Beziehungstat in Hemelingen Tote Eltern in Bremen gefunden - Tochter rief die Polizei

In einer Wohnung in Bremen-Hemelingen sind am Mittwoch die Leichen der Eltern von drei Kindern gefunden worden. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus - konkrete Todesursache ist noch unklar.
12.07.2018, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Tote Eltern in Bremen gefunden - Tochter rief die Polizei
Von Sabine Doll

Der Notruf erreichte die Polizei am Mittwochmorgen gegen 7.45 Uhr: Am Telefon war ein kleines Mädchen, das den Tod seiner Eltern meldete. Rettungskräfte und Polizeibeamte rückten sofort aus, Ziel war eine Wohnung im Stadtteil Hemelingen. "Vor Ort konnte allerdings nur noch der Tod der beiden 30-jährigen Elternteile festgestellt werden", sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. "Nach ersten Erkenntnissen ist von einer Beziehungstat auszugehen."

Die besondere Tragik an dem Familiendrama in Hemelingen: Alle drei Kinder befanden sich während der Tat offenbar in der Wohnung, sie haben die Leichen der Eltern entdeckt. Die Geschwister sind unter zehn Jahre alt. Matthiesen: "Sie wurden umgehend vom Tatort und aus der Wohnung weggebracht, zunächst durch Einsatzkräfte vor Ort betreut und schließlich Mitarbeitern des Kinder- und Jugendnotdienstes übergeben."

Obduktion soll aufklären

Die Leichen der Eltern seien in die Rechtsmedizin gebracht worden, eine Obduktion soll nun die konkrete Todesursache klären. Was genau in der Wohnung passiert ist, wann sich die Tat ereignet hat, ob ihr ein Streit vorausgegangen ist – oder ob es sich womöglich um eine geplante und verabredete Tat der Eltern gehandelt, dazu konnte sich die Polizei am Mittwoch noch nicht äußern. Nach jetzigem Stand liegt die Vermutung nahe, dass ein Elternteil zunächst den anderen und dann sich selbst getötet hat. "Die Auswertung der Spuren läuft noch, sowohl in der Wohnung als auch im Rahmen der rechtsmedizinischen Untersuchung", so Polizeisprecher.

Da nach aktuellem Stand von einer Beziehungstat ausgegangen wird, gebe es derzeit keinen Anlass, nach einer dritten Person zu fahnden, die in den Tod der Eltern verwickelt sein könnte. Die Mordkommission ermittele, mit näheren Erkenntnissen zum Auslöser der mutmaßlichen Beziehungstat und weiteren Umständen sei an diesem Donnerstag zu rechnen, sagt der Polizeisprecher auf Nachfrage des WESER-KURIER.

Die Staatsanwaltschaft ist nach Angaben ihrer Sprecherin, Claudia Kück, formal noch nicht involviert. Sollte sich bestätigen, dass es sich um eine Beziehungstat handelt, würden auch keine Ermittlungen mehr aufgenommen. "Wir werden allerdings am Donnerstag über die neuen Erkenntnisse, die es aufgrund der Ermittlungen und der rechtsmedizinischen Untersuchungen zu der Tat gibt, informieren", sagte die Sprecherin.

Die Kinder werden versorgt

Der Kinder- und Jugendnotdienst des Bremer Jugendamtes sorgt jetzt für die Versorgung und Unterbringung der drei Kinder. "Der Dienst ist an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr besetzt und erste Anlaufstelle in Krisensituationen, die Kinder und Jugendliche betreffen", betont der Sprecher der Sozialbehörde, Bernd Schneider. Müssten Kinder vorübergehend untergebracht werden, seien Jugendhilfeeinrichtungen eine Möglichkeit. "Es gibt auch Familien, in die Kinder vermittelt werden können. Je nach Unterstützungsbedarf, Alter der Kinder und der aktuellen Krisensituation ist ein familienähnliches Setting wichtig", so Schneider.

An den Kinder- und Jugendnotdienst können sich Behörden und Polizei wenden, ganz explizit auch Eltern, Angehörige, Nachbarn sowie Kinder und Jugendliche, die Hilfe und Unterstützung in einer Krisensituation benötigen. Der Dienst ist rund um die Uhr unter Telefon 0421 / 699 11 33 erreichbar.

++ Update (Donnerstag, 7 Uhr): Nach Angaben der Polizei ist die Todesursache noch immer unklar. Die Ermittlungen dauerten an, sagte ein Sprecher am Morgen der DPA. ++

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