Optimale Trainingsbedingungen

Trainingsbahn in Bremen-Mahndorf steht vor Privatisierung

In Bremen-Mahndorf steht eine der modernsten Trainingsanlagen des Galoppsports. Der derzeitige Pächter möchte das Gelände gerne von der Stadt kaufen.
30.09.2018, 19:43
Lesedauer: 4 Min
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Trainingsbahn in Bremen-Mahndorf steht vor Privatisierung
Von Christian Hasemann

Der Wind zehrt an Hermann Vagt und Anja Wiesner auf einem Deich in der Mahndorfer Marsch. Sie blicken über ein weitläufiges Gelände mit einem See in der Mitte, eingefasst von einem 1800 Meter langen Geläuf aus speziellem Sand und einem kleineren Ring aus geschorenem Rasen. In das Rauschen der Autobahn mischt sich erst unmerklich leises Trappeln, das schnell zu einem Gedonner anschwillt, und schon preschen sechs Pferde auf der Bahn vorbei.

Sand spritzt auf und das Hufgetrappel wird vom kühlen Westwind davongetragen und verhallt. Diese Pferde und ihre Steuermänner und -frauen trainieren auf einer der besten Trainingsanlagen für den Galoppsport, und geht es nach dem Willen des Pächters, auch dauerhaft. Denn dieser möchte das Gelände von der Stadt kaufen. Eigentlich sollte 2014 auf den 470.000 Quadratmetern Schluss sein mit dem Trainingsbetrieb.

Damals löste die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), Verantwortliche für die Fläche, den Pachtvertrag mit der Bremer Galopptrainingsgesellschaft (BGG) auf. Knapp 160 000 Euro hatte die Stadt jährlich für die Grünpflege für die 2006 freigegebene Trainingsanlage ausgegeben. Nur ein Jahr zuvor hatte die Stadt ihr finanzielles Engagement bei der Galopprennbahn Vahr beendet.

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Mit der Auflösung des Pachtvertrags für die Trainingsanlage wurde damit ein Schlussstrich der öffentlichen Subventionierung des Galoppsports in Bremen gezogen. Gekostet hat das Abenteuer in die Welt der Jockeys, Buchmacher und Rennpferde eine Menge. Allein die vorzeitige Beendigung der Verträge kostete die Stadt zusammen 2,7 Millionen Euro. Dazu kamen noch mehrere Millionen Euro an Unterhalt der Anlagen und zusätzlichen Subventionen.

Teurer Irrtum

Strippenzieher im Hintergrund bei Bremens Galopp-Irrläufern: Frank Haller, Ex-Staatsrat im Wirtschaftsressort und Ex-Leiter des „BAW – Institut für regionale Wirtschaftsforschung“, ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen mit teils öffentlicher Finanzierung. Unter Haller stellte dieses Institut optimistische Gutachten, unter anderem für den Spacepark, das Musicaltheater und eben auch die Galopprennbahn aus – allesamt Pleiteprojekte für die Stadt.

Frank Haller setzte sich 2004 auch für die Trainingsanlage in Mahndorf ein. Er ist bekannter Pferdesportfan, seine Ehefrau einst Eigentümerin von Rennpferden, die in Bremen an Rennen teilnahmen. Der Bau des Trainingsgeländes wurde zum einen von einer Investorengemeinschaft um den damaligen Präsidenten des Rennvereins Andreas Jacobs, Erbe der Kaffee-Dynastie und mit einer Einlage von 800 000 Euro Kommanditist der Trainingsgesellschaft, und die Stadt Bremen finanziert.

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Von den mehr als vier Millionen Euro Baukosten übernahm die Stadt 1,7 Millionen Euro, die vor allem in die nötige Infrastruktur gesteckt wurden. Über eine von der Senatspressestelle verbreitete Mitteilung sprachen Andreas Jacobs und Michael Göbel, Geschäftsführer der Bremer Rennbahn GmbH, davon, dass die Anlage ein elementarer Bestandteil zur Sicherung und weiteren Entwicklung des Standortes Bremen sei. Jacobs hatte allerdings offenbar in weiser Voraussicht schon 1999 sein finanzielles Engagement bei der Galopprennbahn Bremen beendet, damals sprang die Stadt, also der Steuerzahler, ein.

