Tischgespräch im Papai's in Bremen

Besser als bei Mustafa

Noch backt Furkan Dogtas kleine Dönerbrötchen, aber mit seinem im Hulsbergviertel neu eröffneten Kebabhaus Papai’s hat er große Pläne: er möchte den Döner-Markt umkrempeln.
09.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Besser als bei Mustafa
Von Temi Tesfay
Besser als bei Mustafa

Temi Tesfay mit (re.) mit Furkan Dogtas, der im Hulsbergviertel das Lokal Papai's Kebab eröffnet hat.

Christina Kuhaupt

In mehr als drei Jahren Bloggerei habe ich noch nie einen Döner empfohlen. Zwar hatte ich in Bremen schon viele probiert, doch diese waren zumeist blass oder enttäuschend, allenfalls solide. Die Hoffnung auf einen Döner, der sich von der Masse der Gleichförmigkeit aus Hackspießen und Cocktailsaucen abhebt, hatte ich fast schon begraben, als mich die Nachricht von einem just im Hulsbergviertel eröffneten Lokal aufhorchen ließ: Papai’s.

Meine Neugierde stützte sich auf zwei Informationen. Erstens, dass es hier neuartig jenen vor allem in Berlin seit Jahren gehypten „Gemüsedöner“ geben würde. Zweitens, dass einer ihrer Mitarbeiter sein Handwerk bei niemand Geringerem als Deutschlands berühmtestem Dönerladen gelernt hat: Mustafa’s Gemüse Kebap. Die Aussicht, womöglich nun in Bremen einen Döner zu bekommen, der so ähnlich schmeckt wie bei Mustafa, war unwiderstehlich. Ich musste hin.

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Probiert und empfohlen: „Das Brot wird extra für uns gebacken“, kommentiert Inhaber Furkan Dogtas, derweil einer seiner Mitarbeiter den im Grill aufgewärmten Fladen rausholt. Los geht’s mit den Saucen: „Cocktail haben wir nicht. Wir machen alles besonders, da können wir nicht einfach Ketchup und Mayo mixen“, begründet der 24-Jährige. Stattdessen kann man zwischen Avocado Rucola, Chipotle, Buffalo, Curry, Barbecue, Diablo und Ranch Tzatziki wählen. Hinter dieser breiten, täglich frisch zubereiteten Auswahl steckt eine klare Profilierungsstrategie. „Deutschland ist eine Saucen-Nation“, verrät der Deutsche. „Und es gibt keinen Dönerladen in Bremen, der sieben Saucen anbietet.“

Ihr größtes Alleinstellungsmerkmal sei aber das, was am Döner auch am wichtigsten sei, sagt er. Nämlich das Fleisch. „Es begleitet dich im Idealfall ja die ganze Zeit“, betont Dogtas und verweist auf den Spieß, den sie hier „Steakdöner“ nennen. „Wir sind die ersten und einzigen in Bremen, die 100 Prozent Scheibenfleisch vom Rind anbieten“, erzählt er voller Stolz. Dass ihr Döner gehoben sein will, ist im weiteren Bestellvorgang nicht nur an den verwendeten Zutaten wie Dill, Minze oder frischem Zitronensaft zu beobachten, sondern auch an dessen Abschluss: Mit fünf Euro liegt der Preis nämlich deutlich über dem bremischen Marktschnitt.

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Was Döner angehe, beklagt Dogtas, gebe es leider eine sehr hohe Preiselastizität. „Die Kunden sollen sehen, dass gute Qualität ihren Preis hat“, beschwört er und rechnet vor, dass ihr Rindfleisch im Einkauf etwa 75 Prozent teurer sei als konventionelle Drehspieße aus Scheiben- und Hackfleisch. Gerade deshalb trägt der Gastronom seinen Preis mit Stolz, da er mit einer klaren Botschaft verbunden sei: Wir sind nicht Standard. Was aber sonst? „Gourmet Döner“ ist die Bezeichnung, die unsere Fotografin nach ihrer Probe findet. Ein Stempel, mit dem Dogtas sichtlich zufrieden ist.

Auch ich beiße nun in den Döner und schmecke, wie sich die vielfältigen Aromen zu einem einzigen Gefühl verbinden: wow. Das intensiv-aromatische, über zwei Tage in Thymian-Milch-Marinade eingelegte Fleisch, die namensprägenden, knackig frittierten Kartoffel-, Auberginen-, Zucchini- und Paprikastücke, der frische Salat und die Chipotle Sauce ergeben zusammen ein nahezu perfektes Gesamtbild, dem ein einziger Makel anhaftet: Das Fleisch ist schlichtweg zu kross. „Da müssen wir am Spieß noch routinierter werden“, sagt auch der Chef.

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Zum Abschluss will er wissen, ob sein Döner besser sei als der von Mustafa’s. Um ehrlich zu sein: Ich kann es nicht beantworten. Umso gelegener, dass besagter Ex-Mitarbeiter von Mustafa’s zu uns stößt, um sich der Gretchenfrage zu stellen. Wie zu erwarten, bevorzugt er brav den Papai’s-Döner. „Sei ehrlich“, hakt Dogtas unvermutet nach. „Ich bin ehrlich“, bekräftigt der Berliner und ergänzt, dass einfach beide sehr gut seien. Fair. Fazit: Ich habe hier zwar nicht den besten Döner meines Lebens gegessen, dafür aber einen außergewöhnlich guten.

Der Gruß aus der Küche: „Ins Bellini gehe ich gerne essen, sehr gerne sogar. Da nehme ich Pasta Funghi. Feier ich total.“


Papai’s Kebab, Am Hulsberg 44, 28205 Bremen, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 11 bis 23 Uhr, barrierefrei. www.papais-kebab.de

Info

Zur Person

Temi Tesfay hat Hunger auf Bremen. Auf seinen wöchent­lichen Streifzügen durch die heimische Gastroszene hat er schon viele Küchen, Köche und ­kulinarische Schätze der Stadt kennengelernt. Unter dem Titel „Ein Bisschen Bremen“ schreibt er außerdem einen Foodblog.

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