Gebäude an der Langen Straße ist in der Pogromnacht von Nationalsozialisten ausgeräumt worden Tafel erinnert an ehemalige Synagoge

Berne. Eine Tafel erinnert ab sofort an die Geschichte des Gebäudes Lange Straße 31 in Berne. Hier befand sich die ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von GEORG JAUKEN

Berne. Eine Tafel erinnert ab sofort an die Geschichte des Gebäudes Lange Straße 31 in Berne. Hier befand sich die ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde. 78 Jahre nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 ist damit wieder öffentlich sichtbar, dass und wo es in der Gemeinde Berne eine Synagoge gab.

Das Gebäude hatte für fast einhundert Jahre seiner Zweckbestimmung als Synagoge gedient, berichtet Reinhard Rakow, der sich seit Jahren um die Erinnerung an die jüdische Geschichte Bernes verdient macht. Die jüdische Gemeinde hatte das Grundstück an der Langen Straße 1838 erworben. Am 18./19. August 1840 erfolgte die Einweihung des darauf errichteten Neubaus als Synagoge.

Zur Zeit des Pogroms im November 1938 war es allerdings bereits in „arischer“ Hand. Gottesdienste hatten dort seit etlichen Jahren nicht mehr stattgefunden. Der letzte Vorsteher der sich auflösenden Gemeinde hatte das Synagogengrundstück 1938 verkauft. Mit dem bescheidenen Erlös konnten einige Berner Juden ihre Emigration nach Südafrika finanzieren. Das Gebäude blieb in der Pogromnacht denn auch weitgehend von der Zerstörung verschont. Die Inneneinrichtung wurde jedoch von SA-Angehörigen zerschlagen, herausgeschleppt und verbrannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude (nach Klärung der Eigentumsverhältnisse) 1955 umgebaut. Es wurde unter Denkmalschutz gestellt, auch wenn seit dem Umbau nur noch die Abmessungen des Gebäudes und die Form des Dachs an die Synagoge erinnern.

An der Ablehnung des Eigentümers soll ein erster Versuch in der 80er oder 90er Jahren gescheitert sein, eine Tafel zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge anzubringen. Der heutige Eigentümer Uwe Spille lebte zuerst mehrere Jahre als Mieter in der alten Synagoge und kaufte das Gebäude im Jahr 2007. Er hatte keine Einwände gegen die Erinnerungstafel. Hergestellt und angebracht wurde die Tafel im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. „Ein langjähriges Anliegen des Gemeinderats geht in Erfüllung“, freut sich deren Vorstandsmitglied Karin Logemann. „Die alte Synagoge soll wieder ins Bewusstsein gerückt werden“, ergänzt ihr Vorstandskollege Björn Thümler. Er hofft, dass künftig auch an weiteren Gebäuden Tafeln zur Erinnerung an ihre jüdische Geschichte angebracht werden können. Als Beispiel verweist er auf die heutige Spielothek – nur wenige Häuser von der alten Synagoge entfernt. Das Geschäftshaus mit den großen Schaufenstern nach US-amerikanischem Vorbild beherbergte einst das Manufakturwarengeschäft der jüdischen Familie Koopmann. „Es geht nicht darum, irgendjemanden anzuklagen, sondern um die Erinnerung“, sagt Thümler.

Reinhard Rakow freut sich, dass die Tafel zur Erinnerung an die Synagoge noch vor Weihnachten angebracht werden konnte. Denn am 25. Dezember beginnt auch das jährliche Chanukka (Lichterfest), mit dem die Juden weltweit die Wiedereinweihnung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor Christus feiern.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+