Bei der zehnten Ausgabe des Festivals wurde in den Neustadtswallanlagen bis spät in die Nacht hinein gefeiert Super Vibrations bei den „Summersounds“

Neustadt. Beste Stimmung bei dem „Summersounds-Festival“, das in den Neustadtswallanlagen stieg. Bei schönstem Sommerwetter begrüßte Moderator Helge Tramsen das zahlreich erschienene Publikum: „Herzlich willkommen auf dem grünen Hügel in der Neustadt zu zehn Jahren Summersounds.
16.07.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sigrid Schuer

Beste Stimmung bei dem „Summersounds-Festival“, das in den Neustadtswallanlagen stieg. Bei schönstem Sommerwetter begrüßte Moderator Helge Tramsen das zahlreich erschienene Publikum: „Herzlich willkommen auf dem grünen Hügel in der Neustadt zu zehn Jahren Summersounds. Wir haben ein Angebot für die ganze Familie zu bieten, noch bunter, noch schöner und noch abwechslungsreicher als bisher!“ Mit seiner Ankündigung, dass die Neustadt brodeln würde, hatte der Schauspieler, der unter anderem von „Stueckwerk Bremen“ her bekannt ist, nicht zu viel versprochen.

Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon bedankte sich bei Stadtteil-Managerin Astrid-Verena Dietze sowie bei den unglaublich vielen Akteuren aus dem Stadtteil, die in dem neuen Netzwerk „Vis-á-Vis“ zusammengearbeitet hatten. Die Stadtteil-Managerin zeigte sich „berührt von diesem großen Engagement“. Annemarie Czichon machte bei der Eröffnung nicht viele Worte und rief die Festival-Besucher dazu auf, zusammen zu feiern: „Das Ortsamt hat extra das Sommerwetter organisiert. Die Vibrations sind super! Ich wünsche euch allen ein tolles Fest!“

Das ließen sich die Neustädter und ihre Gäste nicht zweimal sagen, die es sich teilweise auf Decken mit Picknick-Körben bequem gemacht hatten. Oder auf den stylischen neuen „Summersounds“-Sitzkissen, die sich flugs zu einer Tasche umfunktionieren lassen. Zu Beginn enterte die Bremer Band „Still Abbie“ die Bühne. Auf dem grünen Hügel in den Neustadtswallanlagen groovten sich die Besucherinnen und Besucher zu dem coolen Mix aus Funk, Pop und Soul ein. Die kernigen Beats von Elektro-Gitarren und Keyboards mischten sich mit der sanften Stimme der Leadsängerin. In Sichtweite der Band hatten Renate Heitmann und Annette Ruppelt von der Bremer Shakespeare Company einen Bilderrahmen aufgebaut, hinter dem das Publikum posieren und sich ablichten lassen konnte. Wie Reinhard Lippelt vom Schnürschuh- Theater waren sie angetan von der locker-leichten Sommerstimmung. Und auch die Jüngsten kamen mit ihren Familien auf ihre Kosten. Denn erstmals wurde mit dem „Summersounds-Festival“ der 11. Kinder- und Jugendaktionstag gemeinsam veranstaltet. Auch dort konnten sich Groß und Klein beim Foto-Projekt der „Gewitterziegen“ ablichten lassen.

Koordinatorin Angela Wilhelms von der „stadtland +“ GmbH aus der Neustadt und ihre Töchter Alissa und Felice von der Oberschule am Leibnizplatz freuten sich über den Ansturm auf die Stände des Kinder- und Jugendaktionstages. Ihr Ziel ist es, die Stadtkinder mit gesunder, ökologisch orientierter Ernährung vertraut zu machen. So hatten Alissa und Felice alle Hände voll zu tun, um Probier-Becherchen mit verschiedenen Fruchtsaft-Sorten auszuschenken. Wer die richtige Frucht-Sorte erriet, bekam zur Belohnung nicht nur einen superlangen Strohhalm, sondern hatte auch noch die Chance, eine Eintrittskarte für das Spielefestival von „Viva la Piazza“ zu gewinnen, das am Sonntag, 19. Juli , ab 14.30 Uhr Am Neuen Markt veranstaltet wird. „Manche Kinder wissen gar nicht mehr, wie beispielsweise Himbeeren schmecken, weil ein Schälchen, das auf dem Markt drei Euro kostet, vielen einfach zu teuer ist“, erläuterte Angela Wilhelms.

