Wissenschaftsbehörde in der Prüfungsphase

Teil des Medizinstudiums womöglich bald in Bremen

Die Wissenschaftsbehörde prüft die Einrichtung des klinischen Teils des Medizinstudiums in Bremen. Die CDU befürchtet das vorschnelle Aus für die „halbe Lösung“.
15.10.2019, 06:02
Lesedauer: 3 Min
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Teil des Medizinstudiums womöglich bald in Bremen
Von Sabine Doll
Teil des Medizinstudiums womöglich bald in Bremen

Angehende Ärzte könnten künftig auch in Bremen zumindest den klinischen Teil ihres Medizinstudiums absolvieren.

Kai Remmers/dpa

Die Entscheidung, ob Medizinstudenten den klinischen Teil ihrer Ausbildung künftig auch in Bremen absolvieren können, rückt näher. Ende Februar hatte die Bremische Bürgerschaft einen entsprechenden Prüfauftrag für den Aufbau einer solchen abgespeckten Variante des Medizinstudiums beschlossen. „Die neue Regierung ist zwei Monate im Amt, es hat bereits erste vorbereitende Schritte gegeben. Dabei geht es um die Suche nach möglichen Partneruniversitäten, von denen die Studenten für die klinische Ausbildung nach Bremen kommen könnten“, sagt Tim Cordßen (SPD), Staatsrat in der Wissenschaftsbehörde. „Bei der Prüfung geht es vor allem aber auch darum, ob sich Bremen den Einstieg in die Medizinerausbildung, auch wenn es sich nur um die klinische Phase handelt, leisten kann.“

Die klinische Ausbildung ist der zweite Teil des Medizin-Vollstudiums, den Ärzte in spe ab dem fünften Semester im Krankenhaus absolvieren. Bremen müsste dafür Universitäten mit einer Medizinfakultät finden, die ihre Studierenden für diese Phase nach Bremen schicken. Als potenzielle Kooperationspartner wurden bereits im Vorfeld des Bürgerschaftsbeschlusses die Universitäten in Oldenburg und Göttingen genannt. Die Chancen stünden womöglich gar nicht schlecht: Die Uni in Oldenburg hat zum Wintersemester 2019/2020 ihre Plätze für ein Medizin-Vollstudium von 40 auf 80 verdoppelt und plant eine Ausweitung auf 200 Studienplätze bis zum Jahr 2024.

Kostengünstiges Angebot steht im Vordergrund

„Wir wollen den Einstieg in ein medizinisches Studienangebot erreichen“, sagt Cordßen. „Aber wir sind darauf angewiesen, dass sich eine Lösung in einem kostengünstigen Rahmen bewegt. Auch der Aufbau einer klinischen Phase des Studiums ist ein sehr komplexes Vorhaben, es geht um die finanzielle Machbarkeit.“ Der Staatsrat verweist auf den im Februar von der Bürgerschaft beschlossenen Wissenschaftsplan, der bis 2025 eine Aufstockung des Wissenschaftsetats von 352 auf 542 Millionen Euro vorsieht. Mehr Studienplätze in Bremen und Bremerhaven, mehr Geld für die Hochschulen und die Wissenschaft, mehr Arbeitsplätze in Lehre und Forschung, mehr Frauen in Professuren sind darin festgeschrieben.

„Die Einrichtung einer klinischen Mediziner-Ausbildung ist darin nicht vorgesehen. Und es wäre kein gutes Signal, ein Konkurrenzangebot aufzubauen, das zulasten des Wissenschaftsplans ginge.“ Einen Zeitpunkt, wann die Prüfphase abgeschlossen sein soll und die Entscheidung für oder gegen ein halbes Medizinstudium in Bremen fällt, konnte der Staatsrat nicht nennen: „Wir sind dran, Ende November gibt es vielleicht mehr zu berichten“, so Cordßen.

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Die CDU hatte im vergangenen Jahr eigene Pläne für eine Mediziner-Ausbildung in Bremen vorgelegt, diese sahen allerdings ein Vollstudium vor. „Bremen ist das einzige Bundesland ohne Medizinfakultät. Dadurch wird nicht nur die Chance vergeben, Ärzte für den eigenen Bedarf auszubilden“, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktion, Rainer Bensch. „Das wäre auch eine Investition, die Bremen als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort stärkt.“ Jetzt befürchten die Christdemokraten, dass „auch die kleine Lösung eines Medizinstudiums still und heimlich beerdigt werden soll“, so Bensch. Deshalb will die Fraktion in der Fragestunde der nächsten Bürgerschaftssitzung von Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) wissen, wie der konkrete Stand beim Prüfauftrag ist. „Wir werden nicht locker lassen“, sagt der CDU-Politiker.

Medizinstudiengang soll Ärztemangel entgegenwirken

Hintergrund der Pläne für eine Mediziner-Ausbildung ist vor allem der Ärztemangel in der Region. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass sich in der hausärztlichen Versorgung Engpässe abzeichnen, weil schon jetzt mehr Ärzte in den Ruhestand gehen als neue nachkommen. Aber auch Kliniken haben zunehmend Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. „Grundsätzlich würden wir einen Medizinstudiengang in Bremen weiterhin sehr begrüßen“, sagt Karen Matiszick, Sprecherin des größten Krankenhausbetreibers in Bremen, dem Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno). Dieser hatte gemeinsam mit der privaten Jacobs University im November 2018 ebenfalls ein eigenes Konzept für ein Vollstudium vorgelegt.

Unabhängig von der Entscheidung für oder gegen einen Bremer Medizin-Studiengang ist die Geno nach Angaben der Sprecherin aber sehr aktiv, was die Ausbildung junger Ärzte in ihren vier Häusern angehe. Matiszick: „Seit vielen Jahren arbeiten wir mit den Universitäten in Göttingen und Hamburg zusammen und bilden Studenten im praktischen Jahr aus, um möglichst viele Ärzte nach Bremen zu holen.“ In Vorbereitung sei derzeit zudem eine Kooperation mit der Universität Riga in Lettland. Ab September kommenden Jahres sollen nach Angaben der Sprecherin pro Semester weitere 20 Studierende in den Geno-Kliniken ausgebildet werden.

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