Jean Genets „Die Zofen“ hat im Theater InCognito Premiere

Surreales Psycho-Spiel

Horn-Lehe. Gerade hat das Theater InCognito des Fachbereichs Kulturwissenschaften der Universität Bremen Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ erfolgreich auf die Bühne gebracht, da folgt die zweite Premiere dieses Sommersemesters. „Die Zofen“ von Jean Genet ist ein bizarr-surrealer Einakter, ein Drama um ein todbringendes Rollenspiel.
24.07.2014, 00:00
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Von Christiane Tietjen
Surreales Psycho-Spiel

Franz Eggstein bringt „Die Zofen“ von Jean Genet auf die Bühne des Theaters InCognito.

Petra Stubbe

Gerade hat das Theater InCognito des Fachbereichs Kulturwissenschaften der Universität Bremen Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ erfolgreich auf die Bühne gebracht, da folgt die zweite Premiere dieses Sommersemesters. „Die Zofen“ von Jean Genet ist ein bizarr-surrealer Einakter, ein Drama um ein todbringendes Rollenspiel.

„Die Zofen sind Ungeheuer wie wir selber, wenn wir dieses oder jenes träumen“, schreibt Jean Genet über seine beiden Kreaturen Claire und Solange. Inspiriert zu dem Drama hat den französischen Autor eine Zeitungsnotiz über einen Mord, der 1932 von den Schwestern Lea und Christine Pagin an ihrer Dienstherrin und deren Tochter in Le Mans verübt wurde.

1947 uraufgeführt, wurde „Die Zofen“ zu einem Skandalstück wegen Jean Genets unterschwelliger Bewunderung für die Schönheit einer elegant zelebrierten Brutalität.

Mit feiner psychologischer Beobachtung setzt er das irrsinnige Spiel der Schwestern in Szene, die die Abwesenheit ihrer „Gnädigen“ nutzen, um in deren Rolle zu schlüpfen und die Sprache der Herrschaft zu persiflieren, um sich über diese lustig zu machen.

Eigentlich sind sie selber aber die armen Kreaturen, die sich ein Zerrbild der Wirklichkeit vorspiegeln. Die Beziehung der Schwestern untereinander ist kompliziert, gewissermaßen symbiotisch, und zu ihrer Herrin empfinden sie eine Art Hassliebe, und das macht sie anfällig dafür, über dem Spiel mit den vertauschten Rollen den Realitätsbezug zu verlieren. Die Grenzen der herrschaftlichen Wohnung begrenzen auch die kleine Welt der Zofen und lässt sie in eine unheilvolle Spirale geraten.

Keine leichte schauspielerische Aufgabe für die drei Studentinnen, die unter der Regie von Franz Eggstein die beiden Zofen und die Madame spielen. Zofe Solange spielt Laure Achouline, die an der Bremer Universität Germanistik und Romanistik studiert, die ihr verschwörerisch verbundene Schwester Claire ist die Germanistikstudentin Nora Meyer, die Madame gibt Julia Müller, Studentin der Betriebswirtschaft an der Hamburger Universität.

Theatersaal der Universität an der Mensa, Bibliothekstraße, Premiere: Freitag, 25. Juli 20 Uhr, weitere Aufführungen: Sonnabend, 26. Juli 20 Uhr und Sonntag, 27. Juli 20 Uhr, Karten an der Abendkasse, 8 Euro, Studenten und Schüler 5 Euro.

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