Lange Nacht der Museen

Tolle Kunst aber weniger Besucher

18 Bremer Ausstellungsorte öffneten am Sonnabend ihre Türen für die „Lange Nacht der Museen“. Die Veranstaltung zog allerdings nur 13.505 Besucher an.
05.06.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Markwort

18 Bremer Ausstellungsorte öffneten am Sonnabend ihre Türen für die „Lange Nacht der Museen“. Die Veranstaltung zog allerdings nur 13.505 Besucher an.

Die Zahlen sprechen leider keine gute Sprache. Nur 13.505 Besucher waren zur Langen Nacht der Museen in Bremen gekommen. Im Vorjahr waren es fast 6000 Menschen, da wurden 19.480 Besucher gezählt. Besonders in der Kunsthalle Bremen war die Besucherzahl geringer: 1863 Interessierte schauten vorbei, 2015 waren es noch 3112 gewesen. Auch das Universum musste eine Besucherschlappe hinnehmen: Statt 1144 Menschen wie 2015 waren in diesem Jahr nur 633 gekommen. Einzig das Wuseum konnte einen leichten Besucherzuwachs (dieses Jahr 480) um 75 Personen verzeichnen.

Dennoch tat dies der Stimmung unter den Anwesenden keinen Abbruch. "Natürlich sind wir auch in diesem Jahr wieder dabei“, ruft Sonia Roche begeistert aus. Gemeinsam mit Ehemann Thomas schlendert die gebürtige Peruanerin gerade durch die Ausstellung „100 beste Plakate“ im Wilhelm-Wagenfeld-Haus. Dort ist zwischen 18 Uhr und Mitternacht noch jede Menge Sehenswertes geboten – wie auch an den übrigen 17 Ausstellungsorten, die ihre Türen dieses Mal wieder für die „Lange Nacht der Museen“ geöffnet haben.

Unter dem Motto „Bewegt“ sollen sich die Besucherinnen und Besucher aber nicht nur durch die verschiedenen Ausstellungen hindurch bewegen, sie können auch selbst aktiv Kunst gestalten. So, wie die elfjährige Hannah und ihr achtjähriger Bruder Lasse aus Bremen. Die beiden Kinder stehen gerade in der Kreativ-Werkstatt von Dina Koper und Maja Pohlan, wo sie aus Draht passend zum Oberthema „Bewegte Tiere“ herstellen.

„Früher fand ich die Kunsthalle sehr dröge“, erklärt Mama Kathrin, „aber diese Aktion begeistert mich total.“ Auf diese Weise gelinge es den Initiatoren der Museumsnacht, „Kinder ganz spielerisch an die große Kunst heranzuführen“, findet die Mutter. Auf ihrem Laufzettel haben die drei, die gemeinsam mit den Großeltern unterwegs sind, noch weitere Programmpunkte stehen: „Lasse möchte noch ins Wuseum im Weserstadion“, erzählt die Mutter von ihren Plänen, „und Hannah möchte sich unbedingt noch einen Button machen.“

Besonderes Ambiente

Im Gewölbekeller des Wilhelm-Wagenfeld-Hauses bietet derweil Klaus Struve unterschiedlichste Artefakte aus seiner Sammlung „Zweck und Form“ an. Besonders die antiken Türbeschläge haben es Thomas und Sonia Roche angetan. „Wir sind auf der Suche nach Schnäppchen“, erzählt der Galerist aus dem Fedelhören, während er sich von Struve erklären lässt, wie der bronzene Türbeschlag am besten angebracht wird. Glücklich zieht es die beiden schließlich weiter: „Wir besuchen jetzt erst die Kulturambulanz“, sagt Sonia Roche, „dann lassen wir diesen wunderschönen Tag in der Böttcherstraße mit diesen vielen tollen Museen gemütlich ausklingen.“

Melanie Franke ist gerade zu Besuch bei einer Freundin in Bremen und nutzt die Nacht, „um besonders die moderne und die experimentelle Kunst zu bestaunen“, erzählt die Hamburger Rechtsanwältin. Sie selbst male gerne, auch die Bildhauerei sei ein Faible von ihr, „aber“, betont sie lächelnd, „ich habe nicht solch ein großes Selbstbewusstsein, um mich selbst als Künstlerin zu bezeichnen.“ Gemeinsam mit ihrer Freundin wolle sie lediglich „einen schönen Abend mit einem Gläschen Wein und interessanter Kunst verleben“.

Das ist auch das Stichwort für Dorothee Hansen in der Kunsthalle gegenüber. Die stellvertretende Direktorin führt gerade rund 50 Besucherinnen und Besucher durch die Max-Liebermann-Ausstellung. „Wir sind sehr stolz, eine der umfangreichsten Sammlungen des Berliner Künstlers in unserem Hause präsentieren zu dürfen“, konstatiert Hansen, „er ist so etwas wie unser Hausheiliger“, ruft sie den Zuhörerinnen und Zuhörern noch zu – dann geht es auch schon weiter.

Shows und Workshops

An diesem Abend zeigen 18 Museen und andere Ausstellungsorte ihre Sammlungen und Sonderausstellungen, lehrreiche Shows sind zu sehen, und bei Workshops können sich vor allen Dingen die kleineren Besucher austoben. Musik aus unterschiedlichsten Genres ist an öffentlichen Plätzen zu hören, und in der ganzen Stadt wimmelt es nur so vor kunstinteressierten Buten- und Binnenbremern. Zwischen Dom-Museum und Weserburg, vom Norden Bremens bis in den Süden laden die Veranstalter zum Besuch ein.

Erstmals wird die Nacht in diesem Jahr in Kooperation mit dem Stadtführer „Barrierefreies Bremen“ veranstaltet, wie üblich sind auch die Schauspieler der Shakespeare Company unter den Protagonisten. „Diese Atmosphäre ist einfach atemberaubend“, fasst Thomas Roche seine Emotionen verbal zusammen. „Ein wunderschönes Ambiente, tolle Kunst, und das Motto passt wie die Faust aufs Auge“, meint er lächelnd. „Wir werden uns jetzt auch bewegen“, ruft er – und zieht weiter zum nächsten Halt in dieser Nacht.

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