Silvia Czaja zum Revival der elektronischen Musik im Shagall

„Techno ist ein Lebensgefühl“

Was ist Techno für Sie persönlich?Silvia Czaja: Techno ist ein Gefühl, ich verbinde die elektronische Musik mit den Neunzigern, da war ich sehr in der Szene in Bremen drin. Wir hatten damals eine sehr große Techno-Gemeinschaft in Bremen.
28.08.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gerald Weßel
„Techno ist ein Lebensgefühl“

Sivia Czaja, Geschäftsführerin des Shagall (hier mit Steve Mason), will die Techno-Musikszene in Bremen zu neuem Leben erwecken.

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Was ist Techno für Sie persönlich?

Silvia Czaja: Techno ist ein Gefühl, ich verbinde die elektronische Musik mit den Neunzigern, da war ich sehr in der Szene in Bremen drin. Wir hatten damals eine sehr große Techno-Gemeinschaft in Bremen. Techno ist wirklich ein Gefühl, eine Einstellung, die man lebt. Und wie andere ihre Musik aus ihrer Jugend feiern, feiern wir auch im Shagall, neben vielen anderen Musikrichtungen, auch heute noch den Techno.

Techno ist mehr als Musik für Sie?

Ja, es geht um das gemeinsame Feiern, das gemeinsame Hören der Musik, wodurch man sich ein Stück weit ein gemeinschaftliches Gefühl aufbaute, an das man sich bis heute gerne erinnert und das vielerorts auch noch sehr präsent ist.

Wie steht es an sich um Techno als Kunstform in heutiger Zeit?

Ich würde sagen, dass, wenn ich es städteweise betrachte, die Situation vor allem in Bremen schwieriger ist als gedacht. Die Szene ist in Bremen sehr eingeschlafen. Es ist sehr, sehr schwierig, die Leute zu begeistern und sie wieder für den Techno aufzuwecken. Wobei es in vielen anderen großen Städten, wie Hannover, Hamburg, Berlin oder auch Köln nicht so ist. Dort gibt es an jedem Wochenende größere und kleine Partys mit Techno als Hauptthema, und auch die DJs berichten von einem einfacheren, wacheren und aufgeschlosseneren Umfeld. Das ist in Bremen wirklich schwierig geworden, auch für alle DJs der Szene, die eigentlich bekannt sind und bedeutende Namen haben.

In Köln hat es Ärger über unangemeldete Techno-Raves gegeben. Hat Bremen noch solch eine Untergrundszene?

Ich würde auch hier sagen, dass diese wohl sehr eingeschlafen ist. Das merke ich an den Veranstaltungen der Reihe „Reunion – Aus Liebe zum Techno“ bei uns im Hause. Wir hatten in der zweiten Veranstaltung einen sehr modernen DJ, aber es war sehr schlecht besucht, und da haben wir gemerkt, wie ruhig es in der Szene geworden ist.

Also soll „Reunion – Aus Liebe zum Techno“ wirklich alle Techno-Liebhaber wieder wachrütteln?

Genau, wir möchten die Szene gerne wieder neu beleben. Wir haben ja viele Musikrichtungen im Shagall, und so gehört der Techno zu uns und liegt mir persönlich sehr am Herzen. Wir möchten auch die jungen Leute erreichen. Das Shagall hat einen Ruf, dass eben mehr die älteren Leute zu uns kommen, aber ich möchte das ändern.

Wie ist die Tendenz?

Ich merke, dass das sehr schwierig ist, man muss da immer hinterher sein, viel arbeiten, viel Werbung machen und immer am Ball bleiben, damit das klappt. Die Lightplanke gegenüber hat ja inzwischen geschlossen, und da haben wir gehofft, dass die Leute nun vielleicht mal zu uns kommen und da mal schauen, aber bisher hat das nicht geklappt. Aber wir wissen, dass die Leute noch da sind. Da müssen wir aber wirklich noch viel Arbeit reinstecken, um die Leute wachzurütteln.

Wen kennt auch ein größeres Publikum?

Westbam und Marusha, deren Namen noch größer und bekannter in der jüngeren Generation verankert sind. Das liegt einfach an deren Auftritten auf Festivals und ähnlichem.

Nächstes Jahr soll es noch mehr für die junge Techno-Generation geben?

Ja, das Programm für 2018 ist zur Zeit in Arbeit, und da schauen wir sehr drauf, dass wir noch mehr Acts und Künstler zu uns holen, die gezielt auch die junge Generation ansprechen, die in den 90ern noch nicht in der Szene aktiv gewesen sind, sodass hier die Nostalgie eine geringere Rolle spielen wird.

Das Gespräch führte Gerald Weßel.

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