf Rosenhagen, dem Lange einen beispielhaften Wahlkampf attestiert, zog wieder in den Kreistag ein. Und mit Karl-Ernst Thümler aus Berne ist der Süden nun sogar mit drei Christdemokraten vertreten.

Einen Erfolg konnte Harald Schöne für sich verbuchen. Er verdrängte den Landtagsabgeordneten Horst Kortlang aus dem Kreistag. Für den Liberalen aus Lemwerder stimmten 940 Wähler, für den Elsflether 919. Mehr Stimmen als Schöne sammelte kein anderer Freidemokrat im Landkreis. Von November an wird der Lemwerderaner FDP-Vorsitzende somit wieder der Kreistagsfraktion der Liberalen angehören.

AfD erreicht aus dem Stand drei Mandate

Walter Erfmann von den Unabhängigen Wählern freut sich, als einzige bereits zum Kreistag gehörende Vereinigung einen Sitz hinzugewonnen zu haben. Die Unabhängigen Wähler sind fortan mit drei Sitzen vertreten. Zurückzuführen sei der Gewinn auf drei unabhängige Bewegungen, die sich der Kreisvereinigung angeschlossen haben. So hätten die Unabhängigen Wähler Lemwerder (UWL) stark dazu beigetragen, das Ergebnis auf Kreisebene zu steigern.

Aus dem Stand ergatterte die Alternative für Deutschland (AfD) drei Sitze im neuen Kreistag. „Auch wenn wir uns eigentlich noch mehr gewünscht haben, sind wir mit dem Ausgang der Wahl zufrieden“, sagt der designierte Fraktionschef Andreas Marienfeld. Als Protestalternative zu den etablierten politischen Angeboten sieht Marienfeld seine Partei nicht. „Wir werden mit allen zusammenarbeiten, die die Wesermarsch voranbringen wollen.“

Die Linkspartei wird im zukünftigen Kreistag nur noch mit einem Kommunalpolitiker vertreten sein. Edgar di Benetto aus Elsfleth zieht erstmals in das Kreisparlament ein. Er verdrängt die bisherigen Amtsinhaber Thomas Bartsch und Jens Harders.

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