Zuversicht hat nachgelassen Taugt DNA als Einbruchschutz?

Bremen-Nord. Verpufft die Wirkung der künstlichen DNA im Kampf gegen die Einbruchkriminalität? Diesen Eindruck hat einer der Pioniere der Anwohner-Netzwerke in Bremen-Nord, der Blumenthaler Detlef Gorn.
30.05.2014, 19:00
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Taugt DNA als Einbruchschutz?
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Verpufft die Wirkung der künstlichen DNA im Kampf gegen die Einbruchkriminalität? Diesen Eindruck hat einer der Pioniere der Anwohner-Netzwerke in Bremen-Nord, der Blumenthaler Detlef Gorn. Die Polizei hält dagegen. Sie setzt weiter auf die Kennzeichnung von Wertgegenständen mit der Substanz. Davon gehe nachweislich eine abschreckende Wirkung auf Räuber und Einbrecher aus.

Auf Burg Blomendal erhalten Langfinger einen klaren Hinweis: „Diebstahlschutz durch DNA“ heißt es auf einem Schild. Es signalisiert: Wertgegenstände sind mit künstlicher DNA (kDNA) markiert und können von der Polizei eindeutig zugeordnet werden, sollten sie einmal gestohlen und später als Diebesgut sichergestellt werden. Ähnlich sieht es bei der Kita Himmelskamp in Bockhorn aus. Dort prangt gleich an mehreren Fenstern ein DNA-Aufkleber. Burg und Kita haben allerdings noch eine weitere Gemeinsamkeit: In beide Gebäude wurde erst kürzlich eingebrochen.

Bestätigen solche Ausnahmen die Regel? Erhöht die kDNA das Risiko für potenzielle Täter und wirkt dadurch abschreckend? Das war zumindest die Hoffnung, die die Polizei vor vier Jahren mit ihrer DNA-Offensive im Pilotbezirk Bremen-Nord verband. Inzwischen haben sich nach Behördenangaben rund 10 Prozent der Haushalte in Blumenthal, Vegesack und Burglesum für eine Markierung ihrer Wertgegenstände entschieden.

Als eine der ersten Straßengemeinschaften kauften damals die Anwohner der Straße An der Lehmkuhle in Lüssum die Sets mit künstlicher DNA. Sprecher Detlef Gorn ist inzwischen ernüchtert. Zwar seien er und seine Nachbarn seither von Einbrüchen verschont geblieben. In anderen, ebenfalls als DNA-gesicherte Zonen ausgewiesenen Straßen habe sich dieser Erfolg jedoch nicht eingestellt. Beispielhaft nennt Gorn den Bockhorner Weg und das Blumenthaler Zentrum. „50 Prozent der Einbruchsopfer sind dort DNA-Nutzer, das ist einfach Fakt“, sagt Gorn.

Auch in St. Magnus hat der Glaube an den Abschreckungseffekt der kDNA nachgelassen, jedenfalls bei den Anwohnern des Quartiers Gut Weilen / Am Schäferhof / Meierhofstraße. Hauseigentümer Holger Kellermann (Name geändert) sagt von sich selbst: „DNA war eine Welle, die man halt mitgemacht hat. Aber ich glaube nicht, dass professionelle Kriminelle sich davon beeindrucken lassen, zumal es im Internet inzwischen Anleitungen gibt, wie man die Kennzeichnung runterwaschen kann.“ Aus Gesprächen unter vier Augen mit Polizisten wisse er: „Viel Wirkung hat man von der DNA nicht gesehen.“

Dieser Darstellung tritt die Behörde allerdings mit Nachdruck entgegen. „Künstliche DNA ist nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der polizeilichen Präventionsarbeit“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Stadtweit existierten inzwischen 180 Zusammenschlüsse in Anwohnerinitiativen, „die durch die polizeiliche Statistik nachgewiesen einem wesentlich geringeren Einbruchsrisiko unterliegen“. Das wisse man auch aus Befragungen von Straftätern. Auf Nachfrage dieser Zeitung waren am Freitag allerdings keine konkreten statistischen Daten zu erhalten.

Die Art und Weise, wie die Polizeiführung das Festhalten an der DNA-Strategie begründet, ist für Detlef Gorn „übliches Behördenblabla“. Er fordert Polizeipräsident Lutz Müller auf, die Zahlen auf den Tisch zu legen. Interessant sei zum Beispiel, wie oft es bisher vorkam, dass nach einem Einbruch kDNA-markierte Wertgegenstände ihren Besitzern tatsächlich zurückgegeben werden konnten.

Jürgen Peters vom Trägerverein der Burg Blomendal hat noch nichts zurückerhalten, und er ist wahrlich einbruchserfahren. Seit der Teilnahme an der DNA-Markierung im Frühjahr 2011 ist auf der Burg nach seinen Angaben zehnmal eingebrochen worden. Allein im März dieses Jahres suchten Unbekannte innerhalb einer Woche dreimal das historische Gemäuer heim. Zumeist seien die Eindringlinge gar nicht an Wertgegenständen interessiert, sondern an schnödem Bargeld oder Alkoholika – also an Beute, die nicht mit DNA markiert ist und bei denen diese Form der Prävention ohnehin nicht greift. Peters: „Das geht dann meistens so aus: Beute 100 Euro, Sachschaden 3000 Euro.“

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