Tarifrunde im öffentlichen Dienst

Verdi ruft alle Beschäftigten zum Warnstreik auf

Die dritte Verhandlungsrunde steht aus – und die Gewerkschaft will ein Signal setzen. In Bremen und Niedersachsen ist ein Ausstand aller Beschäftigten geplant.
19.10.2020, 13:52
Lesedauer: 2 Min
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Verdi ruft alle Beschäftigten zum Warnstreik auf
Von Lisa Boekhoff

Die Gewerkschaft Verdi hat für diesen Mittwoch zum großflächigen Warnstreik im öffentlichen Dienst in Niedersachsen und Bremen aufgerufen. Es sollen alle, die unter den Tarifvertrag fallen, streiken: Tarifbeschäftigte, Auszubildende oder Praktikanten. „Wir haben es nicht gewollt, in dieser schwierigen Zeit und unter diesen Corona-Bedingungen Beschäftigte zum Streik aufzurufen. Die Arbeitgeberseite hat mit ihrem sogenannten Angebot nicht anders gewollt. Auf dieses Angebot hätte verzichtet werden können“, kommentierte Kornelia Knieper, stellvertretende Geschäftsführerin des Bezirks Bremen-Nordniedersachsen, die Entscheidung. Die genannten Lohnsteigerungen ließen jeden Respekt vermissen, so Knieper. Aktionen und Demonstrationen sind am Mittwoch nun in Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven, Stade, Syke und Verden geplant.

In Bremen ist mittags eine Aktion von Kita Bremen geplant zwischen Rathaus und Dom. Dabei soll laut Knieper eine Delegation für die Erzieherinnen und Erzieher vertreten sein. Von Kitaschließungen sei nicht auszugehen. In anderen Jahren gelte das Prinzip: „Je mehr, desto besser.“ Wegen der Pandemie müsse nun jedoch geschaut werden, dass sich an den Versammlungen nicht zu viele Menschen beteiligten. Zu einem sogenannten „Home-Strike“ sind unter anderem der Umweltbetrieb Bremen, Immobilien Bremen und die Straßenreinigung aufgerufen. Kundgebungen sind an den Krankenhäusern der Gesundheit Nord geplant: am Klinikum Bremen Mitte, Bremen-Nord, Bremen-Ost und Links der Weser.

In Bremerhaven sind unter anderem die Mitarbeiter des Magistrats der Stadt aufgerufen, des Klinikums Reinkenheide, der Entsorgungsbetriebe, des Alfred-Wegener-Instituts sowie Beschäftigte von Bremenports, Weser-Elbe-Sparkasse der Bädergesellschaft Bremerhaven und dem Zoo am Meer.

Die dritte Runde der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen steht am Donnerstag und Freitag aus. Der Deutsche Städtetag hatte bereits die für den Wochenbeginn geplanten Warnstreiks scharf kritisiert. „In diesen schwierigen Corona-Zeiten sind die Menschen genug belastet und brauchen nicht auch noch massive Störungen im Bus- und Bahnverkehr“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Helmut Dedy, der „Rheinischen Post“. „Und Streiks in Krankenhäusern empfinde ich gerade jetzt als unpassend."

Die Arbeitgeber hatten für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten insgesamt 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt in drei Jahresstufen angeboten. Die Gewerkschaften fordern bei einer einjährigen Laufzeit ein Lohn- und Gehaltsplus von 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat für Erzieherinnen und Erzieher, Busfahrer, Müllwerker, Rathausmitarbeiter und zahlreiche andere Angestellte.

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