Gespräch mit Vonovia-Bereichsleiter Timm Tebbe: Wir sind Teil der Gesellschaft

Voriges Jahr gingen in Gröpelingen Vonovia-Mieter auf die Straße. Regionalbereichsleiter Timm Tebbe spricht im Interview über Mieterwünsche, Transparenz und lebenswerte Quartiere.
26.01.2020, 22:31
Lesedauer: 4 Min
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Timm Tebbe: Wir sind Teil der Gesellschaft
Von Anne Gerling

Als Regionalbereichsleiter sind Sie verantwortlich für den gesamten Vonovia-Wohnungsbestand in Bremen. Wie nah sind Sie in dieser Position an Ihren Mietern dran?

Timm Tebbe: Ich glaube, sehr nah. Denn ich habe ursprünglich bei der Vonovia im operativen Geschäft angefangen und weiß von daher sehr genau, was für Wünsche und Vorstellungen unsere Mieter haben. Außerdem sind wir regelmäßig mit den einzelnen Ortsbeiräten und den städtischen Quartiersmanagern im Gespräch, und ich kriege bei Mieter-Versammlungen mit, was die Wünsche sind.

Was sind denn die größten Wünsche Ihrer Mieter?

Ein sicheres und bezahlbares Wohnen in einem lebenswerten Quartier.

Welche Gründe sprechen in Ihren Augen dafür, Mieter der Vonovia zu werden?

Wir setzen uns für eben solche lebenswerten Quartiere und bezahlbare Mieten ein. Unsere Durchschnittsmiete in Bremen liegt bei 5,96 Euro pro Quadratmeter und ist damit vergleichbar zu anderen Gesellschaften. Dabei haben wir einen hohen Qualitätsanspruch. So arbeiten wir mit eigenen Dienstleistern und Handwerkern zusammen. Und: Unsere Mieter können uns in Notfällen rund um die Uhr erreichen.

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Manche Mieter kritisieren doch aber, dass Ansprechpartner nur sehr schwer zu erreichen seien?

Es gibt mehrere Wege, mit uns in Kontakt zu treten. Wir haben eine Service-Hotline, über die man uns telefonisch erreicht. Natürlich gibt es auch Spitzen wie Montagmorgens, an denen uns viele Mieter gleichzeitig erreichen möchten. Man kann sich auch auf dem Postweg an uns wenden oder uns vor Ort persönlich ansprechen. Wir haben in Bremen 20 Objektbetreuer-Büros, die wöchentliche Sprechzeiten anbieten. Damit sitzen wir in den Quartieren ganz nah bei den Mietern. Die Adressen und Nummern der Objektbetreuer hängen in jedem Hausflur aus. Wenn man sich anschaut, wie frequentiert zum Beispiel unsere Sprechstunde in der Seewenjestraße in Gröpelingen ist, dann sieht man: Uns erreichen schon viele Leute. Außerdem gibt es unseren Mitarbeiter Martin Rohde, der sich vor jeder Modernisierungsmaßnahme bei den betroffenen Mietern vorstellt, seine Visitenkarte hinterlässt und auch persönlich erreichbar ist.

Gerade auch die Zusammenarbeit mit eigenen Dienstleistern – also die Vergabe von Aufträgen an Vonovia-Tochterfirmen – hat Ihrem Unternehmen außerdem die Kritik eingebracht, dass in Nebenkostenabrechnungen für diese Arbeiten zu hohe Kosten ausgewiesen werden.

