Dritter Vorfall mit der Germania-Maschine in fünf Tagen / Fluggesellschaft zieht nun Konsequenzen „Tango Papa“ bleibt jetzt unten

Zum dritten Mal in dieser Woche gibt es auf der Flugstrecke Bremen-Mallorca technische Probleme bei Germania – und das stets mit derselben Maschine. Die Fluggesellschaft nimmt den Flieger mit der Kennung „Tango Papa“ nun aus dem Betrieb und will ihn untersuchen.
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„Tango Papa“ bleibt jetzt unten
Von Lisa Schröder

Zum dritten Mal in dieser Woche gibt es auf der Flugstrecke Bremen-Mallorca technische Probleme bei Germania – und das stets mit derselben Maschine. Die Fluggesellschaft nimmt den Flieger mit der Kennung „Tango Papa“ nun aus dem Betrieb und will ihn untersuchen.

Eigentlich sollten sie jetzt schon in ihrem Urlaub sein. Stattdessen sitzen Ursula und Klaus Fischer aus Schwachhausen in einem Café am Flughafen Bremen. Ab 7.05 Uhr wollten sie am Freitag mit einem Flieger der Germania mit Zwischenstopp in Ibiza nach Mallorca fliegen. Doch erneut gibt es bei der Maschine mit der Kennung „Tango Papa“ technische Probleme. Um 8.30 Uhr erfährt das Ehepaar, dass sein Flug deshalb gestrichen ist. Seit 5.45 Uhr sind die beiden am Flughafen. Klaus Fischer: „Für uns geht es die ganze Zeit hin und her. Keiner weiß was. So etwas habe ich in 50 Jahren und bei vielen Reisen noch nicht erlebt.“

Das Ehepaar ist kurz davor, den Urlaub abzusagen. „Wir haben ja auch noch das Vergnügen, dass wir mit denen zurückfliegen müssen. Da wird einem schummrig“, sagt Fischer. Von Germania, seinem Reiseanbieter oder dem Flughafen habe es keine Informationen gegeben: „So etwas Chaotisches habe ich noch nicht erlebt.“

Am Tisch nebenan sitzt Monika Therling aus Osnabrück mit ihrem Kegelverein. Die Gruppe wollte ebenfalls den Flieger nach Mallorca nehmen: „Wir sind das erste Mal hier am Flughafen und enttäuscht.“

Zwei Ersatzflugzeuge sollten die über 200 Passagiere noch am selben Tag nach Ibiza und Mallorca bringen. Bis zum späten Nachmittag war aber tatsächlich nicht klar, ob sie fliegen werden. Eine Mitarbeiterin der Aviation Handling Services (AHS), die die Passagiere stellvertretend für Germania vor Ort betreut, hatte gegen Mittag erklärt, dass alle Fluggäste ihr Reiseziel noch erreichen würden. Für sie kam der Vorfall mit der Maschine „Tango Papa“ nicht überraschend: „Wenn ich höre, dass dieser Flieger startet, möchte ich lieber nicht zur Arbeit.“

Die Maschine hatte allein in dieser Woche zweimal technische Probleme: Ein Flug am Montag, ebenfalls nach Mallorca, wurde nach zwei abgebrochenen Startversuchen gestrichen. Am Dienstag musste die Maschine, erneut auf dem Weg nach Mallorca, in Düsseldorf zwischenlanden – wiederum wegen der Technik: durch Unregelmäßigkeiten einer Warnanzeige im Cockpit. Auch am 16. August musste ein Flug wegen ihr gestrichen werden.

Im neuesten Fall funktionierte die Kraftstoffanzeige nicht. „Ein relativ banaler Fehler, der auch einfach zu beheben ist“, so Sven Dupke, technischer Direktor der Germania. „Tango Papa“ solle jetzt aber vorerst nicht mehr fliegen: „Wir werden die Maschine unmittelbar aus dem Service nehmen und nach Berlin bringen, um mit Hilfe des Herstellers Airbus die Ursachen tiefgründig zu untersuchen.“ Germania-Geschäftsführer Andreas Wobig: „Wir nehmen das sehr ernst.“

Das Flugzeug, Baujahr 1999, ist erst seit dem August für Germania unterwegs. Bei der Übernahme sei die Maschine vier Wochen inspiziert worden, betont Dupke. Der Zustand sei tadellos. Die Probleme in den vergangenen fünf Tagen und im August hätten stets unterschiedliche Ursachen gehabt: einen Triebwerkwechsel und zuletzt drei Fehler im Überwachungssystem. Diese habe man jeweils behoben. Auch der Hersteller Airbus habe das Flugzeug stets freigegeben. Der Geschäftsführer spricht von einer „unglücklichen Serie“, die ihm mehr als unangenehm sei. „Das ist für die etwa 30-jährige Geschichte der Germania unüblich.“

Insgesamt habe die Airline 24 Flugzeuge im Einsatz, sie seien voll verplant. Deshalb sei es schwierig, schnell eigene Ersatzflieger zu stellen. Drei Flugzeuge waren bisher auf Strecken nach und aus Bremen unterwegs. Die betroffene Maschine sei mit 218 Plätzen die größte, so Dupke.

Dass Fluggäste jetzt nicht mehr mit der Germania fliegen wollen, kann Geschäftsführer Wobig zwar nicht verstehen, aber nachvollziehen: „Das ist eine unglückliche Verkettung von Umständen, die aber keinen Moment den Verlust der Sicherheit nach sich gezogen hat.“ Man wolle sich nun schnell um Schadenersatz für die betroffenen Passagiere kümmern und ihre Anfragen bevorzugt behandeln, erklärt er. Nach Aussage der Verkehrszentrale, so Wobig, sollen alle Passagiere ihr Ziel noch am Freitag erreicht haben.

Ein Sprecher des Flughafens Bremen sagt, der Airport bedauere die Verspätungen sehr und sei in intensiven Gesprächen mit der Germania über dieses Thema.

Sven Dupke wird „Tango Papa“ morgen selbst aus Bremen nach Berlin zur Inspektion fliegen – so sieht es zumindest der Plan vor.

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