Studie des Bundes der Steuerzahler Hohe Nebenkosten für Bremer

Auch wenn es etwas Entlastung für Bremer gibt, das Wohnen bleibt teuer. Laut einer Studie sind die Nebenkosten in der Hansestadt so hoch wie in fast keiner anderen Landeshauptstadt.
11.05.2020, 06:00
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Hohe Nebenkosten für Bremer
Von Pascal Faltermann

Wer in einem 120-Quadratmeter-Einfamilienhaus am Rande der Stadt wohnt, kann sich über etwas niedrigere Nebenkosten freuen. Etwa 37 Euro sparen Bremer, die in einem Drei-Personen-Haushalt mit 300 Quadratmeter Grundstücksfläche wohnen im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings bleibt die Belastung insgesamt so hoch wie in fast keiner anderen Landeshauptstadt. Das geht aus einer Untersuchung des Bundes der Steuerzahler hervor, die dem WESER-KURIER vorliegt. Mehr zahlen müssen lediglich die Menschen in Hamburg und im Westen Berlins, am günstigsten wohnt man im rheinland-pfälzischen Mainz. In keiner anderen Landeshauptstadt sind die Wohnnebenkosten übrigens in den vergangenen Jahren so stark gestiegen wie in Hannover.

Für seine jährliche Studie vergleicht der Steuerzahlerbund die 16 Landeshauptstädte. Dabei sind die staatlich veranlassten Belastungen für den Drei-Personen-Musterhaushalt berücksichtigt worden. Zu Ausgaben für die Hauseigentümer zählt der Verein neben der Grundsteuer die Gebühren für Trink-, Schmutz- und Regenwasser, für die Abfallbeseitigung und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Hohe Steuern und Gebühren

In Bremen addieren sich die sechs Positionen für eine dreiköpfige Famille auf einen Gesamtbetrag von 2163 Euro. Damit müssen die Hansestädter überdurchschnittlich hohe Steuern und Gebühren an den Staat zahlen. In Bremen sind die Wohnnebenkosten seit 2016 um 13,20 Euro leicht gesunken, was angesichts der Gesamtbelastung jedoch keine spürbare Erleichterung bietet. Bremen landet nach wie vor auf dem drittletzten Platz des Rankings des Bundes der Steuerzahler – trotz der jüngsten Senkung der Abwasserwassergebühren um knapp 37 Euro. Dafür liegen laut Studie beispielsweise die Abfallgebühren in Bremen mit 280 Euro über dem Durchschnitt aller Landeshauptstädte (238 Euro).

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Größter Kostentreiber ist für den Bund der Steuerzahler die Grundsteuer. Hier reicht die Jahresbelastung für den Drei-Personen-Haushalt von 296 Euro im sachsen-anhaltinischen Magdeburg bis 1050 Euro in Hamburg. Bremen verlangt demnach mit 1008 Euro die dritthöchsten Grundsteuerabgaben. Der Verein hält die Belastung wegen des Hebesatzes von 695 Prozent für zu hoch und hält den Einwand des Senats, dass mit der Grundsteuer anders als in anderen Städten auch Kosten der Straßenreinigung abgedeckt seien, nicht für durchschlagend, da sich diese in der Regel auf deutlich unter 100 Euro belaufen. Hannover liegt mit 621 Euro bei einem Hebesatz von 600 Prozent 53 Euro über dem Durchschnitt aller Landeshauptstädte.

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Doch nicht in allen Bereichen liegt Bremen über dem Bundesdurchschnitt. Beispielsweise ist der Wasserpreis im Vergleich niedrig: Für einen Verbrauch von 132 Kubikmeter im Jahr werden seit Jahren knapp 330 Euro fällig. Saarbrücken als Spitzenreiter ist mit 497 Euro wesentlich teurer, auch Hannoveraner zahlen mit nunmehr 344 Euro mehr. Am günstigsten ist Wasser für den Musterhaushalt in Berlin: 263 Euro.

In der niedersächsischen Landeshauptstadt muss der Musterhaushalt inzwischen rund 200 Euro mehr berappen als noch im Jahr 2016. Das entspricht laut der Berechnung einer Steigerung von elf Prozent. Mit Gesamtkosten von 1960 Euro landet Hannover im Jahr 2020 auf dem fünftletzten Platz der Rangliste. Das sei erster Linie auf die deutlich gestiegenen Abfallgebühren zurückzuführen, bei denen Hannover ohnehin die „rote Laterne“ trug. Mit 2191 Euro in Hamburg und 2280 Euro im Westen Berlins sind die Wohnnebenkosten am höchsten.

Corona-Krise lässt Kosten steigen

„Die Bürger sind eindeutig viel zu hoch belastet, der Staat greift an allen Ecken und Enden zu“, sagt Carl Kau vom Bund der Steuerzahler. Es bleibe zu wenig Netto vom Brutto und durch die Corona-Krise würden diese Kosten noch steigen. Bürger weiter zu entlasten, sei in Zeiten der Pandemie schwierig, weil die milliardenschweren Staatshilfen auch wieder umverteilt werden würden. Die schlechte Position Bremens in dem Ranking sei auf die hohe Verschuldung und Zinslast zurückzuführen, erklärt Carl Kau. „Die Stadt hat ein Einnahmeproblem.“

Für die Schmutzwassergebühren (ebenfalls für 132 Kubikmeter im Jahr) werden übrigens durchschnittlich 306 Euro jährlich fällig. Mit 308 Euro liegt die Schmutzwassergebühr in Hannover also im Schnitt. Am wenigsten zahlt der Musterhaushalt in Mainz (185 Euro). In der Stadt Bremen werden mit 335 Euro zwar vergleichsweise hohe Gebühren fällig, allerdings decken diese einheitlich sowohl die Kosten für Schmutz- als auch Niederschlagswasser ab.

Im vergangenen Jahr hatte die ehemalige Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) kritisiert, dass in dem Vergleich die Straßenreinigungsgebühren nicht berücksichtigt worden seien, obwohl diese auch Teil der Wohnnebenkosten seien. Diesen Aspekt auszuklammern, verfälsche das Ergebnis, denn in Bremen entstünden dafür keine separaten Kosten. Deshalb sei auch der Hebesatz der Grundsteuer vergleichsweise höher.

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