Philip Nasseri hat seine Speicherkarte verloren Trauriger Zimmermann hofft auf ehrlichen Finder

Philip Nasseri ist Zimmermannsgeselle und seit fünf Jahren auf Wanderschaft. Gerade macht der 30-Jährige zum zweiten Mal in Bremen Station. Dann das Pech: Nasseri hat seine Fotokamera mit mehreren Tausend Bildern auf der Speicherkarte verloren.
21.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Trauriger Zimmermann hofft auf ehrlichen Finder
Von Nikolai Fritzsche

Philip Nasseri ist Zimmermannsgeselle und seit fünf Jahren auf Wanderschaft. Gerade macht der 30-Jährige zum zweiten Mal in Bremen Station. Am vergangenen Donnerstag, gerade in der Stadt angekommen, hat er seine Fotokamera mit mehreren Tausend Bildern auf der Speicherkarte verloren. Wenn er Bremen am Sonntag den Rücken kehrt, wäre er sehr froh, die Fotos von seinen Reisen im Gepäck zu haben.

Per Anhalter ist Nasseri am Donnerstag von Amsterdam nach Bremen gekommen, „mit so ‘nem Hippie im VW-Bus“, wie er erzählt. Abends sei er mit Bekannten in der Innenstadt gewesen. Vermutlich im Schnoor, in der Böttcherstraße oder in der Straße Hinter dem Schütting habe er die kleine Kamera auf ein Sims gelegt und dort vergessen.

„Ein älteres Modell von Sony, schwarz, in einem abgenutzten roten Etui mit kaputtem Reißverschluss.“ An der Kamera liege ihm nicht viel, sagt der Geselle, aber die Speicherkarte darin ist ihm wichtig. Denn auf ihr befinden sich alle Bilder aus seinen Wanderjahren, mehrere Tausend an der Zahl: „Die Erinnerungen habe ich zwar auch im Kopf. Aber irgendwann will ich die Bilder meinen Kindern zeigen.“

Einen großen Teil seiner Wanderschaft hat Nasseri in Osteuropa verbracht. Während der Olympischen Winterspiele Anfang 2014 in Sotschi war er in Russland, später in der Ukraine. Wo derzeit Regierungstruppen und russische Separatisten um die Vorherrschaft kämpfen, erfuhr er vor einem Jahr grenzenlose Gastfreundschaft. „Die Leute in Donezk waren bettelarm und wahnsinnig großzügig. Die haben sich dafür entschuldigt, dass sie uns eine Suppe ohne Fleisch hingestellt haben. Und Geld wollten sie partout nicht nehmen.“ Seine Kollegen und er hätten vor ihrer Abreise Geldscheine hinter Bildern versteckt, um sich bei ihren Gastgebern zu revanchieren.

Auch in Frankreich und Skandinavien ist Nasseri gewesen. „Nur über den großen Teich hab’ ich es nicht geschafft, obwohl ich immer wollte. Aber dann kam immer wieder ’ne gute Arbeit um die Ecke.“ Dafür ist er in Deutschland fast überall gewesen. „Außer im Saarland“, sagt er und lacht. Nasseri ist ein fröhlicher und freundlicher Mensch. Dass seine Fotos für immer verloren sein könnten, macht ihn aber traurig. „Die Bilder sind einzigartig und unersetzlich“, sagt er. „Vielleicht findet sich ja ein ehrlicher Bremer, der sie mir zurückgibt.“

Vor einigen Jahren war der Zimmermann schon einmal in Bremen. „Da haben wir im ,Haifischbecken’ eine Treppe gebaut.“ Die Kneipe im Steintor hat er in guter Erinnerung behalten. Wie er Bremen überhaupt gerne mag. „Hier ist es gemütlicher als in Berlin, wo ich herkomme. Da sind die Leute immer so aggressiv.“

Am Sonntagmorgen will Nasseri weiterziehen: „Ich werfe ’ne Münze, wo es hingehen soll. Irgendwie nach Süddeutschland oder in die Schweiz.“ Im besten Fall kann er seine Erinnerungsfotos mitnehmen.

100 Euro Finderlohn sind Nasseri die Fotos wert. Gesellen nehmen auf Wanderschaft kein Handy mit, aber Nasseri schaut während seines Aufenthalts in Bremen regelmäßig in sein E-Mail-Postfach. Die Adresse: philipauftippelei@gmx.de. Sollte der Finder anonym bleiben wollen, finden Kamera oder Speicherkarte auch über den Briefkasten des Pressehauses in der Martinistraße den Weg zurück zu ihrem Eigentümer.

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