"Kribbeln im Bauch" fördert das Körper- und Selbstwertgefühl / Schüler sprechen über Sucht und Gewalt

Tanzen, reden, lernen – Projekt unterstützt Neuntklässler

Bremen. Sie haben Walzer getanzt, sich ausgetobt bei Zumba und Hiphop – und intensiv über Themen wie Konfliktlösung, Rollenverhalten und Sucht gesprochen. Die Jugendlichen aus der 9b der Huchtinger Oberschule Hermannsburg hatten fünf Tage "Kribbeln im Bauch" – so heißt das Tanzprojekt zur Sucht- und Gewaltprävention, das Margrit Hasselmann vom Landesinstitut für Schule (LIS) seit 2006 für 9. Klassen organisiert. Sie nennt es "Lebenskompetenztraining". Die Jugendlichen sollen Zutrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln, ihr Selbstwertgefühl stärken und auf Gewalt und Drogen verzichten.
05.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Elke Hoesmann

Bremen. Sie haben Walzer getanzt, sich ausgetobt bei Zumba und Hiphop – und intensiv über Themen wie Konfliktlösung, Rollenverhalten und Sucht gesprochen. Die Jugendlichen aus der 9b der Huchtinger Oberschule Hermannsburg hatten fünf Tage "Kribbeln im Bauch" – so heißt das Tanzprojekt zur Sucht- und Gewaltprävention, das Margrit Hasselmann vom Landesinstitut für Schule (LIS) seit 2006 für 9. Klassen organisiert. Sie nennt es "Lebenskompetenztraining". Die Jugendlichen sollen Zutrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln, ihr Selbstwertgefühl stärken und auf Gewalt und Drogen verzichten.

Egal, ob in Schlabberjeans oder im Abendkleid – konzentriert und ohne Scheu zeigen die Huchtinger Schülerinnen und Schüler vor Senioren, was sie an fünf Tagen in einer Oslebshauser Tanzschule gelernt haben. Lauter Applaus, die Jugendlichen strahlen. "Unglaublich, was für Energie die entwickelt haben", sagt ihre Lehrerin Ulrike Plappert. Auch sie wurde für das Projekt zwei Tage geschult.

Insgesamt elf Klassen haben dieses Jahr je eine Woche "Kribbeln im Bauch" gespürt. Die Neuntklässer, darunter viele Förder- und Werkschüler, trainierten und tanzten zusammen, redeten mit ehemaligen Drogenabhängigen. Essstörung, Komasaufen und ausuferndes Computerspiel – auch das kam zur Sprache. Mehrere Tanzlehrer und ein Präventionsteam betreuten die Jugendlichen abwechselnd. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler ist auch diese Woche dabei: Bis zum Freitag dauert ihr Intensiv-Tanztraining im Bürgerhaus Oslebshausen. Höhepunkt wird ihr Auftritt an diesem Sonnabend auf dem Marktplatz sein.

Manchmal fehle Eltern das Verständnis für die Projektwoche, bedauert Margrit Hasselmann. "Dann heißt es, die Schüler sollen was lernen." Aber dabei werde übersehen, wie wichtig soziales, kreatives Lernen und die Fähigkeit seien, mit den eigenen Gefühlen umzugehen – Grundbedingungen des Lernens überhaupt, findet Hasselmann.

Eine Projektwoche kostet rund 3100 Euro. "Wenig Geld für das, was man erreicht", sagt die Expertin vom Landesinstitut für Schule. Eine Therapie etwa sei deutlich teurer. Die AOK Bremen/Bremerhaven habe das Projekt bislang mit 100000 Euro unterstützt, den Rest übernehmen das LIS und Sponsoren. Hasselmann: "Je mehr Sponsoren wir finden, desto mehr Wochen können wir anbieten."

Mittlerweile haben rund 1200 Schülerinnen und Schüler die bunte Mischung aus Tanz und Gespräch kennengelernt, bilanziert Hasselmann. 61 Projektwochen gab es bislang für 65 Schulklassen, überwiegend aus sozialen Brennpunkten der Stadt. 99 Lehrkräfte ließen sich schulen. Bei neun öffentlichen Auftritten stellten gut 500 besonders interessierte Jugendliche "Kribbeln im Bauch" vor.

Das Projekt ist 2007 und 2009 wissenschaftlich begleitet worden. Rund hundert Schülerinnen und Schüler ließen sich vor und sechs Monate nach der Tanzwoche befragen. Dabei stellte sich heraus, dass ein Drittel der befragten Jugendlichen nach der Projektwoche das Rauchen eingeschränkt oder ganz damit aufgehört hatte. Die Zahl derjenigen, die angaben, "im letzten Monat nicht betrunken gewesen zu sein", hatte sich laut Erhebung der Universität Oldenburg nach einem halben Jahr verdoppelt. Mehr als zwei Drittel der Befragten sagten, sie hätten ein besseres Körpergefühl bekommen, viele fanden außerdem, sie seien selbstbewusster geworden. Auch zwei Jahre nach Projektende waren noch positive Verbesserungen bei den Teilnehmern festgestellt worden, berichtet Hasselmann.

Rund 100 Jugendliche präsentieren

am Sonnabend, 7. Juli, das Tanz-und

Präventionsprojekt "Kribbeln im Bauch"

ab 11.30 Uhr auf dem Marktplatz.

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