Doppelmord in Findorff Trauergottesdienst am Donnerstag

Bremen. Die Martin-Luther-Kirche in Findorff lädt am Donnerstag um 18 Uhr zu einer Trauerandacht für die beiden Frauen ein, die am Montag getötet wurden. Damit will die Gemeinde vor allem Anwohnern Raum für das große Entsetzen bieten.
13.01.2010, 04:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler

Bremen. Die Martin-Luther-Kirche in Findorff lädt am Donnerstag um 18 Uhr zu einer Trauerandacht für die beiden Frauen ein, die am Montag getötet wurden. Die Andacht soll den Anwohnern einen Raum für ihr Entsetzen und die große Betroffenheit bieten.

Damit möchte Hans-Jürgen Jung, Pastor der Gemeinde in Findorff der Erschütterung des Grundsicherheitsgefühls vieler Bewohner begegnen. Am Dienstag griffen bereits viele Lehrer de Schulzentrums Findorff das Verbrechen auf und thematisierten den Vorfall bei den schockierten Schülern.

Zwei Psychologen kamen derweil am Dienstag nach einer ersten Begutachtung zu der Überzeugung, dass der 41-jährige Bremer, der am Montag zwei Frauen aus Findorff mit mehreren Messerstichen tötete, psychotisch ist. Zuvor hatte der Mann ein Geständnis gegenüber der Polizei abgelegt und behauptet, dass er in Raubabsicht gehandelt habe. Scheinbar ein klarer Fall. Doch viele Handlungen des Täters passen nicht zusammen.

So beantragte am Dienstagnachmittag Staatsanwalt Uwe Picard, den Täter nicht ins Gefängnis, sondern vorerst in die Forensik bringen zu lassen. Ein Richter stimmte dem Antrag zu und hat die Einweisung am späten Abend angeordnet. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen werden dort psychisch kranke Straftäter behandelt.

Die Ermittler hatte stutzig gemacht, dass der Mann einem der späteren Opfer, nämlich der 58-jährigen Joggerin, bereits in der Hemmstraße gefolgt war. Angeblich, um ein Eigentumsdelikt zu begehen. Als diese an der Tür einer 59-jährigen Nachbarin klingelte, will er beschlossen haben, etwas aus dem Haus zu rauben.

'Das sind freundliche, ordentliche Wohnverhältnisse, aber dort gibt es keine goldenen Wasserhähne', beschrieb Staatsanwalt Picard die ersten Zweifel, die den Beamten an der Aussage kamen. Denn der Mann drang in das Haus ein, ohne sich vorher zu vergewissern, ob sich dort noch weitere Personen aufhielten oder es etwas auf die Schnelle zu rauben gab.

Auch sein Verhalten nach der Tat war auffällig. So zog er sich noch auf der Straße Jacke und Sweatshirt aus und ließ sie fallen. Danach ging er angeblich ruhigen Schrittes weiter. Als er kurz darauf festgenommen wird, behauptet er, erheblich verletzt zu sein. Doch dies ist falsch. Im Krankenhaus berichtet er den Ärzten von Stimmen. In seiner Vernehmung bei der Polizei nimmt der Mann die Behauptung zurück. Die Ermittler bestellen schließlich zwei Psychologen ins Polizeipräsidium in der Vahr, die nach einem längeren Gespräch zu der Überzeugung kommen, dass der Mann unter einer Psychose leidet.

Gestern suchte die Polizei erneut vergeblich nach dem Messer. Dazu führten sie auch den Täter am Tatort vor. Doch vergeblich. Das Messer blieb verschwunden. Die Beamten vermuten, dass es irgendwo am Weg unterm Schnee liegen könnte. Wer es findet, wird dringend gebeten, es nicht anzufassen und stattdessen sofort die Polizei zu benachrichtigen. Gesucht wird außerdem noch nach weiteren Zeugen des Verbrechens. So wird ein Ehepaar mittleren Alters, das zur Tatzeit die Stelle passierte, gebeten, sich dringend unter der Telefonnummer 835 44 88 bei der Kripo zu melden.

Über den 41-Jährigen war bis gestern noch nicht viel bekannt. Als sicher gilt, dass er eine Parzelle in Findorff besitzt, aber in einem anderen Stadtteil wohnt. Er lebt allein. Nach eigenen Angaben ist er arbeitslos und arbeitete früher als Kfz-Mechaniker. In der Vergangenheit ist er mit kleineren Delikten polizeilich aufgefallen. 'Wir kennen ihn nicht als Gewalttäter', erklärte ein Polizeisprecher. Jede seiner Aussagen werfe zurzeit nur weitere Fragen auf.

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