Bremische Gartenordnung

Trampolin-Verbot in Kleingärten

Ärger um neue Vorschriften für Kleingärtner: An diesem Sonnabend läuft die Frist für Änderungswünsche am Entwurf der neuen Gartenordnung ab. Doch Ruhe dürfte nicht einkehren, es regt sich Widerstand.
16.02.2018, 19:47
Lesedauer: 4 Min
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Trampolin-Verbot in Kleingärten
Von Frank Hethey
Trampolin-Verbot in Kleingärten

Damit soll nach dem Willen des Landesverbands der Gartenfreunde bald Schluss sein: Trampolin in einem Bremer Kleingarten.

Christina Kuhaupt

Es rumort unter Bremens Kleingärtnern. Der Grund: der Entwurf für die neue Bremische Gartenordnung, die die Vorgängerversion von 2001 ablösen soll. Vorgelegt hat ihn nach dreijähriger Vorlaufzeit der Landesverband der Gartenfreunde als Dachverband der knapp 100 Kleingartenvereine in Bremen. Kritiker bemängeln „Überregulierung“ und fehlenden Gestaltungswillen, drängende Fragen und Aspekte wie ökologische Gartennutzung würden nicht angepackt, die Kleingartenvereine zu bloßen Handlangern des Landesverbandes degradiert.

Für Unmut sorgt auch die relativ kurze Frist für Änderungswünsche: Erst am 5. Januar ist der endgültige Entwurf den Vereinen zugegangen, doch bereits an diesem Sonnabend läuft die Frist ab. Und damit vor den meisten Jahreshauptversammlungen der Kleingartenvereine im Februar oder März.

„Der Entwurf kann also nicht auf breiter Mitgliederbasis diskutiert werden“, kritisiert Carsten Siemering von den „Kleingartenrebellen“. Zumal der Entwurf noch nicht mal auf der Homepage des Landesverbandes zu finden sei. Sein Resümee: „Basisbeteiligung? Nicht vorhanden!“

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Sollte die Delegiertenversammlung den Entwurf am 14. April tatsächlich beschließen, müssten sich Bremens Kleingärtner auf einige einschneidende Änderungen gefasst machen. Dazu gehört, dass Trampoline künftig keinen Platz mehr in den Parzellen haben sollen.

Als „Großspielgeräte“ wären sie genauso verboten wie Kunststoffspieltürme und Kunststoffanlagen. Neu auch die Verpflichtung eines jeden Pächters, seinen Garten selbst zu bewirtschaften und die strikte Anweisung, auf mindestens einem Drittel der Gartenfläche Obst und Gemüse anzubauen.

Direkt betroffen vom Trampolin-Verbot wäre Familie Dannenberg. „Und nicht nur wir“, sagt Meike Dannenberg. In ihrem Kleingartengebiet hätten sich fast alle Eltern mit Grundschulkindern ein Trampolin zugelegt. Es habe einen enormen Stellenwert für die Kinder und verschaffe den Eltern überhaupt erst Luft für die Gartenarbeit. „Ohne Trampolin hätten wir noch weniger Zeit, Blumen zu pflanzen.“

Unnötige Spitze

Der Landesverband rechtfertigt das Trampolin-Verbot mit Hinweis auf die Unfallgefahr. „Trampoline sind sehr unfallträchtig“, betont Verbandschef August Judel. Doch das ist nicht alles, es geht Judel auch ums Prinzip. Trampoline erscheinen ihm als Widerspruch zur Idee des Kleingärtnerns. Bei einem Durchmesser von sechs Metern blockierten die Spielgeräte einen erheblichen Gartenanteil, der sonst kleingärtnerisch genutzt werden könne. Sein Credo: „Kleingärten sind keine Freizeitgärten.“

Eine unnötige Spitze gegen den neuen Trend zum Gemeinschaftsgarten sieht Gartenbloggerin Kirsten Tiedemann in der eingeforderten Selbstbewirtschaftung. In ihren Augen eine unzumutbare Härte gegenüber Senioren, die die Gartenarbeit nicht mehr allein bewältigen können, die Parzelle aber auch nicht aufgeben wollen.

