Mikrobiologin entwirft afrikanische Mode

Tagsüber Wissenschaft, nachts Design

Nchimunya Nelisa Tebeka studiert Mikrobiologie. In ihrer Freizeit entwirft sie Kleidung, wie sie in ihrer Heimat Sambia getragen wird. Aus dem Verkaufserlös werden Kinder in Johannesburg unterstützt.
05.11.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Knief
Tagsüber Wissenschaft, nachts Design

Nchimunya Nelisa Tebeka inmitten ihrer Entwürfe.

Christian Kosak

Nchimunya Nelisa Tebeka studiert Mikrobiologie. In ihrer Freizeit entwirft sie Kleidung, wie sie in ihrer Heimat Sambia getragen wird. Aus dem Verkaufserlös werden Kinder in Johannesburg unterstützt.

Die Augen von Nchimunya Nelisa Tebeka leuchten, wenn sie ihre selbst entworfene Kleidung in der Hand hält. Stolz zeigt sie die farbenfrohen Hosen, Röcke, Kleider und Accessoires, die sie gemeinsam mit zwei Freundinnen kreiert und aus ihrer Heimat Sambia nach Deutschland gebracht hat.

Drei junge Frauen, die Spaß daran haben Kleidung zu entwerfen, sind zunächst nichts Außergewöhnliches. Drei junge Biochemikerinnen, die in ihrer Freizeit kreativ werden und damit auch noch etwas Gutes für die Menschen in Deutschland und in ihren afrikanischen Heimatländern tun wollen, sieht man allerdings nicht alle Tage.

Nchimunya Nelisa Tebeka ist 24 Jahre alt und macht gerade ihren Masterabschluss am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Die Idee, nebenbei Kleider zu designen, entstand 2013 während ihres Bachelorstudiums an der Jacobs University. Gemeinsam mit zwei Kommilitoninnen aus Äthiopien und dem Senegal sprach sie über ihre Erfahrungen in Europa und kulturelle Unterschiede. „Dabei ist uns aufgefallen, dass in Deutschland sehr wenige Menschen bunte Kleidung tragen“, sagt sie. Die drei kamen zu dem Entschluss, dass dies geändert werden muss. Zum einen, um mehr Farbe in das Leben der Menschen in ihrer Umgebung zu bringen, zum anderen, weil sie die bunte Kleidung aus ihrer Heimat auch sehr vermissten. „Wir haben Entwürfe gemacht, sie aufgeteilt und sind in den Semesterferien alle in unsere Heimatländer gereist“, erzählt Tebeka.

Mit jeweils 70 Euro aus der eigenen Tasche ließen sie aus ihren Entwürfen dann Kleider für eine erste Kollektion nähen, die sie in Deutschland verkaufen wollten. Ein großer Zufall: „Alle unsere Mütter sind Schneiderinnen“, erzählt Tebeka. „Sie haben geholfen die Anfertigung für uns zu organisieren.“

Mit dem Nähhandwerk aufgewachsen

Alle drei Frauen sind also mit dem Nähhandwerk aufgewachsen und träumten in jungen Jahren davon, später einmal Mode zu entwerfen. „Zu Hause ist das aber keine Karriere, die einem Geld bringt. Und unsere Eltern rieten uns, in die Wissenschaft zu gehen“, erzählt Nchimunya Nelisa Tebeka. Diesem Rat folgten die jungen Frauen, auch wenn ihre Liebe zum Design nebenbei immer bestehen blieb.

Mit vollen Koffern ging es 2013 nach dem Besuch bei ihren Familien zurück nach Deutschland, wo die drei ihre Kollektion mit dem Namen „Afro-Lindaz“ in verschiedenen Modenschauen an der Jacobs University und in der Stadt präsentierten. „Die erste Kollektion war sehr schnell weg“, berichtet Tebeka. „Die Leute haben sich gefreut und uns sogar Bilder geschickt, um zu zeigen, wie toll sie in unseren Sachen aussehen.“

Profit wollten die drei mit ihrer Mode eigentlich gar nicht machen, aber da ihre Kleidung so gut ankam, beschlossen sie mit dem Erlös etwas Gutes zu tun: Die eine Hälfte der Einnahmen steckten die drei Hobby-Designerinnen in die Produktion einer zweiten Kollektion, die sie aktuell verkaufen und nutzen, um ihre Designs auf Fair-Trade-Modenschauen bekannter zu machen. „Wir wollen fair bezahlte Arbeitschancen für die talentierten afrikanischen Näher schaffen“, sagt Tebeka.

Die zweite Hälfte der Einnahmen floss in einen anderen Bereich, der den drei Wissenschaftlerinnen am Herzen liegt: Sie wollen Kindern helfen, die keine richtige Schulbildung genießen. Also spendeten sie einen Teil des Geldes an eine Schule am östlichen Rand von Johannesburg, um sie bei der Finanzierung von Schulmaterialien zu unterstützen. „Wenn unser Projekt weiter so gut läuft, können wir von den Einnahmen vielleicht auch irgendwann eine neue Schule aufbauen“, hofft Tebeka.

"Afro-Lindaz"

Aktuell informieren die jungen Frauen noch auf ihrer Facebookseite „Afro-Lindaz“ über neue Kollektionen und kommende Veranstaltungen. Anfang 2016 soll allerdings auch eine eigene Website online gehen, über die Kunden noch individueller Kleidung in Schnitt und Farbe nach Wunsch bestellen können und zwar zu fairen Preisen. 25 Euro kostet eine Hose aus der Kollektion aktuell, die Preise für Röcke liegen je nach Länge zwischen 20 und 25 Euro.

Eigenen Profit wollen die drei „wissenschaftlichen Modedesigner“ auch in Zukunft nicht aus ihrem Projekt nicht schlagen. Afro-Lindaz soll ein soziales Geschäft bleiben. „Auch so profitieren alle von unserem Business: Wir können Kindern zu Bildung verhelfen, schaffen Jobs für die Schneider und bringen mehr Farbe nach Deutschland“, sagt Tebeka. Außerdem gibt das Projekt den drei jungen Frauen die Chance, ihren Traum vom Modedesign doch noch auszuleben – auch neben ihren erfolgreichen Karrieren als Wissenschaftlerinnen.

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