Bienen erobern Bremen

Summen in the City

Mitten im lärmenden Verkehr des Rembertikreisels erobert sich die Natur ein Stück Stadt zurück. Bunte Wildblumen blühen auf der einst grünen Brache und haben Bienen angelockt. Jetzt ist schwer was los. Und es soll noch mehr werden.
14.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Summen in the City
Von Sara Sundermann

Mitten im lärmenden Verkehr des Rembertikreisels erobert sich die Natur ein Stück Stadt zurück. Bunte Wildblumen blühen auf der einst grünen Brache und haben Bienen angelockt. Jetzt ist schwer was los. Und es soll noch mehr werden.

Eigentlich sollte hier mal die Mozarttrasse andocken: Eine 120 Meter breite, von Hochhäusern gesäumte Straßenschneise, die vom Rembertikreisel quer durchs Ostertor bis zur Neustadt führen sollte. Dieser Plan aus den Sechzigern wurde schließlich 1973 nach langer Debatte und erbittertem Widerstand im Viertel gekippt. Geblieben sind der heute riesenhaft anmutende Rembertikreisel und die beachtliche Grünfläche in seiner Mitte.

Diese jahrelang ungenutzte Brache ist inzwischen zur Heimat für Wildbienen geworden. Weil immer mehr Monokulturen auf dem Land nur noch wenig Lebensgrundlage für Bienen böten, werde der Stadtraum zunehmend zum Ersatzlebensraum, sagt Biologin Heike Schumacher vom Bremer Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Deshalb haben die Naturschützer und der Umweltbetrieb Bremen im Sommer 2013 heimische Stauden und andere bienenfreundliche Blumen auf dem Rembertikreisel ausgesät. Ein zwei Meter breiter blühender Gürtel säumt nun den gesamten Kreisel, der einen Durchmesser von 90 Metern hat.

Wildbienen fördern

Nach dem Projekt „Bremen blüht auf“, das auf Wiesen für Insekten insgesamt setzte, soll das Folgeprojekt „Bremen summt“ nun vor allem Wildbienen fördern. „Wildbienen bevorzugen sandige Lebensräume“, erklärt Schumacher. Auf dem Rembertikreisel blühten bereits Mohn und Kornblumen. Nun zum Spätsommer sieht man dort violette Natterköpfe, gelbe Nachtkerzen, Schafgarbe, wilden Majoran und Heidenelken. Inzwischen hätten sich im Kreisel mehr als vierzig verschiedene Wildbienenarten angesiedelt, stellt Schumacher fest: „Bei sonnigem Wetter ist hier einiges los.“

Die Wiese wird auch von Paten gepflegt. Nachbarin Ingrid Kroll ist eine von ihnen. Die 61-Jährige freut sich an der blühenden Wiese vor ihrer Haustür. Sie ist dafür bereits mit zehn Leuten zum Arbeitseinsatz ausgerückt, um auf dem Rembertikreisel Gras herauszureißen, damit es nicht die Blumen überwuchert.

Nicht nur auf dem Rembertikreisel summt es: Insgesamt 16 verschiedene Wiesen für Wildbienen gibt es laut BUND inzwischen in der ganzen Stadt. In Schwachhausen und beim Teerhof gibt es bereits blühende Flächen. Weitere Wiesen sind geplant: Nun sollen in Zusammenarbeit mit der SWB entlang der Fernwärmeleitungen für die Universität Bienenwiesen entstehen, so Schumacher. Und gerade erst wurden auf dem Campus nahe dem Uni-Schwimmbad Baumstümpfe als Nistmöglichkeit für Bienen aufgestellt.

Nicht angriffslustig

Nisthilfen will Schumacher künftig auch am Rembertikreisel aufstellen: Zum Beispiel Baumstümpfe oder alte Holzregale, deren Fächer mit Lehm gefüllt werden. „Honigbienen können mehrere Kilometer weit fliegen, Wildbienen nur wenige hundert Meter“, erklärt die Biologin. „Deshalb brauchen Wildbienen Nistmöglichkeiten in der Nähe.“ Wildbienen stellen keinen Honig her und stechen deshalb Schumacher zufolge nicht: „Sie müssen schließlich keinen Blütennektar verteidigen.“

Nicht nur Blumenwiesen, auch neue Bäume sollen Bienen anlocken: Die Heinz-Wieker-Stiftung verschenkt gemeinsam mit dem BUND hundert Bäume, die in der Stadt gepflanzt werden sollen. Wurzeln schlagen sollen Kastanien, Linden und Ahorn-Bäume, deren Nektar und Pollen Bienen ernähren. „Wir suchen private Flächen für diese Bäume“, sagt Schumacher. „Wer Platz dafür hat, kann sich bei uns melden, wir schauen uns dann die Flächen an.“ Die neuen Bäume und ihr Nektar sollen auch Ersatz für fehlende blühende Rapsfelder im Umland sein – gerade Honigbienen brauchen viel Nahrung für ihr Volk.

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