Wir legen nur Kosten um, die auch tatsächlich angefallen sind. Unsere Dienstleistungen werden zu marktüblichen Konditionen erbracht und orientieren sich an lokalen Betriebskosten-Spiegeln und dem Wirtschaftlichkeitsgebot. Wir führen auch selber Ausschreibungen durch. Dafür, dass wir lieber mit eigenen Tochterfirmen als mit Fremd-Dienstleistern arbeiten, haben wir uns bewusst entschieden, weil wir einen bestimmten Qualitätsanspruch haben. Unsere Objektbetreuer kontrollieren die Dienstleister und Tätigkeitsnachweise regelmäßig. Übrigens: Unsere Nebenkostenabrechnung ist extern überprüft, sie trägt ein TÜV-Siegel vom TÜV Rheinland. Und unsere Heizkostenabrechnung wurde 2018 von Wirtschaftsprüfern untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass es keine Hinweise auf Manipulation oder Täuschung gibt. In Duisburg sitzen 200 Kollegen, die sich alleine mit den Nebenkosten beschäftigen. Sie arbeiten daran, die Transparenz zu erhöhen, die Fehlerquote zu senken und die Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen. Auch die können aber mal Fehler machen – wenn es so ist, dann gestehen wir dies ein und korrigieren das auch.

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Im April hatten Vonovia-Mieter in Gröpelingen demonstriert und unter anderem Einsicht in die Belege zu den Betriebskostenabrechnungen gefordert. Konnten Sie hier Transparenz herstellen?

Wir hatten daraufhin alle Mieter in Gröpelingen angeschrieben und sie zu uns eingeladen. Die Resonanz war aber gering, was schade ist. Nur zwei Handvoll Mieter hat sich gemeldet. Wir werden aber auch hier unsere Transparenz erhöhen und unsere Kommunikation weiter verbessern. Unter anderem werden wir eine Vonovia-App einführen, über die alle Mieter ihre Nebenkosten einsehen können.

Was macht die Vonovia Ihrer Meinung nach richtig gut?

Wir stehen für Transparenz und befinden uns im Dialog. Ich finde es gut, dass der Mieter im Kern unseres Handelns steht. Und: Als Wohnungsunternehmen sind wir Teil der Gesellschaft. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst und stellen unser Handeln darauf ab.

Wie sieht das konkret aus?

Zum einen pflegen wir unsere Gebäude und erhöhen dort die technische Ausstattung, sodass sie ein sauberes und sicheres Wohnumfeld bieten. So werden wir von 2017 bis Ende 2020 etwa 230 Millionen Euro am Standort Bremen investiert haben. Außerdem wollen wir den Quartiersgedanken stärken. Einrichtungen wie Sportvereine oder Kitas, die eine positive Wirkung auf ihr Quartier haben, stehen bei uns deshalb als Partner im Fokus, die wir unterstützen wollen. Zum Beispiel das Kinder- und Jugendhaus Ratzeburger Straße, das unser Gelände mietfrei nutzen kann und dessen Wunsch nach einer neuen Umzäunung zum Schutz der Kinder wir 2019 aufgenommen und erfüllt haben. Oder das Kinder- und Familienzentrum Wohlers Eichen in Oslebshausen, mit dem wir in regem Kontakt sind: Als wir voriges Jahr mitbekommen haben, dass dort nach dem Wegfall städtischer Mittel für die offene Jugendarbeit etwa 3800 Euro für die Mädchengruppe fehlten, sind wir eingesprungen. Denn uns liegt daran, dass dieses Projekt weiter besteht. Anfang November hatten wir Kinder unserer Mieter zu einem Fußballcamp mit der Fußballschule des VfL Bochum und einem Ex-Nationalspieler auf die Bezirkssportanlage Findorff eingeladen. 50 Kinder hatten sich angemeldet und hatten an dem Wochenende mit Spielen, einem Abschlussturnier, Siegerehrung und Pokalen großen Spaß. Für sie war das etwas Besonderes, und viele Eltern haben sich hinterher bei uns bedankt.

Werden diese Aktivitäten in diesem Jahr fortgesetzt?

Für dieses Jahr schauen wir gerade an, welche Projekte wir fördern. Wir werden den Quartiersgedanken weiterhin fördern.

Das Gespräch führte Anne Gerling.

Info

Zur Person: Timm Tebbe (34) ist seit 1. Oktober Regionalbereichsleiter Bremen bei der Vonovia. Das Unternehmen ist mit rund 395 600 Wohnungen an etwa 400 Standorten – davon 11 600 in Bremen – Deutschlands größter Vermieter.
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