Festival „Explosive“ in Bremen Tanztheater in Bewegung

Weil die Macher des „Explosive"-Festivals den Tanz vielen Zuschauern näher bringen wollen, haben sie sich für die Auftritte der internationalen Künstlern neben dem Schlachthof einen besonderen Ort ausgesucht.
20.05.2019, 06:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

„Eine Fülle unterschiedlicher Menschen, die gemeinsam haben, Geschichten mit und über ihren Körper zu erzählen“ – das zeichnet das Festival „Explosive 2019“ aus, meint Tobias Pflug, Mitorganisator des Internationalen Festivals für Junges Theater, das von Donnerstag, 23. Mai, bis Sonntag, 26. Mai, veranstaltet wird. Seit 1994 existiert das mit „Dance, Theatre, Performance, Music“ untertitelte Festival bereits und in diesem Jahr steht es unter dem Motto „Bewegung“, denn für die Organisatorinnen und Organisatoren ist Bremen eine Stadt des Tanzes und Tanz spreche eine universelle Sprache.

Und um diese bewegungsfreudige Kunstform möglichst vielen Zuschauerinnen und Zuschauern näherzubringen, haben die Verantwortlichen des Festivals neben dem Schlachthof in diesem Jahr einen weiteren Veranstaltungsort gewählt: „Wir wollten Theater zu den Menschen bringen und nicht umgekehrt“, erklärt Frederieke Behrens vom Festivalteam. „Wir sind mit dem Walle-Center eine Kooperation eingegangen, um eine riesige Ladenfläche zu bespielen. Und ich finde es toll, dass wir von der Leiterin des Centers mit offenen Armen empfangen worden sind.“ Neugierig wollen sie machen und dazu kann Tanztheater im ehemaligen Kleidungsgeschäft beitragen.

Auftritte ohne Barrieren

Das „Explosive“-Festival kann dabei mit einer ganzen Reihe hochkarätiger Künstlerinnen und Künstler aufwarten. Zwar sagt Pflug: „Wir haben keine Exzellenzen im Programm, keinen Kresnik oder andere. Die großen Namen interessieren das Festival nicht, sondern die aufstrebenden, jungen Künstlerinnen und Künstler.“ Und doch nennt er diverse Namen, Kenji Shinohe etwa: „Er untersucht den Umgang mit Symbolen, die ,Emoticonisierung' unserer Kommunikation. Er beschäftigt sich viel mit Identität. Ein hochspannender Künstler, der in Essen studiert hat.“

Essen, genauer gesagt das Institut für Zeitgenössischen Tanz der Folkwang Universität der Künste Essen, spielt in diesem Jahr ebenfalls eine Rolle: Ein Programmpunkt wird eine Performance von Folkwang-Studierenden mit anschließendem Workshop im Walle-Center sein. „Vergangenes Jahr war Folkwang das erste Mal dabei. Und wir hatten das Gefühl, dass Bremen davon mehr braucht“, sagt Behrens. „Sehr bewegend, sehr eindrucksvoll. Das war der logische Anschluss, dass wir mehr wollen. Wir haben das nun breiter aufgestellt.“ Oder Yotam Peled: „Ein superspezieller Künstler, er wird die letzte Choreografie tanzen“, sagt Pflug. Und auch hier wieder – das Thema „Identität: Wer bin ich? Welche Erwartungen werden an mich gerichtet?“

Etwa 60 junge Künstlerinnen und Künstler aus 16 Nationen werden an den vier Tagen jeweils bis in den frühen Morgen das Festival mit Auftritten und Workshops bereichern, tagsüber im Walle-Center, abends im Schlachthof. Zu erleben gibt es an den drei Tagen neun große Vorstellungen, bei denen 24 Performances gezeigt werden sowie acht Workshops für alle Interessierten. Außerdem verspricht das „Explosive“ lange Festivalnächte. Denn in Zusammenarbeit mit diversen Musikern und darstellenden Künstlern gibt es ein ausgedehntes Aftershow-Programm im Kulturzentrum Schlachthof: Club, Kunst und Musik, Gespräche und Netzwerken. Mit eigenem Programm aber auch als Bühne für die Teilnehmer des Festivals. Mit Sauna, Lagerfeuer und Impro-Jam können alle Abende des Festivals einen entspannten Ausklang finden. Am Freitag und am Sonnabend gibt es außerdem Konzerte.

Eine Zielgruppe für das „Explosive“-Festival hat Behrens bereits im Blick: „Junge Leute, die überlegen, Tänzer zu werden: Dass diese Leute wissen, dass sie dort sein sollten. Denn das ist der Hammer! Die Leute von der Folkwang kommen hierher und wir wollen Begegnungen schaffen.“ Und auch die übrigen Künstlerinnen und Künstler seien beinahe ständig anwesend: „Die Qualität der Begegnung ist eine andere. Man hat hier füreinander Zeit.“ Eine weitere Besonderheit stellt der Eintrittspreis für die Veranstaltungen dar: Den bezahlt man in diesem Jahr erst am Ende der Vorstellung und nach eigenen Wertvorstellungen: „Es soll keine Barriere geben“, sagt Behrens dazu.

Weitere Informationen

Das Festival „Explosive 2019“ wird vom 23. bis 26. Mai 2019 im Kulturzentrum Schlachthof, Findorffstraße 51, und im Walle-Center, Waller Heerstraße 103, veranstaltet. Das Programm mit den Zeiten und den Künstlerinnen und Künstlern ist unter www.theaterschlachthof.com/explosive-2019 einsehbar.

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