Torrox Costa nach dem Vorbild der Vahr erbaut

Altstadt. "Dieser Ort wurde als deutsche Siedlung in den 1970er-Jahren von der Bremer Baufirma Hoffmann als Hochhaussiedlung gebaut und gilt heute als der Ort, an dem auf dem spanischen Festland die meisten Deutschen leben", heißt es in dem Vorwort des Sachbuches "Torrox Costa – Ein deutscher Zauberstrand". Die Hochhäuser seien nach dem Vorbild der Vahr erbaut worden. Allerdings werde das Gesamtbild durch Reihenhaussiedlungen im andalusisch-arabischen Baustil aufgelockert, sagte Rosa Maria Jimènez-Claussen bei Wissen um elf im Haus der Wissenschaft.
21.07.2013, 05:00
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Von Ina Schulze
Torrox Costa nach dem Vorbild der Vahr erbaut

Rosa Maria Jimènez-Claussen hat sich mit Torrox Costa und den dort lebenden Deutschen befasst.

Roland Scheitz

Altstadt. "Dieser Ort wurde als deutsche Siedlung in den 1970er-Jahren von der Bremer Baufirma Hoffmann als Hochhaussiedlung gebaut und gilt heute als der Ort, an dem auf dem spanischen Festland die meisten Deutschen leben", heißt es in dem Vorwort des Sachbuches "Torrox Costa – Ein deutscher Zauberstrand". Die Hochhäuser seien nach dem Vorbild der Vahr erbaut worden. Allerdings werde das Gesamtbild durch Reihenhaussiedlungen im andalusisch-arabischen Baustil aufgelockert, sagte Rosa Maria Jimènez-Claussen bei Wissen um elf im Haus der Wissenschaft.

"Die am häufigsten gesprochene Sprache in Torrox Costa ist Deutsch. Auch wenn sich manche Deutsche darüber beklagen, dass der Ort immer spanischer und englischer wird", hat die Wissenschaftlerin beobachtet. Aber entlang der Promenade und im Ort selbst gebe es noch "Zum Deutschen Eck", die "Plaza Berlin" und ein "Deutsches Ärztezentrum". Rosa Maria Jiménez-Claussen hat sowohl mit deutschen Auswanderern als auch mit spanischen Einheimischen in Torrox Costa und dem Bergdorf Torrox Pueblo gesprochen, über ihre Wünsche, Gesundheit, Krankheit und das interkulturelle Zusammenleben. Die Interviews sind in ihrem Buch zusammengefasst.

Das ursprüngliche Fischerdorf Torrox Pueblo liegt vier Kilometer von Torrox Costa entfernt, dem "Ort mit dem besten Klima Europas". Die wärmeren Temperaturen lindern die Schmerzen, sagen die deutschen Migranten und schildern die freundlichen Menschen, mit denen sie leichter in Kontakt kommen als in Deutschland. Die Deutschen thematisierten vor allem den Umgang mit fremden Menschen, Hunden, Müll und die Lautstärke der Spanier. Viele bewundern zwar das spanische Temperament, wünschen sich aber oftmals die "deutsche" Ruhe.

Gesundheit war für viele ein entscheidender Grund, sich eine Immobilie in Spanien zu kaufen. "Die von mir interviewten Deutschen fühlen sich trotz Krankheit auf der Sonnenseite des Lebens", sagt die promovierte Soziologin aus der Neustadt. Es gibt Shanty-Chöre und Wandervereine der deutschen Gemeinschaft. "Den meisten Spaniern bleibt es ein Rätsel, warum man freiwillig in der Hitze nur zum Zeitvertreib auf Bergen herumgehen soll", sagt Jiménez-Claussen.

Es gibt auch weitaus mehr Unterschiede zwischen den immigrierten Deutschen und den einheimischen Spaniern. So kritisieren die Deutschen die Müll- und Kläranlagen der Spanier. Auch was Hunde betrifft, sind sie sich nicht einig. "Es gibt hier zu viele Hunde. Die Spanier haben auch Hunde, aber die Deutschen haben mehr. Und sie mögen die Hunde auch mehr", beginnt der Spanier Diego Gonzáles Torres das Interview. Außerdem könne er überhaupt nicht nachvollziehen, warum die Deutschen ihre Hunde mit ins Restaurant bringen und sie sogar mit ins Bett nehmen.

Viele der eingewanderten Deutschen beherrschen kein Spanisch und lesen ihre deutsche Zeitung. "Sie tun sich immer nur mit Leuten von ihnen zusammen, und so lernen sie nie Spanisch", zitiert Jiménez-Claussen den 15-jährigen Antonio. Und weil die Spanier so gut Deutsch könnten, hätten manche deutschen Migranten gar keine Chance, im Alltag Spanisch zu lernen.

Hinzu komme, dass sich die Rentner noch was dazu verdienen wollen und Spaniern aus ihrer Sicht Arbeitsplätze wegnehmen. Einige Interviewte erzählen allerdings auch von guter Integration. "Ziel muss es sein, die Menschen zu befähigen und von ihnen zu fordern, fremde Menschen und Gewohnheiten als gleichwertig wahrzunehmen", sagt Rosa Maria Jiménez-Claussen.

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