Corona beschädigt die Taxibranche

Bremer Taxifahrer in der Sackgasse

Seit der Corona-Krise ist auch das Geschäft der Taxifahrer massiv eingebrochen. In Bremen wurde zeitweise jeder fünfte Wagen aus der Betriebspflicht genommen. Wer weiterfuhr, tat das mit wenig Umsatz.
20.07.2020, 05:00
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Bremer Taxifahrer in der Sackgasse
Von Jürgen Hinrichs
Bremer Taxifahrer in der Sackgasse

Trotz Corona-Lockerungen wird im Fahrbetrieb weiterhin kein guter Umsatz gemacht.

Franziska Kraufmann /dpa

Hallo Taxi! Ein Ruf, der während der Corona-Krise nicht mehr oft gehört wurde. Nach Einschätzung der Zentrale Taxi-Ruf ist zur Hochzeit der Pandemie in Bremen jeder fünfte Wagen mangels Nachfrage von der Straße genommen worden. Die zuständige Verkehrsbehörde bestätigt das. „Unsere Situation ähnelt der in der Gastronomie“, sagt Ingo Heuermann, Vorstand von Taxi-Ruf.

Die Organisation versammelt nach eigenen Angaben 425 Taxis unter ihrem Dach. Durch die Lockerungen bei den Corona-Auflagen sei es zwar spürbar besser geworden. Besonders im Nachtgeschäft gebe es gegenüber der Zeit vor Corona aber immer noch gewaltige Umsatzeinbußen, berichtet Heuermann. Bedrückend seien auch die unsicheren Aussichten. Dass seine Branche deswegen vor dem Abgrund stehe, glaubt Heuermann aber nicht: „Die Zahl der Taxis wird leicht schrumpfen, sonst geht es aber weiter, muss ja.“

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Für Taxiunternehmen gilt nach dem Personenbeförderungsgesetz eine Betriebspflicht. Wer eine Lizenz besitzt, kann sie deswegen nicht einfach in der Schublade liegen lassen, sondern muss sich hinters Lenkrad klemmen und seine Dienstleistung anbieten. Zur Auflage gemacht wird außerdem, dass die vom Gesetzgeber festgelegten Tarife eingehalten werden und dass im Prinzip kein Fahrgast abgewiesen werden darf. Das Taxigeschäft gehört zum öffentlichen Verkehr, es wird vom Staat als systemrelevant eingestuft. Was ein Fahrgast zahlen muss, obliegt aus diesem Grund nicht dem einzelnen Unternehmen, sondern wird von den Parlamenten bestimmt. In Bremen liegt die nächste Tariferhöhung zum 1. September an.

Branche erholt sich langsam wieder

Nach Informationen der Verkehrsbehörde sind in den Unternehmen aktuell 40 Taxis von der Betriebspflicht entbunden. Bei einer Gesamtzahl von rund 500 – es gibt neben Taxi-Ruf auch noch Taxi-Roland und einige Fahrer, die sich keiner Zentrale angeschlossen haben – sind das deutlich weniger als zu Zeiten des harten Lockdown. Die Branche erholt sich langsam wieder. Allerdings wird im Fahrbetrieb weiterhin kein guter Umsatz gemacht. „20 Prozent weniger im Tagesgeschäft, 40 Prozent weniger im Nachtgeschäft an den Wochenenden, und 60 Prozent weniger im Nachtgeschäft während der Woche“, rechnet Heuermann vor. „Es fehlt unverändert das Geschäft mit den Touristen, es fehlen die Großveranstaltungen, und Geschäftsleute sind auch noch nicht wieder in alter Zahl unterwegs“, erklärt der Taxi-Ruf-Vorstand.

Wolfgang Verbeek kann das bestätigen: „Am Flughafen standen vor Corona 30 bis 40 Taxis, heute sind es, wenn überhaupt nur eine Handvoll.“ Der 59-Jährige sitzt seit fast 40 Jahren am Steuer, seit 30 Jahren ist er selbstständiger Taxifahrer und Mitglied bei Taxi-Ruf. Die Fahrten morgens und abends mit den Geschäftsleuten zum Flughafen oder zum Hauptbahnhof seien mehr oder weniger weggefallen, berichtet Wolfgang Verbeek. Stabil geblieben sei der Bereich der Krankenfahrten zum Arzt, zur Dialyse oder auch zum Krankenhaus.

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Der Solo-Selbstständige schätzt, dass er in der ersten Zeit der Corona-Auflagen bis zur Hälfte seines normalen Umsatzes verloren hat. An besonders krassen Tagen habe er in einer Stunde weniger eingenommen als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Versuche, die Verluste zu kompensieren, zum Beispiel mit der Lieferung von Essen aus Restaurants, hätten nicht viel gebracht und seien ohnehin nicht mehr aktuell, nachdem Restaurantbesuche wieder möglich sind.

Wenig durchschlagend sei auch der Umstieg mancher Kunden von Bussen und Bahnen auf das Taxi gewesen, um dort hinter einer Plexiglasscheibe und dem Fahrer mit Mund- und Nasenschutz einen besseren Schutz vor dem Virus zu haben. „Das gab es zwar, aber nur in sehr geringer Zahl“, sagt Verbeek.

Pause bei Uber und Moia

Eines, sagt der Taxifahrer, sei in diesen Monaten deutlich geworden, und das freue ihn: „Von Uber und Moia haben wir kaum noch was gehört.“ Der Sammeltaxi-Fahrdienst Moia hat in Hamburg wegen der Pandemie zwei Monaten lang pausiert und erst Ende Mai seinen Betrieb wieder aufgenommen. Für Verbeek ist das eine Bestätigung: „Die einzigen, die immer da sind, Tag und Nacht, das sind die Taxis.“

Verbeek hat beim Staat Hilfen beantragt und auch bekommen. Seit dem 8. Juli ist das noch einmal möglich, wie der Bundesverband Taxi und Mietwagen informiert. Voraussetzung ist demnach der Nachweis deutlicher Umsatzeinbrüche aufgrund der Corona-Krise – und zwar in den Monaten April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019.

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