Neue Straßenbahn zu laut?

Anwohner klagen über Lärm der „Nordlicht“

Anlieger der Wachmannstraße beschweren sich, dass die neue Straßenbahn „Nordlicht“ zu laut sei. Die Bremer Straßenbahn AG spricht von einem Belastungstest in Winterzeiten.
16.02.2021, 13:55
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Anwohner klagen über Lärm der „Nordlicht“
Von Sigrid Schuer

Die Geister scheiden sich an den Lärmemissionen der neuen Straßenbahn „Nordlicht“. Während einige, denen die neue Straßenbahn-Generation schon begegnet ist, monieren, dass das „Nordlicht“ so leise sei, dass man es kaum kommen hören könne, ist die Wahrnehmung einiger Anlieger der Wachmannstraße eine andere. „Mit Erstaunen stellen wir fest, dass die seit geraumer Zeit fahrenden neuen Straßenbahnen wesentlich lauter sind und erheblich stärkere Erschütterungen in unseren Wohn- und Geschäftshäusern erzeugen“, heißt es in einem Schreiben an den WESER-KURIER.

Weiter merkt Benno Marquering, Mitbegründer des Vereins Die Wachmannstraße an, dass „wir erwarten, dass bei der Neuanschaffung auf gute Emissionen viel Wert gelegt wird“. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass bei stetig verbesserter Fahrzeugtechnik die neuen Bahnen mehr Emissionen (Geräusche und Erschütterungen) erzeugten als die gute alte Bremer Bahn. Möglichkeiten, die Belastungen für die Anlieger zu mindern beziehungsweise erträglich zu gestalten gebe es sicherlich, wenn die politischen Entscheidungsträger als Partner aufträten, betont er.

Diskussionen, wie sie momentan über die Verlegung von Flüstergleisen an der Domsheide geführt werden würden, seien in der Wachmannstraße überflüssig. „Wir brauchen keine neue Gleisanlage mit Flüstergleisen! Uns ist es wichtig, auf die vermehrte Emission durch die neue Bahngeneration aufmerksam zu machen und dass dies bei der Auftragsvergabe bedacht wird, damit die beklagenswerte Verschlechterung gestoppt wird“, so Marquering. Hier sehe der Verein die Verkehrssenatorin und die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) in der Pflicht.

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Andreas Holling, Sprecher der BSAG, erläutert: „Grundsätzlich sind moderne Straßenbahnen mechanisch ihren Vorgängerinnen immer noch sehr ähnlich: Sie fahren auf Metallrädern über Metallschienen. Der technologische Fortschritt eines modernen Fahrzeugs liegt vor allem in der Elektronik – und wie im Falle des ‚Nordlicht‘ in der Geräuschdämmung. Letztere arbeitet durch den Einsatz moderner Materialien im Vergleich zu früheren Bahnen deutlich effektiver und sorgt damit für das vergleichsweise ruhige Fahrgeräusch und -gefühl im Fahrzeug. Das ‚Nordlicht‘ ist die leiseste Straßenbahn der BSAG“.

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Dass nun einige Bahnen als laut wahrgenommen werden würden, sei dem Einsatz des „Nordlichts“ im Testbetrieb geschuldet. Aktuell werde die Wintertauglichkeit geprüft. Dabei seien offenbar vereinzelt Räder beschädigt worden. „Der Grund ist vermutlich das testweise Auslösen der Ersatzbremsen oder ein stark eingreifender Schleuder/Gleitschutz (eine Art Antiblockiersystem für Straßenbahnen). Der daraus entstandene, leicht unrunde Lauf sorgt jetzt leider für die beschriebenen Geräusche. Dies sind allerdings Einzelfälle, weshalb von vielen Menschen die Bahnen als leise, von anderen aber als laut beschrieben werden“, erläutert Holling.

„Wir kennen das Thema und arbeiten zusammen mit dem Hersteller Siemens an einer zeitnahen Lösung. Wir müssen aber auch um Verständnis bitten, da sich die Fahrzeuge noch im Test- und Zulassungsbetrieb befinden“, so der BSAG-Sprecher.

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