Ursula Jaeger aus Schwachhausen feiert Finissage ihrer Ausstellung am dritten Advent in der Villa Sponte Symbole machen sich selbstständig

Steintor·Schwachhausen. Sie versteht sich auf das Weben von Symbolen: Ursula Jaeger zeigt in der Villa Sponte am Osterdeich 59 a einige ihrer Gobelins. Ihre Arche gleitet hinein in „eine rote Gefahrenzone“, wie sie sagt, umgeben von Dingen aus der menschlichen Kulturgeschichte.
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Von Christiane Tietjen

Sie versteht sich auf das Weben von Symbolen: Ursula Jaeger zeigt in der Villa Sponte am Osterdeich 59 a einige ihrer Gobelins. Ihre Arche gleitet hinein in „eine rote Gefahrenzone“, wie sie sagt, umgeben von Dingen aus der menschlichen Kulturgeschichte. Damit löst sie sich von dem biblischen Urbild und bringt es in einen neuzeitlichen Kontext.

Ähnlich ist es bei ihrem Turmbau zu Babel. Hier kippen die Häuser auf schwarz-grauem Grund. Ihr Fundamente sind brüchig geworden. „Der Tanz um das goldene Kalb“ ist das dritte biblische Thema, dem sich die Schwachhauser Künstlerin, die am Tag der Vernissage ihren 80. Geburtstag hatte, auf einem großen Gobelin widmet. Abstrahiert sind die die architektonischen und landschaftlichen Elemente im Hintergrund, in der Mitte wirbeln kleine eckige Fetzen um eine goldene Kugel. Diese Bewegtheit, die Ursula Jaeger in ihre Bildgewebe bringt, ist etwas ganz Besonderes. Sie setzt sich über die Geradlinigkeit von Kette und Schuss hinweg, um Schriftzeichen, Kreise, Schrägen und Schwünge entstehen zu lassen. Die Lockerheit in der Zusammensetzung wird gehalten von einer Klarheit der Grafik und fein aufeinander abgestimmten Farben und Farbverläufen.

Die gebürtige Schwerinerin lebt und arbeitet seit 42 Jahren in Bremen. Bekannt geworden ist ihre Textilkunst durch zahlreiche Ausstellungen und ihre Altar- und Kanzelbehänge, die in Bremer Kirchen zu sehen sind. Ihre Arbeitsweise ist sehr diszipliniert, jeden Tag ist Ursula Jaeger ohne Ausnahme von neun bis 12 Uhr am Webstuhl. Gewebt wird mit Leinengarn, manchmal verwendet sie artfremdes Material wie Papyrus, Papier oder Furnier. Die Entwürfe für ihre Kompositionen sind meist farbig angelegt und sehr ausgefeilt, sie werden hinter der Kette angebracht und ermöglichen der Künstlerin eine genaue Umsetzung ihrer Vorstellungen. „Für mich gehören Handwerk und Kunst zusammen, getreu dem Bauhaus-Prinzip“, erklärt sie. „Ich will nicht in Konkurrenz treten zur Malerei.“ Im gleichberechtigten Nebeneinander der freien Künste hat die Tapisserie jedoch heute einen festen Platz bekommen.

Wie berechtigt das ist, kann jeder feststellen, der sich in die Bildgewebe von Ursula Jaeger vertieft. In Raum I der Villa Sponte sind neben den schon beschriebenen biblischen Themen der geheimnisvolle „Eremit“, das große Bild „Der sechste Tag“ aus der Schöpfungsgeschichte und die filigranen „Koptischen Miniaturen“ in einer Vitrine zu sehen, Gewebe mit Maschinenstickerei. Bei den Werkreihen „Alte Briefe“, „Osterholzer Tagebuchblätter“ und „Skizzenblätter“ stehen archaische Zeichen im Zentrum, die schon seit Urzeiten der Verständigung dienen: Strich, Punkt, Pfeil, Kreuz und Zickzack. Die Begriffe Text und Textil finden hier mit ausgesprochener Leichtigkeit zusammen. In Raum II ist die wunderbar heitere Werkreihe „Spiel-Art“ zu sehen mit den an Spielkarten erinnernden Bildern und dem Gobelin „Spielfelder“. Die Würfel, Spielfiguren und Mikadostäbe sind dabei wie auf einem Teppich ausgestreut. Die warmen Farben Afrikas leuchten auf „Tanz in den Sommer“ im Flur, daneben die „Magischen Tücher“ mit den Klosterimpressionen. Aquarelltechnik und das Einarbeiten von Papyrus beleben „Brieffragment“, „Notizen“ und „Ungeschriebener Brief“. Die Bildgewebe Ursula Jaegers mit ihrer ausgewählt ästhetischen Farbigkeit haben eine klare künstlerische Aussage und lassen doch den Betrachtern viel Spielraum für Entdeckungen.

Villa Sponte, Osterdeich 59 a, geöffnet Sonnabend, 12. Dezember, 15 bis 18 Uhr, Finissage ist am Sonntag, 13. Dezember, 15 Uhr.

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