Geburtstagsfest für den Dreimaster an der Lesum-Mündung mit Open Ship am 7. und 8. Juli

Tango auf dem Schulschiff

Vegesack. Zum 90. Geburtstag des „Schulschiffs Deutschland“ wird getanzt.
10.06.2017, 00:00
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Von Gabriela Keller
Tango auf dem Schulschiff

Seit 1994 steht der Dreimaster, der an der Lesum-Mündung liegt, unter Denkmalschutz. Am 7. und 8. Juli kann er kostenlos besichtigt werden.

Marina Köglin

Vegesack. Zum 90. Geburtstag des „Schulschiffs Deutschland“ wird getanzt. Der Deutsche Schulschiff-Verein fordert im Juli zum Tango an Bord auf. Für Claus Jäger ist die Verbindung von maritimer norddeutscher Tradition und südamerikanischem Temperament nicht so ungewöhnlich, wie sie auf den ersten Blick scheint. „Auf seinen vielen Reisen nahm das Schulschiff Deutschland auch Kurs auf Südamerika“, erklärt der Vorsitzende des Schulschiff-Vereins. Auf einer seiner zwölf Überseereisen zwischen 1927 und 1939 segelte der „Weiße Schwan der Unterweser“ nach Buenos Aires in Argentinien, dem Mutterland des Tangos.

Und deshalb wird zum Geburtstag bei einer Tanzeinlage an Bord des Dreimasters eine flotte Sohle auf die Planken gelegt. Am Freitag, 7. Juli, und Sonnabend, 8. Juli, wird gefeiert. Mit kostenlosen Schiffsbesichtigungen an beiden Tagen, Musik, Tanz und Knotenknüpfen für Kinder. Auf einer großen Leinwand an Bord wird ein Film mit historischen Aufnahmen des „Schulschiffs Deutschland“ aus den 1930er-Jahren gezeigt.

Den Auftakt macht am Freitag ab 11 Uhr ein offizieller Empfang für geladene Gäste. Für den Bremer Senat kommt Innensenator Ulrich Mäurer. Musikalisch unterhält der Schulschiff-Deutschland-Chor. Ab 13 Uhr heißt es „Open Ship“. An und unter Deck können Besucher das letzte erhaltene Vollschiff der deutschen Handelsschifffahrt in Augenschein nehmen. „Die früheren Ausbildungswerkstätten im Bauch des Schiffes werden geöffnet sein“, verspricht Jäger. Als besondere Attraktion wird der Schulschiff-Verein erstmals ein Originalsegel des Dreimasters präsentieren. „Das wurde vor einem Jahr im Magazin des Internationalen Maritimen Museums in Hamburg entdeckt“, erzählt Jäger.

Am Freitagnachmittag gibt es eine Tango-Vorführung. Ab 18 Uhr spielen eine Barbershop-Damenband, außerdem hat ein Mitglied der Band „Trio Royal“ einen Soloauftritt. Am Sonnabend ist der Dreimaster ab 11 Uhr zu besichtigen. Der Vegesacker Seemannschor singt, ab etwa 17 Uhr spielen die „Wallstreet Dixies“ aus Oldenburg.

Das „Schulschiff Deutschland“ ist das letzte der einst fünf Ausbildungs-Segelschiffe umfassenden Flotte im Besitz des Deutschen Schulschiff-Vereins, der im Jahre 1900 gegründet wurde. Seit 1994 steht der Dreimaster an der Lesum-Mündung unter Denkmalschutz. Rund 200 000 Euro muss der Verein laut seines Vorsitzenden Jäger jährlich aufwenden, um das schwimmende Kulturdenkmal in Schuss zu halten. Schiffsbetriebsmeister Ingo Müller-Fellmett kümmert sich als Vollzeitkraft um alles, was an Bord an Arbeiten anfällt. Zwei Teilzeitkräfte nehmen Buchungen für Veranstaltungen, Hochzeiten und Übernachtungen auf dem Schulschiff entgegen.

„Außerdem beschäftigen wir einige rüstige Rentner auf 450-Euro-Basis, die das Schiff rund um die Uhr bewachen“, sagt Jäger. Früher habe der Verein auch auf Langzeitarbeitslose zurückgreifen können, inzwischen vermittle die Bagis (heute Jobcenter) keine In-Jobber mehr für das Schulschiff. Zur Verfügung steht dem Verein laut Jäger dafür ein gutes Dutzend ehrenamtlicher Helfer.

„Als bremisches Landesdenkmal bekommen wir keine feste institutionelle Förderung. Unsere Aufwendungen müssen wir aus laufenden Einnahmen bestreiten“, so der Vorsitzende. Ausnahme: Bei der kostspieligen Rumpfreparatur vor drei Jahren bescherte der Status als Denkmal von nationalem Rang dem Verein Zuschüsse. An den Kosten von einer Millionen Euro beteiligten sich der Bund mit 400 000 Euro, der Bremer Wirtschaftssenator mit 200 000 Euro und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 100 000 Euro.

Im Tagesgeschäft bringen Einnahmen von Übernachtungsgästen und Veranstaltungen, Beiträge von 330 Mitgliedern, Spenden und Eintrittsgelder für Besichtigungen Geld in die Kasse. Rund 10 000 „Seh-Leute“ zählt der Verein nach Jägers Angaben durchschnittlich pro Jahr an Bord. „Das ist für ein Schiff dieser Klasse und Bedeutung zu wenig. Wir verdienen und wünschen uns mehr Besucher.“

Die Hoffnungen des Vereinsvorsitzenden ruhen auch auf dem geplanten Teilabriss und Umbau des Haven Höövts. Die neuen Eigentümer wollen den vorderen Teil des Einkaufszentrums vom Glasturm bis zur Glasbrücke abreißen lassen. Jäger: „Wir sehen es als Chance, wenn der Klotz zwischen Hafen und Speicher wegkommt.“

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