Zeitgleich wird am 22. und 23. September auch der 200. Geburtstag des Dampfschiffes „Weser“ gefeiert Traditionsschiffe treffen sich in Vegesack

Vegesack. Freunde von Traditionsschiffen sollten sich den 22. und 23.
13.05.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Vegesack. Freunde von Traditionsschiffen sollten sich den 22. und 23. September schon einmal dick in ihren Kalender eintragen. Der Kutter- und Museumshaven-Verein Ve­gesack lädt praktisch als Etappenhafen für die Maritime Woche an der Weser Traditionsschiffe aus dem gesamten Nordseerevier und den angrenzenden Flüssen nach Vegesack ein. Außerdem soll zeitgleich auch noch der 200. Geburtstag des ersten in Deutschland gebauten Fluss-Dampfschiffes „Weser“ gefeiert werden – inklusive Dampferbesuch.

Eigentlich ist Rolf Noll auf die Idee zum Traditionsschiffstreffen gekommen, weil er sich mit seinen Leuten unbedingt einmal bei den Bremerhavener Kollegen von der „Schiffergilde“ bedanken wollte: „Da haben wir auf unserer Hauptversammlung gesagt, das machen wir zur Maritimen Woche mal wieder gut.“ Inzwischen hat sich das Ganze zu einer ausgewachsenen Veranstaltung entwickelt.

Noll hat als Vorsitzender des Kutter- und Museumshavenvereins auch noch die Traditionsschiffer aus Carolinensiel und Hooksiel, aus Stade und Glücksburg und von der Insel Föhr direkt eingeladen. An alle anderen Traditionsschiffer in Deutschland ging die Einladung über ihren Verband raus.

Das Eintreffen der Schiffe wird für Freitag, 22. September, rund um das Nachmittagshochwasser gegen 17.30 Uhr erwartet. Gegen Abend dürfte es dann ziemlich voll werden im Vegesacker Hafen. Schlau ist, wer sich dann schon einmal eine Mitfahrgelegenheit für den nächsten Tag ergattert: Denn viele der Traditionsschiffe nehmen gegen eine Spende gerne Mitfahrer mit in Richtung Europahafen.

Rolf Noll: „Dort haben wir schon Stege reserviert. Aber wir werden sicher trotzdem in Dreier- und Viererpäckchen anlegen müssen.“ Nach der Konvoifahrt Richtung Europahafen werden die meisten Schiffe ohne Mast abends noch einmal ablegen, um an der Paradefahrt zur Maritimen Woche die Schlachte hinauf und hinunter am Sonnabendabend teilzunehmen. Die Schiffer werden im Europahafen übernachten, bevor es nach einem gemeinsamen Brötchenfrühstück am Sonntag gegen 13.30 Uhr dann wieder unkoordiniert in Richtung der Heimathäfen geht.

Zusätzlich zu dem Traditionsschifftreffen wird Vegesack an dem gleichen Wochenende unter Dampf gebracht: Es gilt, den 200. Geburtstag des legendären Raddampfers „Weser“ zu feiern. Angesagt hat sich dazu der historische Dampfer „Prinz Heinrich“ – immerhin auch schon von 1909. An den Details zum Rahmenprogramm wird noch gearbeitet, die historischen Fakten hingegen sind unumstößlich: Die Jungfernreise der „Weser“ am 6. Mai 1817 wurde damals in den Bremer Zeitungen bejubelt. Der Dampfer war auf der Vulkan-Vorgängerwerft von Johann Lange neben dem historischen Hafenspeicher gebaut worden, also direkt am Vegesacker Hafen. Das Herz des Dampfers aber war britisch: Die Dampfmaschine stammte von Boulton & Watt aus Birmingham, echten Dampferpionieren.

Der spätere Bremer Bürgermeister Johann Smidt hatte die Pläne des Bremer Kaufmanns Friedrich Schröder zum Dampferbau unterstützt. Allerdings war es kurz vor der Indienststellung der „Weser“ zu zwei großen Dampferunglücken in England gekommen. Viele „Experten“ sprachen sich gegen diese neumodischen Dampfapparaturen in Schiffen und für die Besinnung auf die gute alte Segelschiffspassage aus. Nun galt es also für die Bremer Dampfschiffpioniere, die Sorgen der potenziellen Passagiere auf der Weser zu zerstreuen.

Das tat der Ingenieur des Projektes, Ludwig Georg Treviranus, mittels einer Stellungnahme zu seinem Bau in der Zeitung: „Zur Sicherung gegen alle Gefahr dient die auf dem Kessel befindliche Sicherheitsklappe und der in Grade abgeteilte Dampfmesser. Bei unserem hiesigen Dampfboot ist die höchste Expansivkraft, welche die Dämpfe erhalten können, nicht größer, als dass jeder Quadrat-Zoll des Kessels nur durch eine Kraft von ungefähr 3,5 Pfund gedrückt wird, indem bei diesem Druck sich das Ventil zu öffnen beginnt. Dass diese Kraft niemals im Stande sein wird, einen, aus dicken Platten vom besten, geschmiedeten Eisen zusammengesetzten, mit starken Nietnägeln verbundenen Kessel auseinanderzutreiben, wird Jedem einleuchten. Es ist auch wirklich meines Wissens noch kein Beispiel vorhanden, daß der Kessel einer, nach dem Prinzip der Herren Boulton und Watt wirkenden Dampfmaschine zersprungen wäre.“

Tatsächlich fuhr die „Weser“ immerhin von 1817 bis 1833 auf der Strecke Bremen-Brake, ab 1827 auch bis Geestemünde. Das Schiff ist auf zahlreichen historischen Stadtansichten abgebildet. Man war dann doch stolz auf den Dampfer der Weser.

Wer eine Vorstellung vom Aussehen der „Weser“ bekommen möchte, kann den Nachbau der Bremer Bootsbau Vegesack von 2008 an der Bremer Jugendherberge an der Schlachte besuchen. Allerdings hat diese neue „Weser“ nie einen Schaufelradantrieb und eine Dampfmaschine bekommen. Schröders Konzession für den Dampfschiffbetrieb auf der Weser hat sich seinerzeit übrigens nicht gerechnet: Er machte wegen den schwierigen Fahrverhältnissen auf der versandeten und unwegsamen Weser für die ersten sechs Jahre einen Verlust von 1120 Talern.

Weitere Informationen zu dem Treiben rund um Dampfer und Traditionsschiffe im Vegesacker Hafen an dem letzten Septemberwochenende gibt es im Internet unter www.charterkontor-vegesack.de.

„Wir werden in Dreier- und Viererpäckchen anlegen müssen.“ Rolf Noll
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