ADFC und Verkehrsbehörde empört

Aufregung um CDU-Vorschlag für eine Trasse im Bremer Osten

Ein CDU-Vorschlag für eine Trasse im Bremer Osten erhitzt die Gemüter beim ADFC und in der Verkehrsbehörde. Die vorgeschlagene Strecke führt durch ein Gebiet mit Kleingärten, Spielplätzen und Wohnhäusern.
30.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Aufregung um CDU-Vorschlag für eine Trasse im Bremer Osten
Von Pascal Faltermann

Staus und stockender Verkehr gibt es zu den Schichtwechseln bei Mercedes Benz häufiger im Bremer Osten. Um den Verkehr in den Stadtteilen Osterholz und Vahr „radikal zu reduzieren“, will der CDU-Stadtbezirksverband Osterholz eine Autotrasse prüfen lassen. Diese soll zwischen dem Mercedes-Benz-Werk und der Autobahn Vahr als gedachte ­Linie auf einer verlängerten Hermann-Koenen-Straße den Verkehr aus dem Gebiet herausführen. Das hat auch der CDU-Kreisverband Bremen-Stadt beschlossen .

Dieser Vorschlag sorgt allerdings für Streit. „Die offenbar von allen guten Geistern verlassene CDU will ernsthaft eine neue Schneise für den Autoverkehr aus dem Umland schlagen, mitten durch das Grün entlang des Achterdiek“, sagt Stefan Matthaeus, Mobilitätsberater und Sprecher des Arbeitskreises Verkehr Bremen-Ost des ADFC Bremen. Auch die Vertreter der Verkehrsbehörde winken ab: Das sei mit dem Ressort nicht zu machen.

„Der Autoverkehr ist da, er muss aber aus den Wohngebieten“

Entlastet werden sollen durch die vorgeschlagene Trasse die Osterholzer Heerstraße, die Sebaldsbrücker Heerstraße, die Straßen In der Vahr, Semmelweisstraße, und Vahrer Straße. Dort herrscht laut der CDU Dauerstau zu den Zeiten des Arbeitsbeginns, was wiederum zu hohen Belastungen der Umgebungsstraßen und der dortigen Quartieren führe. „Der Autoverkehr ist da, er muss aber raus aus den Wohngebieten“, sagt Claas Rohmeyer, Vorsitzender des Stadtbezirksverbands und Bürgerschaftsabgeordneter. Wenn es für die zahlreichen Berufspendler, vor allem die aus dem Umland, einen kürzeren Weg zur Autobahn geben würde, könnten Straßen entlastet werden. Dadurch komme es auch zu weniger Staus, weniger Kraftstoffverbrauch und folglich auch zu weniger verkehrsbedingten CO2-Emissionen – also einer Einsparung.

Die wegfallenden Kleingärten müssen nach Auffassung des CDU-Verbandes an anderer Stelle wieder eingerichtet werden, zum Beispiel am Rand der Osterholzer Feldmark. „Für die benachbarten Wohngebiete in Sebaldsbrück und Blockdiek ist eine tiefe Bauweise und der damit mögliche Lärmschutz zu bevorzugen“, so Rohmeyer.

„Mit unserem Ressort wird es keine Trasse durch Kleingarten- und Wohngebiete geben, wo zudem Gewerbe angesiedelt ist. Wir setzen nicht auf neuen Straßenbau, der nur zu zusätzlichem Autoverkehr führen wird. Wir setzen auf die Verkehrswende“, sagt Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Dazu gehören unter anderem die geplante Fahrradbrücke in Hemelingen über die Weser oder die Rad-Premiumroute von Hemelingen nach Bremen-Nord. Zudem werde derzeit an dem „Stadt-regionalen Verkehrskonzept“ gearbeitet, um die Attraktivität des Umweltverbundes – die Gruppe der „umweltverträglichen“ Verkehrsmittel – über die Stadtgrenzen hinaus zu fördern, so Senatorin Schaefer. Das sei auch Bestandteil der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes (VEP).

„Mit diesem Antrag hat die CDU ein Stück zur Anti-Verkehrswende beschlossen“, sagt ADFC-Sprecher Matthaeus. Als habe es keine Klimademonstrationen und -debatten gegeben, werde der gesellschaftliche Konsens zur CO2-Einsparung durch weniger Autoverkehr einfach mal konterkariert. „Wer Straßen baut, wird Autoverkehr ernten“, sagt Matthaeus zu einer direkten Verbindung zur Autobahnauffahrt Vahr. Das sei eine längst widerlegte Strategie. „Dort liegen Kleingärten, Spielplätze, Gleise der Straßenbahnlinie 1, ein BSAG-Depot, Wohnhäuser und die extrem wichtige Verbindung für den Fuß- und Radverkehr zwischen den Stadtteilen Vahr, Hemelingen, Osterholz und Oberneuland“, zählt Matthaeus auf. Zudem entstehe dort gerade das Fahrradmodellquartier Ellener Hof mit geförderten Maßnahmen zur Anbindung auch zum Achterdiek. „Die Trasse wäre ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich dort neu niederlassen möchten.“

Mercedes will gegen Parkplatznot angehen

Schon jetzt gebe es unter den Mitarbeitern des Mercedes-Werkes eine Menge Leute, die per Rad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr kommen. „Wenn wir es schaffen, die Bedingungen so zu verbessern, sodass mehr ihr Auto stehen lassen, dann gibt es für diejenigen, die keine Alternative haben als das Auto, auch weniger Stau“, so Matthaeus.

Und Mercedes selbst? Der Autobauer will gegen die Parkplatznot rund um Werksgelände neue Wege gehen. In Zukunft soll es Mitarbeitern unter anderem erlaubt sein, mit dem Fahrrad aufs Werksgelände zu kommen.

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