Sichtlichen Spaß beim Apfelschalenschlangen-Wettessen hatten Munzur und Siya. „Hände auf den Rücken und los geht’s“, gab Angela Wilhelms das Startsignal. Sie lieferten sich, aufmerksam beobachtet von ihrem Kumpel Hüseyincan, ein enges Rennen, das Siya schließlich knapp für sich entscheiden konnte. Die „Stadt Land +“-Mitarbeiterinnen Katalin Westermann und Vanessa Jahns, die gerade ihr freiwilliges ökologisches Jahr absolviert, warfen die manuellen Schäl-Maschinen an, um die Apfelschalengirlanden produzieren zu lassen.

In unmittelbarer Nähe erprobten Interessierte die Kunst des gekonnten Hula-Hoop-Hüftschwunges. Paula ließ sich von Meike, die seit fünf Jahren Akrobatin bei der Zirkusschule Jokes ist, in die Geheimnisse der Diabolo-Jonglage einführen. Unterdessen boten der Musiker Werner Winkel aus Ottersberg und der gebürtige Senegalese Meissa Code Diop einen Workshop an, bei dem die Kinder begeistert mittrommelten. Winkel spielte und sang außerdem Lieder zum Thema Stadt , wie das von den „Stadtindianern“. Außerdem war die Schule Karl- Lerbs-Straße mit einer Theateraufführung vertreten. Großes Gedränge auch am Stand von „Ab geht die Lucie“. Dort konnten Groß und Klein ihre eigenen Buttons produzieren. An einem weiteren Stand wurden reizvolle „Kunstprodukte made in Huckelriede“ sowie selbst gemachte Marmelade angeboten. Im temporären Festival-Café konnte man sich auf eine Tasse Kaffee und einen hübsch verzierten Cup Cake niederlassen. Die kulinarischen Angebote reichten von raffinierten Eiskreationen bis hin zur Bratwurst.

Moderner Dichterwettstreit

So gestärkt konnte man sich in das angenehm schattige Jurte-Zelt begeben, wo die jungen Poetry Slammer, die sonst ihre Heimat im „Kukoon“ am Buntentorsteinweg haben, ihre Werke auf Einladung des Jugendbeirats Neustadt präsentierten. Den Anfang in dem modernen Dichterwettstreit machte Nils Früchtenicht und rief das Publikum erstmal zum „emotionalen Stretching“ auf: „Macht mal alle schön Lärm fürs Festival!“ Und das mit vollem Erfolg. Schließlich lobte Früchtenicht: „Ah, meine kleinen Schäfchen, wie wundervoll ihr seid!“ Dann präsentierte er einen Text über den „Unbedingten Willen, dagegen zu sein“ sowie seine Herzklopf-Poesie.

Sein Rat: „Lasst euch bloß nie auf eure Mitbewohnerin ein!“, denn das gäbe ohnehin nur Ärger. Dumm nur, dass er selbst seine eigenen Ratschläge missachtete und in „lodernder Liebe“ zu seiner WG-Nachbarin entbrannte: „Die Schläge des Gefühls tun zwar weh, sind aber gut!“ Seinen Dichter-Freund Sim Panse kündigte er an: „Seine gesprochenen Worte sind Rock’n’Roll!“ Womit er nicht zu viel versprochen hatte. Der hochgewachsene Twen mit dem hochgezwirbelten Blondschopf befeuerte die Vorstellungskraft der Zuhörerinnen und Zuhörer mit satirisch-kritischen Wortkaskaden über den Konsum-, Werbe- und Facebook-Terror, mit dem wir alltäglich bombardiert werden. Aber auch Nachdenkliches war von Sim Panse zu hören: „Stellt euch mal vor, es ist schon wieder Krieg und keiner guckt hin!“ Sebastian Butte knüpfte mit seinem großen Gedicht „Im Schatten“über traumatisierte, von Abschiebung und Diskriminierung bedrohte Flüchtlinge und brennende Flüchtlingsunterkünfte unmittelbar daran an: „Sie haben Angst vor den Schatten der Vergangenheit!“ Beklommene Stille, bevor die Festival-Gemeinde zur Bühne auf dem grünen Hügel weiter zog, um dem eingängig dahin surfenden, sehr tanzbaren Art-Pop des „Open water collective“ zu lauschen.

Astrid-Verena Dietze war mit der Resonanz mehr als zufrieden: Rund 8000 Menschen kamen bis Mitternacht zu den „Summersounds“.

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