Öffentlicher Nahverkehr

Ticketpreise für Busse und Bahnen steigen in Bremen

Das Fahren mit Bussen und Bahnen wird teurer. Der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen hat eine durchschnittliche Erhöhung der Ticketpreise um 0,7 Prozent ab 2019 beschlossen.
24.10.2018, 11:37
Lesedauer: 3 Min
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Ticketpreise für Busse und Bahnen steigen in Bremen
Von Pascal Faltermann
Ticketpreise für Busse und Bahnen steigen in Bremen

Die Ticketpreise für Busse und Bahnen werden teurer.

Frank Thomas Koch

Es hat was von der Filmkomödie "Und täglich grüßt das Murmeltier". Nur eben einmal im Jahr. Denn pünktlich zum Jahresende steht fest, dass das Fahren mit Bussen und Bahnen in Bremen und Niedersachsen teurer wird.

Das war in den vergangenen Jahren so und wird auch 2019 wieder der Fall sein. Der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen hat eine durchschnittliche Erhöhung der Ticketpreise um 0,7 Prozent ab 2019 beschlossen. Das wirkt sich vor allem auf Monatstickets aus, wie der Verbund am Mittwochvormittag mitteilte. Zwar hebt der Verbund die Preise laut eigenen Angaben damit so gering an wie noch nie in diesem Jahrtausend. Kritik aus der Politik gibt es aber trotzdem – die Oppositionsparteien bemängeln die Preiserhöhung. Einig sind sich die Verkehrspolitiker darin, dass der öffentliche Nahverkehr auf jeden Fall attraktiver werden muss.

Preise der Einzelfahrkarten stabil

Die Preise des Einzeltickets in Bremen, Bremerhaven und Verden (Aller) bleiben stabil, heißt es es vom Verkehrsverbund. Teurer wird in Bremen unter anderem das Monatsticket, welches ab dem 1. Januar 2019 dann 66,30 Euro statt bisher 65 Euro kostet (in Bremerhaven von 52,60 auf 53,30 Euro). Das Abo als Mia-Ticket (monatlich) wird von 53,70 auf 55 Euro angehoben (in Bremerhaven von 42,90 auf 43,60 Euro). In Niedersachsen werden das Einzelticket (nun 2,15 Euro) und das Vierer-Ticket (nun 1,90 Euro) um jeweils fünf Cent erhöht. Auf das Monatsticket (neu 49,60 Euro) kommen 80 Cent drauf, auf das Mia-Ticket (neu 41,30 Euro) 70 Cent.

Unter der Inflationsrate

Mit der Anhebung bleibe der Verbund deutlich unter der momentanen Inflationsrate, die in Deutschland im September 2018 bei 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr lag, sagt VBN-Pressesprecher Eckhard Spliethoff. Die Tarifanpassung sei differenziert erfolgt: Neben Erhöhungen in den einzelnen Tarifgebieten bleiben verschiedene Fahrausweise wie das Einzelticket, das Kurzstreckenticket, das Jugend-Freizeitticket, das Anschlussticket, das Fahrradtages-Ticket oder auch der Nachtlinienzuschlag preislich stabil.

Der VBN begründet die Erhöhungen mit notwendigen Investitionen in den Fahrzeugpark sowie in die Vertriebs- und Informationsinfrastruktur. Zudem müsse das Fahrplanangebot verbessert werden. Die Erhöhung haben die Gremien des VBN und des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) in einer Gesellschafterversammlung beschlossen. Dabei habe man die Interessen der Verkehrsunternehmen, den Verbraucherpreisindex, den Arbeitskostenindex und die Energiepreise mit berücksichtigt.

Verständnis für Kunden-Frust

Durch die steigenden Kosten des Verkehrsverbunds sei die Erhöhung aus VBN-Sicht nachvollziehbar, sagt Heike Sprehe, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. "Ein zumindest gutes Signal ist dabei, dass die Preise für Einzeltickets nicht steigen werden. Das kann aber nicht davon ablenken, dass wir politisch etwas anderes wollen", so Sprehe. Ziel sei es, dass durch ein attraktives ÖPNV-Angebot, aber auch durch Vergünstigungen, mehr Menschen den ÖPNV nutzen. Auch Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher Grüne, hat Verständnis, weil der VBN eine Solidargemeinschaft mit den Umlandgemeinden sei. Er sagt aber auch: "Die Ticketpreise müssen langfristig deutlich sinken, um Anreize für den Umstieg vom Auto zu geben."

Den Frust der Nutzer kann Magnus Buhlert (FDP) verstehen: „Der Preiserhöhung steht mal wieder kein wirkliches Mehr an Qualität gegenüber. Die Kunden ärgern sich daher zu Recht.“

Heiko Strohmann, CDU-Fraktionssprecher für Verkehr sagt: „Wenn wir über die Verkehrswende sprechen, über Klimaschutz oder Parkdruck im öffentlichen Raum, sind höhere Preise für den öffentlichen Nahverkehr ohne Angebots- und Leistungssteigerung mehr als kontraproduktiv.“

Nelson Janßen, umweltpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion sagt unterdessen: „Ich halte diese Entscheidung für unsozial und klimapolitisch völlig widersinnig." Die "rot-grünen Sonntagsreden" über die Verkehrswende, weniger Stickoxide in der Luft und ähnliche Dinge helfen nicht, wenn ganz offensichtlich der politische Wille zum Handeln fehle. In Berlin beispielsweise seien die jährlichen Preiserhöhungen mehrfach komplett ausgesetzt worden. Janßen: "Ein gerechterer ÖPNV ist also machbar, aber offensichtlich nicht mit diesem Senat.“

Für das falsche Signal hält Piet Leidreiter, verkehrspolitischer Sprecher der Bürger in Wut (BiW), die Erhöhung. Er sagt: "Angesichts zunehmender Schadstoffbelastung und einem wachsenden Verkehrsaufkommen in Bremen muss es darum gehen, mehr Menschen zum Umstieg auf Busse und Bahnen zu motivieren. Der Bremer ÖPNV sollte deshalb nicht teurer, sondern attraktiver werden.“

Das Verbraucherportal „Testberichte.de“ hat Mitte Oktober für Spiegel Online die ÖPNV-Angebote in Deutschlands 39 größten Städten mit über 200.000 Einwohnern miteinander verglichen. Dabei wurden unter anderem die Preise für Einzelfahrscheine und Monatskarten für Erwachsene und Kinder untersucht. Im Gesamtergebnis schneidet Bremen mit Platz sieben im Ranking der niedrigen Ticketpreise vergleichsweise gut ab.

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