Raubdelikte in Bremen

„Taten spielen sich in Sekunden ab“

Die Zahl der Straßenraube ist in Bremen angestiegen. Nils Matthiesen von der Polizei Bremen erläutert im Interview die Maßnahmen gegen Straßenräuber und erklärt, auf welche Schwierigkeiten seine Kollegen dabei stoßen.
19.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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„Taten spielen sich in Sekunden ab“
Von Ralf Michel
„Taten spielen sich in Sekunden ab“

Wohnungseinbrüche, Diebstähle und Straßenraub - all das geschieht oftmals innerhalb weniger Sekunden. Die Polizei Bremen führt daher verdeckte Maßnahmen durch, bei denen im optimalen Fall Täter auf frischer Tat beobachtet und festgenommen werden können.

dpa

Die Zahl der Straßenraube ist in Bremen angestiegen. Nils Matthiesen von der Polizei Bremen erläutert im Interview die Maßnahmen gegen Straßenräuber und erklärt, auf welche Schwierigkeiten seine Kollegen dabei stoßen.

Wie hat sich die Zahl der Straßenraubtaten im vergangenen Jahr und Anfang 2016 entwickelt?

Nils Matthiesen: Während wir beim Raub in Geschäften zuletzt einen Rückgang hatten, stieg die Zahl der Straßenraube zuletzt an. 2015 waren es 418 Taten, für 2014 standen 409 zu Buche. In den ersten Monaten dieses Jahres beschäftigten uns vor allem Straßenraube und Diebstähle, bei denen den Leuten das Handy oder die Tasche aus der Hand gerissen wird. Hier hatten wir bis Mitte März 46 Taten. Diese Taten finden überwiegend in Bremen-Mitte und im Steintor statt.

Wann sprechen Sie von Raub, wann von schwerem Raub?

Einfach formuliert: Immer dann, wenn ein Dieb unter Anwendung oder Androhung von Gewalt zuschlägt, spricht die Rechtsprechung vom Delikt des Raubes. Oft ist es schwer, zwischen Taschen- und Trickdiebstahl und Straßenraub zu differenzieren. Häufig ist der Raub eine Folge des missglückten Taschendiebstahls. Ein schwerer Raub wird es, wenn der Räuber eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug einsetzt oder eine andere Person durch die Tat schwer misshandelt, in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder des Todes bringt.

Gibt es aus Sicht der Polizei Gründe für den Anstieg der Straßenraube?

Straßenraub als die am häufigsten auftretende Form unter den Raubdelikten spielt besonders in Großstädten eine herausragende Rolle. Gerade dort hat sie wegen der Zunahme von Aggressivität Verunsicherung in der Bevölkerung ausgelöst. Gründe für die Entwicklung sind zum einen die einfache Gelegenheit: Das begehrte Smartphone, das als Beute schnell zu Geld gemacht wird, kann simpel aus der Tasche gezogen, beziehungsweise den Menschen beim Telefonieren oder Posten in der Öffentlichkeit schnell aus der Hand gerissen werden.

Wer sind die Opfer?

Als Opfer werden meistens Schwächere ausgesucht: Betrunkene, Frauen oder ältere Menschen, die vermeintlich keine Gegenwehr zeigen. Es werden Orte gewählt wo die Räuber schnell zu Fuß entkommen können. Die Bremer Polizei begegnet dem Straßenraub seit Längerem mit verdeckten und offenen operativen Maßnahmen, gezielten Ermittlungen, sowie Prävention und Öffentlichkeitsarbeit. Seit wenigen Monaten gibt es zudem eine spezielle Gruppe der Polizei, die sich vor allem auf die Brennpunkte wie die Innenstadt, den Bahnhofsvorplatz und das Viertel konzentriert.

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Auf welche Schwierigkeiten stößt die Polizei bei der Ermittlung der Täter?

Wir haben ein hohes Dunkelfeld, dazu kommen durch die Schnelligkeit der Raube, die sich oft in wenigen Sekunden abspielen, selten gute Zeugenaussagen und Täterbeschreibungen. Das führt zu geringen Ermittlungs- und Fahndungsansätzen. Wir führen verdeckte Maßnahmen durch, bei denen im optimalen Fall Täter auf frischer Tat beobachtet und festgenommen werden können. Aber das ist aufwendig und zeitintensiv. Die Polizei ist aber auch im großen Maße auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen.

Wenn von dieser Art von Straftaten die Rede ist, werden schnell Flüchtlinge und vor allem die unbegleiteten minderjährigen Ausländer verdächtigt. Ist dieser Verdacht haltbar?

2015 waren insgesamt 337 unbegleitete minderjährige Ausländer 1446 Mal als Täter an 1076 Taten beteiligt. Die Hälfte dieser Taten geht auf das Konto von einer kleinen Gruppe von 30 bis 50 Intensivtätern. Diese Gruppe wird deshalb von der Polizei besonders bearbeitet, weil sie immer wieder auffällig werden. 2015 gab es 2938 Taschendiebstähle in Bremen, 426 mehr als ein Jahr vorher. Zehn Prozent konnten aufgeklärt werden, 66 Prozent der ermittelten Täter kommen aus Nord- und West-Afrika. Beim Straßenraub gehen 33 Prozent der Taten auf das Konto dieser jugendlichen Intensivtäter.

Das Interview führte Ralf Michel.

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