Astrophysiker wurde 97 Jahre alt

Trauer um Bremens Ehrenbürger Reimar Lüst

Wenige Tage nach seinem 97. Geburtstag ist der Bremer Ehrenbürger Reimar Lüst gestorben. Das teilt der Senat mit. Der Astrophysiker habe sich um Bremen hoch verdient gemacht.
31.03.2020, 19:10
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Trauer um Bremens Ehrenbürger Reimar Lüst
Von Michael Rabba
Trauer um Bremens Ehrenbürger Reimar Lüst

Seit 2001 Ehrenbürger der Stadt Bremen, wurde Reimar Lüst (Mitte) im Jahr 2011 auch erster Ehrendoktor der von ihm mit aufgebauten Jacobs University.

fr

Der Astrophysiker, frühere Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA und Bremer Ehrenbürger Reimar Lüst ist am Dienstag nur wenige Tage nach seinem 97. Geburtstag gestorben. „Sein Engagement bei der Entstehung der heutigen Jacobs University ist legendär", so Bürgermeister Andreas Bovenschulte. "Aber auch seine Verdienste um die Entwicklung Bremens als Luft- und Raumfahrtstandort haben der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern viel gegeben."

Mit Reimar Lüst sei "ein großer Mann der Wissenschaft" gestorben. "Unser Mitgefühl gilt besonders seinen Angehörigen und Freunden“, so Bovenschulte.

Auch Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling kondoliert: „Die Welt verliert einen herausragenden Wissenschaftler und einen überaus erfolgreichen Wissenschaftsmanager, der sich um Bremen hoch verdient gemacht hat.

Reimar Lüst wurde am 25. März 1923 in Barmen (heute Wuppertal) geboren. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann Lüst in Kriegsgefangenschaft. Die Insassen seines Gefangenlagers in Amerika hatten eine eigene Universität eingerichtet, dort studierte er vier Semester Theoretische Physik und Mathematik und brachte dies später an der Universität Frankfurt zum Diplomabschluss.

Lüst studierte Physik, promovierte 1951 bei Prof. Dr. Carl Friedrich von Weizsäcker am Göttinger Max-Planck-Institut und habilitierte 1960 in Theoretischer Physik an der Universität München. Lüst war unter anderem maßgeblich am Aufbau der europäischen Weltraumorganisation ESRO beteiligt, deren wissenschaftlicher Direktor (1962-64) und Vizepräsident (1968-70) er war. „Er hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Bundesrepublik ein eigenes, nationales Weltraumprogramm einrichtete“, ist seiner vom Senat mitgeteilten Vita weiter zu entnehmen.

Von 1969 bis 1972 war Reimar Lüst Vorsitzender des Wissenschaftsrates, 1972 übernahm er die Präsidentschaft der Max-Planck-Gesellschaft (bis 1984). In den Jahren 1984 bis 1990 war er Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, 1989 wurde er zudem Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, diese Tätigkeit übte er bis 1999 aus.

Lüst war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und anderer Einrichtungen. Im Verlaufe seiner wissenschaftlichen Tätigkeiten konnte er zahlreiche nationale und internationale Ehrungen, darunter Ehrendoktorwürden, Ehrenprofessuren, die Leibniz-Medaille, sowie das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik entgegennehmen.

In seiner Zeit als Vorsitzender des Aufsichtsrates der ERNO GmbH habe Lüst dazu beigetragen, „dass in Bremen Arbeitskräfte für hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen wurden“, so der Senat. Sein wohl größter Verdienst um Bremen aber sei der Aufbau der Jacobs University gewesen. „Lüst hat von Anfang an die Idee der europaweit ersten privaten Universität, der International University Bremen (IUB, heute Jacobs University), unterstützt und vorangebracht. Er war als Vorsitzender des Planungskomitees entscheidend an der Planung und dem Aufbau der IUB und als Vorsitzender des Aufsichtsrates an der Umsetzung der Ziele und der weiteren Entwicklung der IUB maßgeblich beteiligt.“

Für seine großen Verdienste um den Luft- und Raumfahrtstandort Bremen und die Ansiedlung wissenschaftlicher Institutionen, vor allem der International University Bremen wurde Reimar Lüst im November 2001 zum Bremer Ehrenbürger ernannt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+