Jährlich rund 200 Unfälle an Bahngleisen Tödlicher Leichtsinn an der Schranke

Bremen-Nord. Unachtsamkeit, Unkenntnis oder Leichtsinn können an Bahnübergängen dramatische Folgen haben. Auch in Bremen-Nord kamen in den vergangenen fünf Jahren bei Unfällen zwei Menschen ums Leben.
23.06.2014, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Imke Molkewehrum

Unachtsamkeit, Unkenntnis oder Leichtsinn können an Bahnübergängen dramatische Folgen haben. Auch in Bremen-Nord kamen in den vergangenen fünf Jahren bei Unfällen zwei Menschen ums Leben. Was bedeutet das Andreaskreuz?

Darf ich bei Blinklicht noch über die Gleise fahren? Ein Flyer zum Download ergänzt jetzt die Kampagne „sicher drüber“, mit der die Deutsche Bahn, der ADAC und Unfallversicherungen Menschen für die Risiken an Bahnübergängen sensibilisieren.

Bahnübergänge sind immer wieder Schauplätze für Unfälle – auch in Bremen-Nord. Zuletzt Anfang des Jahres in Aumund- Hammersbeck. Ein Mann hatte trotz des Warnsignals die geschlossene Halbschranke umrundet und sein Rad über die Schienen geschoben. Dabei wurde er von der Regio-S-Bahn aus Richtung Farge erfasst und mitgeschleift. Er erlitt schwere Kopfverletzungen. Wegen eines Schocks musste auch der Zugführer ins Krankenhaus.

Bundesweit ereignen sich jährlich etwa 200 Kollisionen dieser Art. Jeder vierte Unfall endet tödlich. Ursache sind in 90 Prozent der Fälle das Fehlverhalten der Straßenverkehrsteilnehmer: Leichtsinn, Unaufmerksamkeit oder Unkenntnis. Die Deutsche Bahn und der ADAC ergänzen ihre 2002 gestartete Aufklärungs-Kampagne „sicher drüber“ jetzt mit einem achtseitigen Flyer zum Download.

Vor allem Halbschranken verlocken leichtfertige Menschen dazu, die Gleise trotz eines herannahenden Zuges zu überqueren. Holger Jureczko, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Bremen, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Halbschranken allein dazu dienen, im Fall einer Staubildung, „den Bereich zwischen den Schranken verlassen zu können“. Es sei mitnichten erlaubt, die Schienen zu überqueren. Verboten ist es auch, sich senkende Schranken zu unterfahren.

700 Euro und zwei Punkte

Wer dabei erwischt wird, wird mit 240 Euro zur Kasse gebeten und bekommt zwei Punkte in Flensburg. Die gleiche Strafe droht jenen, die die Gleise bei Rotlicht oder trotz des Pfeiftons des Zuges überqueren. 350 Euro und zwei Punkte sind fällig, wenn die geschlossene Halbschranke per Rad oder zu Fuß ignoriert wird. Autofahrer müssen in diesem Fall sogar 700 Euro zahlen, bekommen zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.

In den Ortsamtsbereichen Lesum, Vegesack und Blumenthal hat die Deutsche Bahn nur einen einzigen Bahnübergang zwischen Burg und Vegesack. Angelika Theidig, DB- Pressereferentin: „Hier fahren die Züge bis zu 100 Stundenkilometer.“ Die Sicherung des Bahnüberganges erfolge über Lichtzeichen und Halbschranken.

Die Farge-Vegesacker Eisenbahn-Gesellschaft (FVE) ist Eigentümerin des Streckenabschnittes zwischen Vegesack und Farge und damit auch verantwortlich für insgesamt 25 Bahnübergänge in Bremen-Nord. Diese entsprächen allesamt „dem aktuellen Stand der Technik und wurden von den zuständigen Aufsichtsbehörden abgenommen“, so Romy Mothes, die Sprecherin der Eisenbahngesellschaft. Die Höchstgeschwindigkeit in den Ortsamtsbereichen Blumenthal und Vegesack betrage für Personenzüge maximal 80 Stundenkilometer. Güterzüge dürften nicht schneller als 60 Stundenkilometer fahren.

„Täglich verkehren auf der Strecke circa 82 Personenzüge und nach Bedarf circa acht bis zehn Güterzüge“, erklärt Mothes. „Alle Bahnübergänge der FVE sind technisch gesichert mit Lichtzeichen und Halbschranken.“ Die Fußgängerüberwege seien zusätzlich mit Vollschranken versehen. In den Jahren 2009 und 2014 seien aber dennoch zwei Unfälle geschehen, so Mothes und erläutert: „In beiden Fällen wurden die geschlossenen Schrankenanlagen missachtet.

Immer wieder unterschätzen Menschen die Gefahren, die von herannahenden Zügen ausgehen. So auch eine 87-jährige Fußgängerin, die 2009 die geschlossene Schranke am Bahnübergang An der Waldschmiede ignorierte. Der Lokführer der Nordwest-Bahn konnte nicht mehr bremsen. Die alte Dame wurde schwer verletzt und starb kurz darauf im Krankenhaus. Der Zugführer und Zeugen des Unfalls erlitten Schocks.

Im Fokus des achtseitigen Flyers stehen konkrete Verhaltensrichtlinien. Erklärt werden Verkehrsschilder und die Bahnübergangstechnik. Die Deutsche Bahn und ihre Partner stellen das Faltblatt im Rahmen ihrer Kampagne als Download zur Verfügung: www.deutschebahn.com/de/nachhaltigkeit/verantwortung_gesellschaft/unfallpraevention/sicher_drueber.html

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