Neuer Gastrokritiker des WESER-KURIER

Temi Tesfay zeigt, was Bremen kulinarisch zu bieten hat

Temi Tesfay und die Bremer Gastroszene sind eng verknüpft. Der 29-Jährige testet Restaurants und schreibt darüber. Als neuer Kolumnist beim WESER-KURIER will er zeigen, was die Stadt kulinarisch zu bieten hat.
02.01.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Temi Tesfay zeigt, was Bremen kulinarisch zu bieten hat
Von Felix Wendler

Temi Tesfay kann sich nicht entscheiden, also fragt er die Kellnerin nach ihrer Empfehlung. Ein belegtes Brot mit Avocado und ein Stück des salzigen Karamellkuchens sollen es schließlich sein. „Ich bestelle gerne Sachen, die mir die Chance geben, mich in sie zu verlieben“, sagt Tesfay. Das Café in der Bremer Innenstadt hat erst kürzlich eröffnet, Tesfay ist zum ersten Mal hier. Als Foodblogger widmet er seine Freizeit quasi vollständig dem Thema Essen, sagt der 29-Jährige.

2016 hat Tesfay das Internet-Portal "Mahlzeit Bremen" gegründet. Seither schreibt er dort über die gastronomische Szene in der Hansestadt. Mit dem Blog und über soziale Medien erreicht er nach eigenen Angaben mehrere tausend Menschen, die seinen Empfehlungen folgen oder auch Anregungen für Testbesuche geben. Für den WESER-KURIER wird Temi Tesfay ab kommenden Donnerstag wöchentlich eine Gastrokolumne schreiben. Dafür probiert er nicht nur das Essen, sondern lässt auch die Gastronomen selbst zu Wort kommen – "Tischgespräch" heißt dieses Format.

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Auf der Suche nach neuen kulinarischen Lokalitäten beschränkt sich Tesfay nicht auf schicke Restaurants, sondern hat auch den Dönerladen um die Ecke im Blick. Mindestens drei Mal die Woche sei er für seinen Blog als Tester unterwegs. „Natürlich ist die Bewertung immer eine subjektive Angelegenheit“, sagt Tesfay. Von einem Gericht auf das ganze Restaurant zu schließen, sei unangemessen. Er suche grundsätzlich immer das Positive. „Niemand geht bei mir mit Verlust weg.“ Mittlerweile habe er in Bremen fast überall gegessen, erzählt Tesfay. Er versuche dabei immer das zu testen, wofür der Laden stehe. „In einem Kuchenladen muss man natürlich Kuchen essen. Und wenn ich beim Griechen Pizza essen und bewerten würde, wäre das unfair.“

Nach London zu Jamie Oliver

Die Leidenschaft für Essen begleite ihn schon seit seiner Kindheit, sagt Tesfay. „Ich hatte einen Freund, dessen Mutter sehr gut gekocht hat. Deshalb habe ich da oft übernachtet.“ In der elften Klasse sei er nach London geflogen, um die Show von Fernsehkoch Jamie Oliver zu besuchen.

Einen anderen beruflichen Weg hat Temi Tesfay dann trotzdem eingeschlagen – er unterrichtet am Schulzentrum Utbremen Wirtschaft und Politik. Sein Beruf erfülle ihn sehr, sagt Tesfay, der während seines Studiums auch als Koch gearbeitet hat. „Gastrokritik muss und soll ein Hobby bleiben.“ Das sei auch wichtig, um die notwendige Leidenschaft zu bewahren. Über Essen zu schreiben, sei schon immer sein Traum gewesen. „Als ich noch Schüler war, habe ich an den WESER-KURIER geschrieben und mich für die Gastrokolumne angeboten“, erzählt er und lacht. „Ich war da ziemlich überzeugt von mir.“

Seitdem sei viel passiert, sagt Tesfay, der mittlerweile verheiratet ist und ein Haus gekauft hat. Generell habe sich in der vergangenen Zeit bei vielen Menschen die Einstellung zum Essen verändert, findet er. „Besonders die Inszenierung wird immer wichtiger.“ Als Foodblogger ist die Präsentation des Essens auch für ihn wichtig. Dabei gehe es nicht um Verfälschung, sondern darum, den Charakter der Produkte hervorzuheben. Jedes Essen erzähle für ihn eine Geschichte, die er mit seinen Bildern zeigen wolle.

Inszenierung eines Kuchens

„Wie kriege ich das gut erzählt?“, fragt Tesfay, Kuchen und Avocado-Brot vor sich auf dem Tisch stehend. Kritisch betrachtet er die Deckenleuchte. „Für die Fotos brauche ich eigentlich natürliches Licht.“ Bei einer großen Bestellung könne das Fotografieren schon mal eine aufwendige Angelegenheit werden, sagt Tesfay. Oft ist er zusammen mit seiner Frau Caroline unterwegs. „Ich überrede sie häufig, etwas Anderes zu bestellen als ich – am besten das genaue Gegenteil, damit wir einen guten Vergleich haben.“ So richtig trennen lasse sich das private Essen von seinen Testbesuchen nicht mehr, sagt Tesfay. „Bilder mache ich sowieso immer.“

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Letztendlich stehe aber natürlich immer der Geschmack im Mittelpunkt, sagt der 29-Jährige. Ein Lieblingsessen habe er nicht. „Ich mag erst mal kategorisch alles.“ Wenn er sich entscheiden müsste, dann wahrscheinlich für die leichte, mediterrane Küche.

Natürlich sei Bremen gastronomisch nicht mit Hamburg oder Berlin vergleichbar. Dennoch gebe es auch hier viele gute Restaurants, die recht unbekannt seien. „Ich will meinen Beitrag leisten und zeigen, was Bremen kulinarisch zu bieten hat“, sagt Tesfay. Mit seiner Bestellung in dem neu eröffneten Café ist er soweit zufrieden. „Nur der Kuchen könnte noch etwas mehr Struktur vertragen – zum Beispiel durch einen Boden aus Erdnüssen.“

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