Ein offenes Ohr beim offenen Essen Suppenengel-Projekt ausgezeichnet

Die Suppenengel in Bremen helfen nicht nur Bedürftigen - sie bringen auch Menschen zusammen. Ihr Projekt „Flüchtlinge kochen für Obdachlose“ wurde nun ausgezeichnet.
16.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Hethey

Die Suppenengel in Bremen helfen nicht nur Bedürftigen - sie bringen auch Menschen zusammen. Ihr Projekt „Flüchtlinge kochen für Obdachlose“ wurde nun ausgezeichnet.

So manch einer roch den Braten schon aus einiger Entfernung. Ein Rinder-Schmorragout Stroganoff zauberte das Team um Jan-Philipp Iwersen am Montag auf dem Bahnhofsplatz aus der Pfanne. Alternativ gab’s Fisch-Curry. „Das ist, was die Bestände hergaben“, sagt der Chefkoch von Küche 13.

Der Mann hat Routine, schon seit etlichen Jahren mischt er als Freiwilliger bei den Bremer Suppenengeln mit. Und legte noch mal eine Schippe drauf. Insgesamt 450 Portionen wurden diesmal ausgegeben, nicht nur 400 wie im vergangenen Jahr. „Das war ein bisschen zu knapp.“

Gemeinsames Essen soll Wir-Gefühl stärken

Einmal pro Jahr zeigt sich der gemeinnützige Verein mit der Aktion „Brücken bauen – Offenes Essen für alle“ sozusagen auf dem Präsentierteller. Denn kostenlose Mahlzeiten auszugeben, das ist für die Bremer Suppenengel das täglich Brot. Mit drei Lastenfahrrädern radeln die Suppenengel viermal wöchentlich zu ihren Ausgabestellen, um Bedürftigen eine warme Mahlzeit anzubieten.

Und die wissen es zu schätzen. So wie Angelika Behnert, eine Hartz IV-Empfängerin aus Walle. Oder Alexander-Christoph Meinhardt. „Ohne die Suppenengel würden einige Leute den Monat nicht überstehen“, sagt der 39-Jährige.

Doch das „Offene Essen“ ist etwas anderes als die tägliche Essensausgabe. Es ist eine Veranstaltung mit Eventcharakter, sogar Livemusik gehört zum Programm. Inspiriert von den „Community Dinners“ im angelsächsischen Raum soll das gemeinsame Essen das Wir-Gefühl stärken. Dafür sorgen, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, die sich sonst nicht so leicht begegnen. „Wir wollen, dass Fremdartiges nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung erlebt wird“, sagt Suppenengel-Geschäftsführer Peter Valtink.

Suppenengel-Projekt gewinnt Preis

Dieser Gedanke stand denn auch Pate bei der Idee für das Suppenengel-Projekt „Flüchtlinge kochen für Obdachlose“. Das Konzept: Bunt gemischte Teams aus freiwilligen Helfern und Geflüchteten treffen sich in Übergangswohnheimen und kochen zusammen nach Rezepten aus den Herkunftsländern, danach wird das Essen an Bedürftige verteilt.

Für „Deutschland – Land der Ideen“, die gemeinsame Standortinitiative von Bundesregierung und deutscher Wirtschaft, ein preiswürdiges Unterfangen. Beim bundesweiten Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Idee“ landete das Projekt unter den 100 Preisträgern – und das bei rund 1000 Bewerbungen.

Jedes Jahr steht der Wettbewerb unter einem anderen Motto, diesmal lautete es „NachbarschafftInnovation – Gemeinschaft als Erfolgsmodell“. Möglich war die Bewerbung in sechs Kategorien, das Suppenengel-Projekt war im Bereich „Gesellschaft“ einer von insgesamt 28 Preisträgern.

Zwei weitere Gewinner aus der Region: Das i3-Life Sciences Cluster Nordwest-Projekt aus Bremerhaven, das Biomarker wie Gene oder Zellen, die auf Krankheiten hinweisen, mithilfe neuester Informationstechnologien genauer erforschen will, und das Projekt „enera“ aus Oldenburg, das intelligente Lösungen für dezentrale Energieversorgung sucht.

Vorbild für Deutschland

Warum die Jury das Projekt der Suppenengel mit einem Preis bedachte, erklärte Ludwig Blomeyer von der Deutschen Bank, seit 2006 nationaler Förderer des Wettbewerbs. „Das Besondere ist, dass Bedürftige für Bedürftige kochen, Flüchtlinge für Obdachlose.“ Damit seien die Bremer Suppenengel ein Vorbild für ganz Deutschland.

Den Preis nahm Valtink im Beisein von Sozialsenatorin Anja Stahmann entgegen, Schirmfrau der Aktion „Brücken bauen“. Aber nur stellvertretend für die zahlreichen freiwilligen Helfer, wie er betonte. Insgesamt engagieren sich 43 Ehrenamtliche und sechs Ein-Euro-Kräfte bei den Suppenengeln. Darunter Gerd Fechtner, der selbst einmal obdachlos war. Doch inzwischen habe er sich „hochgearbeitet“, sagt der 60-Jährige.

Von Spenden finanziert

Die große Bühne ist indessen nicht Valtinks Sache, er hält sich lieber im Hintergrund. Wenn es um die Suppenengel geht, wagt er sich aber doch aus der Deckung. Stahmann: „Und er kann sehr überzeugende Briefe und Anträge schreiben.“ Weil er weiß, dass Projekte und Auszeichnungen das Anliegen des Vereins in den Fokus rücken.

Weil er sich Hoffnung macht, dass die jüngste Auszeichnung „in den einen oder anderen Spenden-Euro münden“ könnte. Als komplett spendenfinanzierter Verein können die Suppenengel schließlich jeden Cent gebrauchen. Die ersten Münzen klingelten denn auch gleich in der Spendendose. Und es gab sogar einen 50 Euro-Schein.

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