2014 hatte sich also die Stadt mühsam aus allen vertraglichen Verpflichtungen freigekauft, die Leute zu verantworten hatten, die längst nicht mehr im Amt waren. Die WFB sollte nun Ausschau nach einem Investor oder einem anderen Nutzer der Anlage in Mahndorf halten. Untätig blieb aber auch der bekannteste Trainer der Anlage – Pavel Vovcenko – nicht. Er fand im benachbarten Achim, wo der gebürtige Tscheche lebt, mit Hermann Vagt einen willigen Unternehmer.

„Pavel hat mich gefragt, ob ich das nicht hier machen will“, sagt Hermann Vagt, der seinen landwirtschaftlichen Betrieb inzwischen an seinen Sohn übergeben hat. Er pachtet die Trainingsanlage seitdem von der Stadt und pflegt sie. „Wir haben ja direkt die Technik hier in der Nachbarschaft, das ist günstig von der Logistik und wir haben dadurch nicht den Kostenaufwand wie die Stadt.“ Richtig Geld verdienen könne er mit der Anlage zwar nicht, dennoch würde er sie gerne kaufen. „Ich gehe davon aus, dass das klappt“, sagt Hermann Vagt. Jetzt in Rente wolle er sich noch etwas mehr um die Anlage kümmern.

Optimale Trainingsbedingungen

Das Geld für die Pacht verdient Hermann Vagt mit den Einnahmen, die er von Trainern und Eigentümern bekommt, die ihre Pferde in Mahndorf trainieren lassen. Da ist aber noch Luft nach oben. 180 Pferde könnten auf der Anlage trainieren. Zurzeit sind es knapp 90 Pferde. „Aber wir kriegen jetzt noch 18 weitere und hoffen, dass aus der Vahr noch welche kommen“, sagt Hermann Vagt. In der Vahr trainieren derzeit noch knapp 50 Pferde, deren Eigentümer mittelfristig eine neue Bleibe suchen müssen.

Größere Sorgen, dass das Ende auf der Galopprennbahn auch für die Trainingsanlage negative Auswirkungen haben könnte, haben Anja Wiesner, die als Assistentin von Hermann Vagt arbeitet, und Hermann Vagt nicht. Der Riesenvorteil der Anlage seien die optimalen Trainingsbedingungen und die sehr gute Verkehrsanbindung.

Die Sandbahn besteht aus mehreren Schichten: Vlies, Oralitschotter, Quarzsand und 15 Kubikmeter Golfsand ergeben eine strapazierfähige und elastische Oberfläche. Dazu kommt eine überdachte Trainingsanlage, in der bei schlechtem Wetter trainiert werden kann, Weideflächen, Paddocks und eine Hindernisbahn. „Die Trainer sind nicht abhängig von der Vahr, die fahren ja überall hin, nach Frankreich oder noch weiter“, sagt Hermann Vagt.

„Für Geld macht das keiner“

Frankreich ist so etwas wie das gelobte Land des Pferdesports. Während in Deutschland die Umsätze von Pferdewetten stark zurückgehen, ein Hauptgrund für die Krise im Sport, dominiert in Frankreich der Wettanbieter PMU und erzielt Umsätze von mehr als zehn Milliarden Euro. In Deutschland beträgt der Wettumsatz gerade einmal 26 Millionen. Dementsprechend hoch sind auch die Preisgelder in Frankreich dotiert.

„Aber die Rennen in Frankreich sind hart, da braucht man schon gute Pferde“, sagt Pavel Vovcenko, der in Mahndorf zurzeit 36 Pferde trainiert. In diesem Jahr seien von ihm trainierte Pferde in Schweden, in Norwegen und sogar in Dubai angetreten. Über die Trainingsbedingungen sagt er: „Es sind sehr gute Arbeitsbahnen mit einer guten Drainage, auf anderen Anlagen steht das Wasser.“

Durch die umliegenden Weiden könnten die Pferde jeden Tag raus. Dort können sie auch die nötigen Erholungspausen von den anstrengenden Rennen bekommen. Dennoch bedauert er das Ende der Bremer Galopprennbahn. „Es wäre schon gut, wenn wir als Vorbereitung zuhause starten könnten.“ In einem anderen Punkt pflichtet er Hermann Vagt bei: „Für Geld macht das keiner.“

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