Tourismus in Bremen

In Bremen fehlen die Übernachtungsgäste

Nach dem Absturz im März und April sind in Bremen und Bremerhaven bisher hauptsächlich die Tagestouristen zurückgekommen. Den Hotels fehlen zusätzlich die Geschäftsreisenden.
21.07.2020, 05:00
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In Bremen fehlen die Übernachtungsgäste
Von Jürgen Hinrichs
In Bremen fehlen die Übernachtungsgäste

Übernachtungsgäste sind aktuell in Bremen aufgrund der Corona-Krise Mangelware.

© Andrea Flak Fotografin

Corona war gestern – das ist der Eindruck, wenn man in die Innenstädte schaut, die in Bremen und Bremerhaven so belebt zu sein scheinen wie in den besten Sommerwochen der Vergangenheit. Mit einer nachhaltigen Erholung des Tourismus habe das aber nichts zu tun, betont die Bremer Touristik-Zentrale (BTZ).

Das Unternehmen präsentierte am Montag Fakten, die beweisen, wie dramatisch der Absturz ist. Im Februar lag die Zahl der Übernachtungen in Bremen auf einem Rekordhoch, der Monat lief so gut wie nie. Im März war mehr als die Hälfte davon verloren, im April rund 85 Prozent. Aktuellere Zahlen gibt es zurzeit nicht. Die BTZ erklärt, dass die Buchungen zwar wieder steigen, aber nur in einem sehr überschaubaren Rahmen. Es seien die Tagestouristen, die dafür sorgten, dass rund um den Roland tagsüber Trubel ist.

Umsatzausfall von 260 Millionen Euro

Die Daten: Gut 150.000 Übernachtungen wurden im Januar verzeichnet, eine Steigerung von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. 175.000 Übernachtungen im Februar, ein Sprung sogar von 14,8 Prozent. Bremen steuerte auf das beste Tourismusjahr zu. Und dann kam Corona: 81.000 Übernachtungen im März und 28.000 im April. Die Hotels waren für Privatreisende verboten, nur Geschäftsleute durften noch absteigen, doch auch die blieben größtenteils weg. Nach Berechnungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr, die von der BTZ zur Verfügung gestellt wurden, hat es in den Monaten März und April in Bremen einen Umsatzausfall von rund 260 Millionen Euro gegeben. Betrachtet wurden für die Erhebung gewerbliche und private Beherbergungsbetriebe, Campingplätze und der Sektor Tagesreisen.

Im Servicecenter der BTZ haben die Mitarbeiter immer noch vergleichsweise wenig zu tun. „Die Anfragen liegen bei der Hälfte des Vorjahres, die Buchungen weit darunter“, erklärt Unternehmenssprecherin Maike Bialek. Stadtrundgänge würden für die Touristen seit einigen Wochen wieder stattfinden, allerdings nur in begrenzter Zahl. „Wenn wir davon etwas anbieten, wird es sehr gut angenommen“, so Bialek.

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Das gleiche Bild in Bremerhaven: Limitierte Angebote, die auf viel Anklang stoßen, eine gut gefüllte Innenstadt, aber bei Weitem nicht der Tourismus, der er vor der Corona-Krise war. „Mein Eindruck ist, dass in der Stadt fast mehr los ist als sonst im Sommer“, sagt Stadtsprecher Volker Heigenmooser. Es sind aber offenbar kaum solche Gäste dabei, die länger als nur einen Tag bleiben.

Die Erlebnis Bremerhaven GmbH, zuständig für Touristik, Marketing und Veranstaltungen, verbucht in ihren beiden Informationsstellen auf der Hafeninsel und im Fischereihafen auch an den Ferientagen deutlich weniger Besucher als sonst, wie eine Sprecherin der Gesellschaft berichtet. Gleichzeitig würden für die verschiedenen Attraktionen viele Eintrittskarten verkauft, zum Beispiel für die Playmobil-Ausstellung im Schifffahrtsmuseum und den Zoo am Meer. Der Gesamteindruck spricht dafür, dass die Gäste wie in Bremen größtenteils Tagestouristen sind, die gezielt auf bestimmte Angebote zugehen und sich nicht erst ausführlich informieren, weil sie längere Zeit bleiben wollen.

Wenig private Übernachtungen, seit sie wieder erlaubt sind, und von Berufs wegen kommen weiterhin auch nicht viele Gäste: Hotels, die ihre Türen im März wegen der geringen Nachfrage schließen mussten, haben sie deshalb teilweise bis heute nicht wieder aufgemacht, berichtet Detlef Pauls. Der Hotelier und Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Bremen sprach zu Beginn des Lockdown von einer Auslastung im Bereich von zehn Prozent und darunter. Im Juli dürften die Hotels seiner Einschätzung nach bei rund 30 Prozent landen. „Aber nur die, die Glück haben“, schränkt Pauls ein.

Kritik an Überbrückungshilfen

Es fehlten vor allem die Geschäftsreisenden, so der Dehoga-Mann. Sie machten in Bremen drei Viertel der Gäste aus. „Es gibt in den meisten Firmen immer noch ein Reiseverbot, dabei kann man privat schon nach Mallorca oder sonst wohin fliegen“, wundert sich Pauls. Die Überbrückungshilfen für seine Branche bewertet er als „schlecht gemacht“. Zugrunde gelegt würden die Fixkosten der drei Monate mit den härtesten Corona-Auflagen. Darin enthalten seien aber nicht die hohen Aufwendungen für Versicherungen und den Kapitaldienst, die in der Regel Anfang des Jahres fällig würden.

Die BTZ hat unterdessen rechtzeitig zum Ferienbeginn mit einer Werbekampagne begonnen. Sie trägt den Slogan „Sommerfrische in Bremen – Rein ins Leben, raus in die Stadt.“ Auch mit Mundschutz und Abstand lasse sich Bremen prima erleben, heißt es im Text. Hervorgehoben werden unter anderem die Lage am Wasser, die Parks und Einrichtungen wie die Botanika und das Universum. Spezielle Sommerpauschalen sollen den Gästen die Übernachtung schmackhaft machen.

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