Ähnlich argumentiert Marko Wicke, Vorstandsmitglied des Kleingartenvereins (KGV) „Auf der Ruten“. In der Version von 2001 habe nur gestanden, ein Drittel-Anteil an Obst- und Gemüseanbau sei „anzustreben“. Doch die Feldwirtschaft sei „für einige nicht mehr aufrecht zu halten“, sagt er und weist zusätzlich auf berufliche Verpflichtungen von jüngeren Kleingärtnern hin.

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Fragwürdiger Umgang mit Kritikern

Schwer ins Gewicht fällt der Vorwurf mangelnder Transparenz, den die „Kleingartenrebellen“ erheben. Den müssen sie sich allerdings auch selbst gefallen lassen. Erst seit knapp zwei Wochen sind die „Kleingartenrebellen“ als Bremer Pendant der Hamburger „Schreberrebellen“ mit ihrer neuen Website online, freilich ohne sich namentlich zu erkennen zu geben.

Für Judel ein triftiger Grund, ihnen „polemische Stimmungsmache“ anzukreiden, eine Missachtung demokratischer Spielregeln. Sogar Sympathisanten wie Dannenberg und Tiedemann würden sich ein offenes Visier der „Kleingartenrebellen“ wünschen.

Siemering indessen verweist auf den aus seiner Sicht fragwürdigen Umgang des Landesverbands mit Kritikerin, es habe „sehr unschöne Anrufe“ gegeben. Deshalb bevorzugten die „Kleingartenrebellen“, als anonyme Gruppe in Erscheinung zu treten. „Wir verstehen uns als kritische Begleiter des Landesverbands.“ So auch, indem man den Entwurf online zugänglich mache und durch Einschübe kommentiere.

"Vielleicht hat das ein bisschen zu lange gedauert"

Der Landesverband der Gartenfreunde weist die Vorwürfe zurück. Von einem „ganz normalen Verfahren“ spricht deren Vorsitzender Judel. Bereits vor drei Jahren sei der Entwurf erstmals den Mitgliedsvereinen zugestellt worden, so lange habe die Möglichkeit bestanden, Vorschläge einzureichen. Das ist laut Judel auch der Grund, weshalb der Entwurf nicht auf der Website des Landesverbands zu finden sei – die Mitteilungspflicht liege bei den Vereinen.

Es seien auch durchaus „einige Änderungsanträge“ eingegangen. „Wir haben mit vielen Vereinen und Mitgliedern Rückkopplung gehabt, wir haben kommuniziert“, sagt Judel. „Es ist ja nicht so, dass wir uns gegenüber Änderungsvorschlägen verschließen.“ Auf dieser Grundlage wie auch in Abstimmung mit rechtskundigen Fachleuten und dem Bauressort habe ein Expertenkreis den Entwurf erstellt.

Selbstkritisch beurteilt er dagegen die Bearbeitungszeit. „Vielleicht hat das ein bisschen zu lange gedauert.“ Von Regulierungswut will Judel nichts wissen. „Die Ordnung für einen Campingplatz ist noch fünf Seiten länger.“ Trotz Ablauf der Änderungsfrist könnten sich Kritiker der neuen Gartenordnung nach wie vor Gehör verschaffen.

„Der demokratische Prozess ist noch nicht ausgereift“, sagt der 67-Jährige. „Jeder kann sich als Delegierter von seinem Verein wählen lassen.“ Sein Verdacht: Die „Kleingartenrebellen“ setzten darauf, dass irgendein Delegierter einen Antrag in ihrem Sinne stelle. Siemering bestätigt diese Vermutung – und rechtfertigt sich damit, dass es entgegen der Darstellung von Judel keineswegs so einfach sei, als Delegierter an der entscheidenden Versammlung teilzunehmen.

Doch inzwischen formiert sich laut Siemering Widerstand gegen den Entwurf. „Viele Delegierte haben durchblicken lassen, dass sie dagegen stimmen werden.“ Optimismus versprüht auch die Website der „Kleingartenrebellen“: Ein erster Kleingartenverein habe bereits signalisiert, einen Antrag auf Ablehnung der Entwurfsfassung zu stellen und eine „umfassende Neuberatung“ zu fordern.

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