Klarheit über Trassenverlauf

SWB legt sich bei Wärme-Pipeline durch den Bremer Osten fest

Bis Ende 2022 soll die neue Fernwärme-Pipeline durch den Bremer Osten betriebsbereit sein. Der Energieversorger SWB hat die Planung zum Trassenverlauf jetzt abgeschlossen.
28.10.2019, 19:26
Lesedauer: 4 Min
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SWB legt sich bei Wärme-Pipeline durch den Bremer Osten fest
Von Jürgen Theiner
SWB legt sich bei Wärme-Pipeline durch den Bremer Osten fest

Der mittelfristig angepeilte Kohleausstieg der SWB macht die Fernwärmetrasse im Bremer Osten notwendig.

Karsten Klama

Zumindest auf dem Reißbrett ist alles klar: Die geplante Fernwärmetrasse zwischen dem Müllheizkraftwerk Findorff und dem Heizkraftwerk in der Vahr soll einen guten Kilometer länger werden als ursprünglich geplant, dafür aber konfliktarm zu realisieren sein. Mit dem Entwurf geht der Energieversorger SWB in die anstehenden Bürgerversammlungen in den betroffenen Stadtteilen.

Wie berichtet, macht der mittelfristig angepeilte Kohleausstieg der SWB das Projekt notwendig. In einigen Jahren soll das Kraftwerk Hastedt vom Netz gehen. An dieser Anlage hängt aber derzeit noch das Fernwärmenetz im Bereich Hastedt/Vahr. Das heiße Wasser müsste also anderswo erzeugt und in das vorhandene Leitungsnetz eingespeist werden. Den Planern der SWB schwebt vor, die Warmwassererzeugung am Müllheizkraftwerk Findorff auszubauen und von einem bereits vorhandenen Leitungspunkt in Höhe Hochschulring eine Pipeline in die Vahr abzweigen zu lassen, wo sie auf Höhe des Gaskraftwerks in das dortige Versorgungsnetz einmünden würde. Die Umstellung der Fernwärmeversorgung in Hastedt und der Vahr würde nach Berechnungen der SWB jährlich rund 100.000 Tonnen klimaschädliches Kohlenstoffdioxid einsparen.

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Seit Aufnahme der Planungen hatten die Ingenieure diverse Trassenvarianten durchgespielt, die mit unterschiedlichen Nachteilen behaftet waren. Beispiel: Es wäre zwar einfach gewesen, die Transportleitung über den Hochschulring zur A 27 zu führen und von dort über die Richard-Boljahn-Allee zum Heizkraftwerk Vahr. Doch entlang der Autobahn gibt es kaum Potenziale für neue Fernwärme-Versorgungsgebiete. Verabschiedet hat man sich zwischenzeitlich auch von der Idee, die Trasse durch die Kulenkampffallee zu legen. Dort hätten rund 70 alte Bäume gefällt werden müssen, der Charakter der Straße hätte sich stark verändert.

Für den jetzt vorliegenden, endgültigen Entwurf hat sich die SWB von ihrem Vorsatz verabschiedet, die Trasse ausschließlich im öffentlichen Straßenraum zu verlegen. Das wäre insbesondere rechtlich einfacher gewesen, als Verträge mit privaten Grundeigentümern auszuhandeln, in denen die Rechte des Energieversorgers auf fremdem Grund und Boden über viele Jahrzehnte fixiert werden müssen. An solchen juristischen Klimmzügen führt nun aber kein Weg vorbei.

Der Verlauf der Trasse

Die jetzt geplante Trasse soll vom Hochschulring kommend am Kuhgrabenweg entlangführen und dann unterhalb der Kleinen Wümme in südöstlicher Richtung abknicken. Im Bereich der Konrad-Zuse-Straße ist ein weiterer Schwenk Richtung nach Süden vorgesehen, wobei die Leitung den vorhandenen Bahndamm unterquert. Im weiteren Verlauf soll die Heißwasser-Pipeline in Höhe der Straßenbahnwendeschleife auf die H.-H.-Meier-Allee treffen und von dort zum Schwachhauser Ring weiterführen. Ab da geht es weiter über Kirchbachstraße und Kurfürstenallee bis in die Vahr.

„Es gibt natürlich immer noch ein paar kleinere Juckepunkte auf der Route“, räumt SWB-Sprecher Friedhelm Behrens ein. So muss etwa im Bereich des Ahornwegs nahe der Kleinen Wümme ein Kleingartengebiet durchquert werden. Dort würde die Leitung nicht nur einige Parzellen berühren. Die Erdarbeiten müssten außerdem in der vegetationsfreien Zeit stattfinden, um nicht mit naturschutzrechtlichen Bestimmungen zu kollidieren. Ein Problem, das sich schlicht nicht vermeiden lassen wird, zeichnet sich auf dem Schwachhauser Ring zwischen H.-H.-Meier-Allee und Kirchbachstraße ab. Dieser stark befahrene Straßenabschnitt wird im Zuge der Erdarbeiten abschnittsweise gesperrt werden müssen, über gut ein Jahr sind dort Verkehrsbehinderungen unumgänglich.

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Immerhin: Die SWB hängt sich am Schwachhauser Ring an bereits terminierte Kanalarbeiten von Hansewasser. Der Stadtentwässerungsbetrieb wird dort seine Anlagen im Erdreich erneuern, parallel verbuddelt dann die SWB ihre Heißwasserleitung. „Hansewasser hätte sich mit ihrem Part noch Zeit lassen können. Durch die Terminabstimmung vermeiden wir, dass der Schwachhauser Ring innerhalb weniger Jahre zweimal aufgerissen werden muss“, erläutert Friedhelm Behrens.

Abschluss nach Möglichkeit bis Ende 2022

Das gesamte Projekt soll nach Möglichkeit bis Ende 2022 über die Bühne gegangen sein. Dass dies ein sehr ehrgeiziger Zeitplan ist, daraus macht der Unternehmenssprecher kein Geheimnis. Denn noch hat nicht einmal das sogenannte Planfeststellungsverfahren begonnen, an dessen Ende der Leitungsverlauf rechtlich festgeschrieben sein wird. Den entsprechenden Antrag will die SWB im ersten Quartal 2020 bei der Baubehörde einreichen. Danach startet das offizielle Beteiligungsverfahren, in dessen Rahmen die Pläne in den Ortsämtern öffentlich ausgelegt werden und die Bürger Stellung nehmen können. Die Anwohnerversammlungen, die für diesen Dienstag und in der kommenden Woche geplant sind, haben inoffiziellen Charakter.

Ob der ursprünglich geplante Kostenrahmen für das Projekt eingehalten werden kann, steht dahin. Ursprünglich sollte die Trasse rund sechs Kilometer lang werden, nach aktuellem Planungsstand sind es über sieben. Die SWB plante bisher mit einem Investitionsvolumen von rund 35 Millionen Euro.

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Weitere Informationen

Die erste von zwei geplanten Info-Veranstaltungen der SWB zum Trassenverlauf findet an diesem Dienstag ab 19 Uhr im Bürgerzentrum Vahr statt. Die zweite ist für Dienstag, 5. November, ab 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus an der Horner Heerstraße 28 vorgesehen.

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