Rund 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene proben für eine Aufführung im Theater am Goetheplatz

Tänzerische Reisen

Koffer packen, fliegen, abtauchen – wie lässt sich das Reisen tänzerisch darstellen? Darüber haben sich jetzt rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Herbsttanzakademie“ Gedanken gemacht. Entstanden ist eine Choreografie, die am Sonntag, 8. Februar, als Teil von „Tanz Bremen“ im Theater am Goetheplatz Premiere feiert.
05.02.2015, 00:00
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Von MAREIKE NICKLAS
Tänzerische Reisen

In dieser Tanzszene geht es um das Thema „Familie und Reisen“. Die Choreografie entsteht in gemeinsamer Arbeit während der Proben der Herbsttanzakademie. FOTOS. PETRA STUBBE

Petra Stubbe

Koffer packen, fliegen, abtauchen – wie lässt sich das Reisen tänzerisch darstellen? Darüber haben sich jetzt rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Herbsttanzakademie“ Gedanken gemacht. Entstanden ist eine Choreografie, die am Sonntag, 8. Februar, als Teil von „Tanz Bremen“ im Theater am Goetheplatz Premiere feiert.

Eine Frau geht auf die Knie. Auf allen Vieren hockt sie auf dem Holzboden der Aula in der Gesamtschule Ost (GSO). Um sie herum stehen fünf andere Frauen und Mädchen in Sportkleidung. Dann setzt sich ein Mädchen auf den Rücken der Frau. Was aussieht wie eine Trockenübung in der Reitstunde, gehört zur Choreografie des aktuellen Tanzprojekts „Herbsttanzakademie“.

Seit Oktober treffen sich Tänzer und Tänzerinnen im Alter zwischen sieben und 70 Jahren aus ganz Bremen zum Tanzen. Manche von ihnen tanzen seit vielen Jahren, andere hatten vorher noch nie einen Schritt aufs Parkett gewagt.

Eine andere Szene aus der Übungsphase: Eine Gruppe von sechs Erwachsenen trägt ein Mädchen waagerecht auf den Händen durch die Luft. Das erinnert an einen Musiker, der bei einem Konzert von der Bühne springt und sich von seinen Fans tragen lässt. Auch hier ist es Tanz. Und dahinter steckt viel Arbeit.

Das Trainingsprogramm ist straff. Die Teilnehmenden proben seit vier Monaten einmal in der Woche für fünf bis sechs Stunden. „Ich möchte aus allen das Beste herauskitzeln. Sie sollen an ihre Grenzen gehen und darüber hinaus“, sagt Choreograf Wilfried van Poppel. Früher war er im Theater Bremen als Tänzer engagiert. Vor zwölf Jahren hat er den Verein „DeLoopers“ gegründet. Zusammen mit seiner Partnerin Amaya Lubeigt produziert der heute 56-Jährige Tanztheaterstücke.

Seit 2009 gehört auch die Herbsttanzakademie dazu. Zunächst hatten nur 25 Kinder mitgemacht, in diesem Jahr sind es fast 100 Teilnehmende. Die Herbsttanzakademie ist ein gemeinsames Projekt mit dem Kulturbüro Bremen-Nord, der Kunsthalle Bremen, dem Theater Bremen sowie der Jacobs-University.

„Voyage – Unterwegs“ heißt das Thema diesmal. Das Besondere an dem Projekt: Die gesamte Choreografie entsteht erst im Laufe der Monate gemeinsam mit den Teilnehmern. „Am Anfang sollte jeder eine Bewegung machen, die er mit Reisen verbindet“, erzählt Onca aus Gröpelingen. Sie hatte den anderen vorgeführt, wie es aussieht, wenn man einem fahrenden Auto hinterher schaut. „Aber auch das Kofferpacken, beim Tauchen die Luft anhalten oder das Lenkrad eines Autos hin und her bewegen waren bei den Tanzübungen dabei“, sagt sie über die ersten Treffen.

Außerdem haben sich die Tänzerinnen und Tänzer in der Kunsthalle inspirieren lassen – beim Betrachten von Bildern von Émile Bernard, dem die neue Sonderausstellung gewidmet ist. Den französischen Maler kannte Onca bis dahin nur dem Namen nach. Die Schülerin sitzt nun auf einem Stuhl am Rand der Aula und beobachtet die anderen bei der Probe. Die 17-Jährige ist verletzt. Bis zur Aufführung am 8. Februar will sie aber wieder fit sein – und zumindest einen Teil der Choreografie mittanzen.

Claudia Horchler drückt ihr die Daumen. Die 43-Jährige aus Osterholz-Scharmbeck ist zum ersten Mal bei der Herbsttanzakademie dabei. Ihr gefällt besonders die Mischung der Gruppe. Wenn Erwachsene, Jugendliche und Kinder, Tänzer und Nichttänzer zusammen tanzen. „Und mittlerweile sind wir zusammengewachsen wie eine große Familie“, sagt sie. Sich Schritte zu merken und sich zur Musik zu bewegen, das ist für Claudia Horchler nicht neu. Sie tanzt seit zehn Jahren klassisches Ballett.

Auch Anton kennt sich mit Choreografien aus. Der Achtjährige aus Findorff ist einer der wenigen Jungen bei der Herbsttanzakademie. „In der Schule bin ich in der Tanz-AG“, erzählt der Schüler mit dem braunen Haar und dem Ringelshirt. Beim Thema Reisen denkt er an seinen letzten Urlaub im Sommer in Frankreich: Wie es sich zum Beispiel anfühlte, wenn man die ganze Zeit herumlaufen musste und am Abend müde Füße hatte.

Unter dem Motto „Voyage – Unterwegs“ tanzen Bremer im Alter von sieben bis 70 Jahren in Begleitung eines Orchesters am Sonntag, 8. Februar, 16 Uhr, im Theater am Goetheplatz. Eine Open-Air-Aufführung ist für Montag, 27. April, an den Wallanlagen hinter der Kunsthalle geplant. Weitere Informationen im Internet unter www.de-loopers.eu.

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