Prozess vorm Landgericht Bremen Tödlicher Silvesterstreit: Verteidigung fordert 6,5 Jahre Haft

Der Prozess um den tödlichen Streit in der Neujahrsnacht steht kurz vor dem Ende. Nach dem Plädoyer der Staatsanwalt folgte jetzt das der Verteidigung. Am 4. Juni soll das Urteil fallen.
29.05.2018, 16:36
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Tödlicher Silvesterstreit: Verteidigung fordert 6,5 Jahre Haft
Von Nina Willborn

Das letzte Wort vor dem Urteil, so ist es im Strafrecht Gesetz, hat der Angeklagte. "Ich möchte noch einmal um Verzeihung bitten. Es tut mir sehr leid, was passiert ist", sagte der 27-jährige Bremer, der vor dem Landgericht angeklagt ist, seine Frau in der Neujahrsnacht mit vier Messerstichen getötet zu haben.

Zuvor hatte sein Anwalt Temba Hoch in einem rund 45-minütigen, teilweise emotionalen Plädoyer noch einmal die Tat und ihre möglichen Hintergründe zusammengefasst. Der Angeklagte verfolgte es mit ernster Miene und zu Boden schauend. Aus Sicht der Verteidigung besteht kein Zweifel daran, dass die Tat als vollendeter Totschlag zu werten ist. Hoch forderte allerdings, anders als die Staatsanwaltschaft am Tag zuvor, "nicht mehr als 6,5 Jahre Freiheitsentzug". Die Gegenseite hatte das Strafmaß bei acht Jahren angesetzt.

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In seiner Argumentation verband Hoch die Beziehung seines Mandanten zu seiner Frau, die Umstände am Tatabend und die Tat selbst. "Es bleibt die Frage, wie ein Paar so enden kann. Wie konnten zwei Leben so entgleiten?", fragte Hoch. Die besondere Tragik des Falls lag wohl auch darin, dass keiner der beiden Ehepartner Hilfe suchte, sondern beide sich vor allem im letzten Jahr ihrer Beziehung stark in den Konsum von Drogen flüchteten. Hoch: "Die Tragik blieb dem Umfeld des Paares völlig verborgen. Nach außen hat man funktioniert, die Kinder zum Musikunterricht oder zu den Omas gebracht", sagte Hoch. "Man hat Weihnachten gefeiert, abends Drogen genommen und morgens versucht, für die Kinder da zu sein. Dass das auf Dauer nicht funktionieren konnte, ist dem objektiven Betrachter klar."

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Anders als die Staatsanwaltschaft, die die Tat nicht als minder schweren Fall nach Paragraf 213 wertete, plädierte Anwalt Hoch dafür, nicht nur den Silvesterabend mit vielen Streits und Drogen, der am Ende so verhängnisvoll eskalierte, in den Blick zu nehmen, sondern die ganze Geschichte der Beziehung.

Das Urteil fällt am Montag, 4. Juni.

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