Infizierter Welpe

Tollwut-Alarm in Bremen

Bei einem Welpen wurde Tollwut festgestellt: Eine Familie aus Bremen hatte das Tier aus dem Ausland gekauft. Die Gesundheitsbehörde ermittelt Kontaktpersonen und hat Krisenteams eingerichtet.
13.09.2021, 16:32
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Tollwut-Alarm in Bremen
Von Sabine Doll

Im Bremer Gesundheitsamt herrscht Alarmstimmung: Anlass ist eine durch einen Schnelltest nachgewiesene Tollwut-Infektion bei einem Hundewelpen. Am vergangenen Freitag wurde dem Lebensmittelüberwachungs-, Tierschutz- und Veterinärdienst des Landes Bremen der Verdacht auf den Tollwutfall gemeldet, wie die Gesundheitsbehörde an diesem Montag mitteilte. Der Hundewelpe sei am Tag davor in einer Tierklinik im niedersächsischen Umland gestorben. Ergebnisse der amtlichen Untersuchung, die den ersten Test bestätigt, stehen laut der Behörde noch aus. Seit 15 Jahren ist dies der erste Tollwutfall bei einem Tier in Deutschland.

Die Halter leben in Bremen, bei einer Befragung durch das Amt habe sich ergeben, dass der Welpe am 2. September "vermutlich rechtswidrig" aus Südosteuropa eingeführt worden sei. "Nach bisherigen Erkenntnissen bestanden weder bei der Einfuhr noch in Bremen Kontakte zu weiteren Tieren", teilte die Gesundheitsbehörde mit. Informationen, ob noch andere Hunde aus dem Wurf nach Deutschland eingeführt wurden, gebe es derzeit nicht. "Die Quelle ist noch sehr unklar", sagte Behördensprecher Lukas Fuhrmann.

Die Sorge ist groß, denn: Tollwut ist nicht nur für Tiere lebensgefährlich. Werden Menschen infiziert, kann die Viruserkrankung das Nervensystem angreifen. Sobald erste Krankheitssymptome aufgetreten sind, verläuft Tollwut fast immer tödlich, wie das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite informiert. Entscheidend sei daher, dass bei einem Verdacht so schnell wie möglich behandelt werde - mit einer Impfung.

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Die Bremer Behörden haben laut Fuhrmann umgehend damit begonnen, sämtliche Menschen zu ermitteln, die insbesondere engen Kontakt zu dem Welpen hatten. "Hierbei handelt es sich bislang um zehn Personen", so Fuhrmann. Das seien Kontakte im familiären Umfeld, in einer Bremer Tierarztpraxis sowie in der niedersächsischen Tierklinik. "Bislang liegen keine positiven Tollwut-Befunde bei Kontaktpersonen vor. Wir können nicht ausschließen, dass es auch Ansteckungen im engen Umfeld des Welpen gab. Deshalb bereiten wir uns jetzt darauf vor, solche Fälle sofort zu erkennen und auch zu behandeln. Wichtig ist aber, dass das Tollwut-Virus zwar ansteckend ist, aber nur schwer von Mensch zu Mensch übertragen wird. Eine Gefährdung außerhalb des engen Umfelds des Welpen besteht dementsprechend nicht", sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke).

Über die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung seien die Arztpraxen über die Lage in Kenntnis gesetzt worden. Kliniken sowie Notfallärztinnen und -ärzte wurden ebenfalls informiert und auf die "mögliche Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Tollwut vorbereitet", teilte die Behörde mit. Im Gesundheitsressort und dem Gesundheitsamt wurden Krisenteams eingerichtet sowie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und das RKI informiert.

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Der Fall sorgt bundesweit für Alarm: Seit 2008 gilt Deutschland als frei von klassischer Tollwut. Der letzte Fall bei einem Menschen wurde 2007 bei einem Mann festgestellt, der sich in Marokko durch einen Hundebiss infiziert hatte. Häufigste Ansteckungsursache für den Menschen ist laut Bundesverband für Tiergesundheit der Biss eines infizierten Hundes.

Das sogenannte Rabiesvirus ist laut der Behörde Erreger der klassischen Tollwut, für die unter anderem Hund und Fuchs die Hauptreservoire darstellten. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Krankheitsausbruch bei Menschen liegt laut dem RKI bei drei bis acht Wochen, sie könne auch nur mehrere Tage betragen, vereinzelt auch mehrere Jahre. Unmittelbar nach der Infektion könne eine Impfung den Ausbruch der Krankheit verhindern. Die Tollwut bei Menschen verlaufe in drei Stadien, wobei laut RKI zunächst unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und manchmal Fieber auftreten; die Bisswunde brennt, juckt und schmerzt. In der zweiten Phase kommt unter anderem eine ausgeprägte Scheu vor Wasser hinzu, beim Schlucken verkrampfe sich die Schlundmuskulatur. Im letzten Stadium der Tollwut leide der Kranke unter fortschreitenden Lähmungserscheinungen und falle ins Koma.

Zur Sache

Risiko durch illegalen Welpenhandel

"Wer einen Hund aus dem Ausland importiert, sollte unbedingt darauf achten, dass es die entsprechenden Papiere wie einen Heimtierausweis beziehungsweise EU-Impfpass gibt. Dort sind Tollwut-Impfung, Chip-Datum und -Nummer sowie andere Daten vermerkt", sagt die Sprecherin des Bremer Tierschutzvereins. "Eine Tollwut-Impfung muss sein." Hunde, die aus illegalem Handel stammten, hätten diese Papiere nicht. Sie müssten, wenn sie beschlagnahmt würden, mehrere Wochen in Quarantäne. "Wer sich für einen Hund entscheidet, sollte sich unbedingt bei seriösen Tierschutzorganisationen informieren", betont die Sprecherin.

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