Statistisches Bundesamt legt Zahlen vor

Teure Klinikaufenthalte in Bremen

Bremen. Klinikaufenthalte in Bremen sind im bundesweiten Vergleich besonders teuer. 4470 Euro kostet eine stationäre Behandlung durchschnittlich. Nur in Hamburg sind die Kosten noch höher.
13.11.2012, 05:00
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Von Matthias Sander

Bremen. Klinikaufenthalte in Bremen sind im bundesweiten Vergleich besonders teuer. 4470 Euro kostete eine stationäre Behandlung durchschnittlich im vergangenen Jahr. Nur in Hamburg waren die Kosten mit 4628 Euro pro Fall noch höher, wie das Statistische Bundesamt gestern auf der Basis vorläufiger Zahlen mitteilte.

Demnach hatte der Wert für Bremen 2010 noch bei 4311 Euro gelegen. Somit stiegen die durchschnittlichen Kosten um 3,7 Prozent; im Bundesschnitt waren es nur 2,5 Prozent. Insgesamt gaben die Bremer Krankenhäuser im Vorjahr knapp 890 Millionen Euro aus, das entspricht einer Steigerung von 2,1 Prozent gegenüber 2010. Zugleich sank die Zahl der stationär behandelten Patienten um 1,5 Prozent auf 199113.

Vertreter von Krankenhäusern, Krankenkassen und aus der Politik erklärten diese Werte insbesondere mit Bremens Situation als Stadtstaat. Die Sprecherin der Gesundheitsbehörde, Karla Götz, sagte: "Unser Versorgungsauftrag gebietet es, dass wir alle Behandlungen anbieten, auch teure Hochleistungsmedizin. In den Flächenländern verteilt sich das auf mehrere Städte." Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Bremer Krankenhausgesellschaft, erklärte, Bremen versorge etwa mit seiner Herz- und Transplantationschirurgie auch das Umland. "Rund 40 Prozent unserer Patienten kommen aus Niedersachsen", so Zimmer. In manchen Abteilungen seien es bis zu 60 Prozent.

Die Versorgung der Region sei in Bremen noch höher als in den anderen Stadtstaaten, sagte Jörn Hons, Pressesprecher der Krankenkasse AOK Bremen/Bremerhaven. "In Hamburg und Berlin gibt es auch im Umland Kliniken. In der Region Bremen aber gibt es für schwere Fälle nur noch Oldenburg." Das belegen die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: In Bremen wurde pro 100000 Einwohner der bundesweite Spitzenwert von 30157 Behandlungen erreicht. In Berlin hingegen waren es nur gut 22000, in Niedersachsen lediglich 20407. Dazu kommt laut Hons, dass Bremen besonders viele Fachärzte habe. Dadurch werde in Bremen besonders häufig in Arztpraxen ambulant behandelt. Für die Krankenhäuser blieben die schwierigen – und teuren – Eingriffe übrig. Auch dieser Effekt sei in Hamburg und Berlin wegen der weit größeren Stadtgebiete schwächer.

Überraschend an der neuen Statistik ist die Verteilung der Ausgaben auf Personal- und Sachkosten. In Bremen seien die durchschnittlichen Personalkosten seit Jahren bundesweit am höchsten, sagte Uwe Zimmer von der Krankenhausgesellschaft. Auch Karla Götz von der Gesundheitsbehörde wies auf die Bedeutung der kommunalen Kliniken in Bremen hin, in denen relativ teure Tarifverträge gelten. Nach der aktuellen Statistik aber geben die Krankenhäuser relativ wenig für Ärzte und Schwestern aus – zumindest gemessen an den Gesamtkosten: Knapp 56 Prozent waren es in Bremen, der Bundesschnitt lag bei 59 Prozent. Das sei dem Sparkurs der Bremer Krankenhäuser geschuldet, erklärte Götz.

Zugleich aber stiegen die Sachkosten der hiesigen Kliniken im Vergleich zu 2010 um bundesweit einmalige 13,6 Prozent. Uwe Zimmer von der Krankenhausgesellschaft mutmaßte, dass sich dahinter tatsächlich aber Personalkosten für ausgelagerte Putzkräfte verstecken, die zuvor als Festangestellte gearbeitet hatten. Weitere Kosten beinhalten Zinsen, die laut Karla Götz derzeit etwa beim Neubau des Klinikums Bremen-Mitte in besonderem Maße anfielen.

Für Jörg Hons von der AOK decken sich die hohen Ausgaben der Bremer Krankenhäuser mit denen der Krankenkassen. Uwe Zimmer hingegen sieht keinen Zusammenhang: "Was die Krankenhäuser ausgeben, ist das eine. Das andere ist, was die Krankenkassen abrechnen." Die Bremer Patienten, so Zimmer, hätten durch die hohen Klinikausgaben keine Nachteile.

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