Dokumentation und Film zur Aktion "Gute Geschäfte" in Lüssum liegen jetzt vor

Tauschhandel für gute Zwecke

Gerade gestern Morgen erhielt Dirk Schacher vom "Projektbüro Marktplatz" eine Anfrage der Freiwilligenagentur Bremerhaven. Auch hier soll es die Aktion "Gute Geschäfte" geben, bei der sich Unternehmen und Institutionen zum Tauschhandel treffen. Die erste Bremer Aktion dieser Art in Lüssum lief im Juni so gut, dass mittlerweile bundesweit Interesse bekundet wird. In der Berliner Uni beispielsweise gibt es die filmische Dokumentation aus Lüssum zur Anschauung.
16.12.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von IRIS MESSERSCHMIDT

Gerade gestern Morgen erhielt Dirk Schacher vom "Projektbüro Marktplatz" eine Anfrage der Freiwilligenagentur Bremerhaven. Auch hier soll es die Aktion "Gute Geschäfte" geben, bei der sich Unternehmen und Institutionen zum Tauschhandel treffen. Die erste Bremer Aktion dieser Art in Lüssum lief im Juni so gut, dass mittlerweile bundesweit Interesse bekundet wird. In der Berliner Uni beispielsweise gibt es die filmische Dokumentation aus Lüssum zur Anschauung.

Lüssum. "Ich fand die Idee richtig gut, dass man hier nicht als Spender auftritt, sondern als Partner." Peter Rönner vom Geschäft Optik Rönner begrüßt die Aktion "Gute Geschäfte in Bremen-Nord" als Begegnung auf Augenhöhe. Damit ist er nur einer von vielen, die öffentlich in schriftlicher oder filmischer Dokumentation einen Einblick über den ersten Bremer Marktplatz im Blumenthaler Stadtteil Lüssum gaben.

Die Idee solch eines Marktplatzes ist im Übrigen nicht neu. In diversen größeren deutschen Städten ist er schon erfolgreich gelaufen. "Dort laufen die Aktionen allerdings gesamtstädtisch, sind es zumeist die Ministerpräsidenten oder doch der Oberbürgermeister samt einem bundesweit bekannten Prominenten, die die Patenschaft am Marktplatztag übernehmen", erklärt Lüssums Projektleiter Dirk Schacher.

Die Idee der lokalen Umsetzung dieser Aktion, brachte Quartiersmanagerin Heike Binne von einer Infoveranstaltung in Frankfurt mit. Der Erfolg gab ihr Recht, denn nicht nur Dirk Schacher betont in seinem Fazit: "Mit der regionalen Begrenzung sowohl der Unternehmen als auch der Institutionen haben wir im Vergleich besser abgeschnitten, als während großer gesamtstädtischer Aktionen."

42 Mal wurden sich die 15 beteiligten Unternehmen und 18 gemeinnützigen Einrichtungen als Partner handelseinig, während des abschließenden gemeinsam genossenen Buffets gab es sogar nochmals acht Abschlüsse - ob der Ausflug mit dem historischen Borgward Bus im Gegenzug für die Nutzung eines Seminarraumes oder der Ausbau von Wandschränken gegen einen Schreibservice, jedes Detail wurde festgehalten und von zwei unabhängigen Notaren sogar schriftlich besiegelt. Andrea Frenzel-Heiduk und Peter Nowak traten zusätzlich als "Makler" in Aktion, wurden immer dann aktiv, wenn Teilnehmer noch keine geeigneten Partner gefunden hatten.

Für die Erstumsetzung dieses erfolgreichen "Markttages" waren allerdings Partner wichtig. "Organisatorisch und finanziell war das im Vorfeld alleine gar nicht zu stemmen", gesteht Heike Binne. Im Rahmen des EU-Projektes LiSa (Lüssum im Stadtteil aktiv) schuf das Arbeit- und Lernzentrum (ALZ) eine Vollzeitstelle für die Organisation und Leitung des Marktplatzes im Haus der Zukunft, die mit Politik- und Sozialwissenschaftler Dirk Schacher besetzt wurde. Mit Heike Habeck vom Referat Bürgerengagement bei der Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen wurde dann die Projektgruppe Marktplatz ins Leben gerufen. Finanziell beteiligten sich auch der Blumenthaler Beirat, die Sparkasse Bremen, die Bertelsmann-Stiftung sowie die Gewoba.

Anreiz für andere Stadtteile

Nach mehr als sechs Monaten Planung war es dann endlich so weit, Tanzweltmeister Roberto Albanese und Sozialstaatsrat Horst Frehe eröffneten mit einem großen Gong das innovative Marktplatz-Konzept. "Wir waren mit dem Veranstaltungsraum schon an der Kapazitätsgrenze", berichtet auch Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowak von dem erfolgreichen Tauschhandeltag. Das Konzept war so einfach wie erfolgreich: Wirtschaft trifft Soziales, auf Augenhöhe wird in einem überschaubaren Zeitrahmen (in Lüssum eineinhalb Stunden) verhandelt. "Im Gegensatz zu großen Städten, ging bei uns niemand ohne Abschluss aus dem Haus", freut sich Peter Nowak.

Der erfolgreiche Lüssumer Markttag, er sprach sich schnell über Nordbremen hinaus herum. Noch heute bekommt Dirk Schacher Anfragen zu der Umsetzung. So dient die jetzt erstellte schriftliche Dokumentation, aber auch der Videofilm von Manfred Haneberg, der zusätzliche Hintergründe zum Stadtteil bietet, nicht nur als Rechenschaftsbericht für Geldgeber. "Mit diesen Informationen möchten wir auch anderen Stadtteilen in Bremen und umzu Anreize bieten, um einen Markttag auf die Beine zu stellen", berichtet Heike Binne. Für die Unternehmer ist außerdem klar: "Lüssum ist besser als sein Ruf."

Da auch in 2012 noch einige Vereinbarungen laufen (mehr als 50 Prozent sind schon umgesetzt) wird es voraussichtlich für Bremen-Nord 2013 eine Wiederholung geben. "Dann wäre es schön, die beiden Ortsamtsbezirke Vegesack und Burglesum mit im Boot zu haben", plant Peter Nowak schon eine zukünftige Aktion nach dem Motto: "Zusätzliche Unternehmen, neue Initiativen, weitere Ideen."

Die schriftliche und filmische Dokumentation über "Gute Geschäfte Bremen-Nord" ist im Internet unter www.marktplatz-bremen-nord.de ersichtlich oder im Haus der Zukunft, 0421/1743114 oder 36179293 erhältlich.

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