Einkaufszentrum in Bremen-Vegesack Tricksereien beim Bau des Haven Höövts

Seit 2012 ist das Einkaufszentrum Haven Höövt in Vegesack, das in einer Liga mit dem Weserpark und der Waterfront spielen sollte, insolvent. Nun stellt sich heraus, dass beim Bau getrickst worden ist.
25.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Tricksereien beim Bau des Haven Höövts
Von Jürgen Theiner

Seit 2012 ist das Einkaufszentrum Haven Höövt in Vegesack, das in einer Liga mit dem Weserpark und der Waterfront spielen sollte, insolvent. Nun stellt sich heraus, dass beim Bau getrickst worden ist.

Das Einkaufszentrum Haven Höövt in Vegesack rutscht immer tiefer in die Krise. Seit 2012 ist das Shopping-Center, das in einer Liga mit dem Weserpark und der Waterfront spielen sollte, insolvent. Zahlreiche Mieter zogen seither aus, etwa die Hälfte der Flächen steht leer.

Nun stellt sich heraus, dass beim Bau an der Lesummündung getrickst worden ist. Daten wurden manipuliert, um die Verkaufsfläche ausdehnen zu können und das Projekt so profitabler zu machen. Das belegen Dokumente, die dem WESER-KURIER vorliegen.

>> Kommentar: Heikle Altlast <<

Die Idee für den Bau eines großen Einkaufszentrums an der Lesummündung fiel in eine Zeit, als Vegesack am Boden lag. Die Pleite der Vulkan-Werft 1996/97 hatte den Stadtteil ins Mark getroffen. Um die Strukturkrise zu überwinden, sollte unter anderem der Handels- und Dienstleistungssektor gestärkt werden. Mit der Albrecht Vermögensverwaltung (AVW) stand ein Bauherr für ein Einkaufszentrum bereit.

Als Hürde für das Projekt erwies sich das Planungsrecht. Der Bebauungsplan sah für Einzelhandelsprojekte im Vegesacker Ortskern eine maximale Verkaufsfläche von 11.500 Quadratmetern vor – zu wenig, um das Projekt für einen Investor rentabel erscheinen zu lassen. Die von der AVW beauftragten Planer fanden einen Ausweg: Größer bauen, aber die Verkaufsfläche so berechnen, dass letztlich alles wieder passte.

Verkaufsraum kleingerechnet

Konkret wurden von den Quadratmeterzahlen der einzelnen Läden Anteile für Gänge, Kassenzonen und Dienstleistungsbereiche so großzügig abgezogen, dass in einzelnen Fällen weniger als die Hälfte an genehmigungspflichtiger Verkaufsfläche übrig blieb. So wurde beispielsweise das 6200 Quadratmeter große SB-Warenhaus im Erdgeschoss auf 3043,96 Quadratmeter Verkaufsraum kleingerechnet. Nach Einschätzung von Behördeninsidern entstanden auf diese Art im Haven Höövt statt der zulässigen 11.500 rund 24.000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Von der AVW war zu dem Sachverhalt am Donnerstag keine Stellungnahme zu erhalten. Wie aus internen Vermerken hervorgeht, blieben dem Bauamt Bremen-Nord die Ungereimtheiten damals nicht verborgen. Sie wurden jedoch stillschweigend akzeptiert. „Gern ließ man sich die Überschreitungen auch von anderen Institutionen gesundschreiben“, sagt ein früherer Mitarbeiter der Baubehörde, der mit dem Vorgängen vertraut ist. So berief sich das Bauamt in einem Vermerk vom 28. Juli 1999 auf eine Stellungnahme der Handelskammer, in der die Vereinbarkeit der Haven-Höövt-Pläne mit dem Bebauungsplan attestiert wurde.

Diese Unbedenklichkeitsbescheinigung der Kammer trägt die Unterschrift des damaligen Syndicus Hermann Krauß. Der heute 77-jährige Jurist bereut das nicht. Das Einzelhandelsprojekt müsse vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund gesehen werden, sagt Krauß. Vegesack sei damals „im absoluten Sturzflug“ gewesen. Der örtliche Einzelhandel habe „in der Kreisklasse gespielt“. Vor diesem Hintergrund hätten es alle relevanten Behördenvertreter und politischen Entscheidungsträger für richtig gehalten, das Haven Höövt zu bauen – und bei der Auslegung von Vorschriften nötigenfalls ein wenig Kreativität walten zu lassen. Krauß: „Das Bauamt Bremen-Nord hatte keine Bedenken, die Wirtschaftsbehörde hatte keine Bedenken. Hätte ich da als Handelskammer sagen sollen: Halt, stopp, das ist alles rechtswidrig?“

Insolvenzverwalter bemüht sich um einen Käufer

Eröffnet wurde das Haven Höövt im Frühjahr 2003. Es entwickelte nie die erhoffte Strahlkraft über Bremen-Nord hinaus. Die AVW reichte das Objekt nach einigen Jahren an eine Immobiliengesellschaft weiter, die im Mai 2012 pleite ging. Seither bemüht sich der Insolvenzverwalter um einen Käufer, der das Einkaufszentrum mit frischem Kapital aufmöbelt. Die Tricksereien der Vergangenheit erweisen sich dabei als schweres Erbe. Denn die heutige Spitze der Baubehörde hat bereits klar gemacht, dass Genehmigungen für Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen nur bei einer Verringerung der Verkaufsfläche zu haben sind. Mit einer baldigen Erfolgsmeldung bei der Investorensuche rechnet daher niemand.

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