Bundesweit sogar gestiegen

Spendenbereitschaft in Bremen ist weiter hoch

Trotz der Corona-Krise ist die Spendenbereitschaft weiterhin hoch. Bremer Hilfsorganisationen berichten, dass die Spenden anstiegen sind. Eine große Veranstaltung für Hilfsbedürftige droht jedoch auszufallen.
20.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mario Nagel
Spendenbereitschaft in Bremen ist weiter hoch

Uwe Schneider, Vorsitzender der Bremer Tafel, ist zufrieden. Trotz Pandemie haben mehr Menschen Geld und Lebensmittel gespendet.

Christina Kuhaupt

Vier Monate nach Beginn der Corona-Pandemie befinden sich Tausende Bremerinnen und Bremer in Kurzarbeit, einige haben ihren Arbeitsplatz sogar verloren. Obwohl die wirtschaftliche Situation für viele deshalb unsicher ist, tut das der Spendenbereitschaft aber keinen Abbruch.

„Die Spendenbereitschaft ist nicht zurückgegangen“, sagt An­dreas Setzer, Leiter des Johanniter Regionalverbandes Bremen/Verden. Vor allem die Dienste der Johanniter, die unmittelbar mit „Corona“ zusammenhingen, seien rege mit Spenden bedacht worden. „Sowohl von den Fördermitgliedern als auch von anderen Spendern wie Firmen und Privatpersonen“, freut sich Setzer. Rund zehn Prozent der Einnahmen erzielt der Regionalverband der Johanniter durch Spenden, entsprechend groß sei die Befürchtung gewesen, dass die Spendenbereitschaft sinke. „Wir sind aber sehr froh, dass dies nicht so ist“, sagt Andreas Setzer.

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Bundesweit ist die Zahl der Spenden zwischen März und Mai sogar gestiegen, wie das Meinungsforschungsinstitut GfK im Auftrag des Deutschen Spendenrats ermittelte. Demnach spendeten die Deutschen insgesamt 31 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2019 hatten Privatpersonen etwa 5,31 Milliarden Euro gespendet. „Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten, die die Coronakrise für viele Menschen mit sich bringt, hätte man durchaus erwarten können, dass es einen Spendeneinbruch gibt“, sagt Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats.

Auch bei der Bremer Tafel fehlt von einem Spendeneinbruch jede Spur. Bereits zu Beginn der Pandemie hatten mehr Menschen als üblich Lebensmittel und Geld gespendet. „Das hat sich nicht verändert. Sowohl bei den Lebensmitteln als auch bei den finanziellen Spenden sind wir sehr zufrieden”, sagt der Vorsitzende Uwe Schneider. Bei den Geldspenden habe es sogar erfreuliche Zuwachse gegeben. „Es ist auffällig, dass die Betriebe und Privatpersonen in der Corona-Krise an uns gedacht haben. Die Lager sind ausreichend gefüllt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und die Tafeln im Umland zu versorgen”, sagt Schneider.

Spendenbereitschaft im Internet

Weiterhin hoch ist die Spendenbereitschaft auch im Internet. Einige Vereine, Einrichtungen und Organisationen, darunter Dutzende aus Bremen, haben seit Beginn der Corona-Pandemie auf Plattformen wie „Startnext“ oder „Betterplace“ zu Spenden aufgerufen. „Wir haben momentan 56 aktive Kampagnen aus Bremen und umzu“, sagt Leonie Gehrke, Sprecherin von Betterplace. Im April waren es noch 33. Wie hoch die Summe ist, die bereits für Bremer Kampagnen gespendet wurde, konnte Gehrke nicht sagen. Die erfolgreichste Kampagne ist allerdings „Clubverstärker United“.

Der Zusammenschluss von 41 Bremer Clubs, Bars und Veranstaltungen sammelte bislang rund 75.000 Euro über die Plattform ein. „Die Spendenbereitschaft ist toll. Wir sind absolut geflasht von der Unterstützung“, sagt Julia von Wild vom Verein Clubverstärker. Durch private Spenden von Werder-Fans, Werder Bremen selbst und die ÖVB Versicherung seien insgesamt bereits 90.000 Euro zusammen gekommen.

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Zudem hatte das Wirtschaftsressort unlängst verkündet, auch den Verein Clubverstärker im Jahr 2020 mit 35.000 Euro und im Jahr 2021 mit 75.000 zu subventionieren. „Wir sind weiterhin sehr auf die Unterstützung angewiesen, weil jetzt der Herbst und der Winter kommen und die Außenflächen nicht mehr bespielt werden können”, sagt von Wild.

Müll im Altkleider-Container

Verzwickt ist die Situation derweil bei der Bremer Stadtreinigung. „Wir haben seit März zwar deutlich mehr Altkleider-Spenden zu verzeichnen“, sagt Sprecherin Lena Endelmann, „aber die Container werden immer häufiger für andere Dinge missbraucht.“ Besonders während der ersten Monate in der Krise hätten viele Menschen ihren Müll in den Altkleider-Containern entsorgt. „Mittlerweile sind etwa 30 Prozent der Säcke in den Containern Abfälle“, sagt Endelmann. Das habe auch Folgen für die Altkleider, die ebenfalls im Container sind. „Viele Kleidungsstücke sind durch die Verschmutzung gar nicht mehr nutzbar.“

Anders ist die Lage beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Bremen. „Wir spüren einen Spendenrückgang“, sagt Lübbo Roewer, Bereichsleiter Kommunikation. Besonders die Geldspenden seien nicht so hoch wie sonst üblich. Das sei auch verständlich, schließlich hätten viele Menschen gerade eigene Sorgen, sagt Roewer und fügt an: „Aber die Veranstaltung ‚Dein Festmahl – ein Abend für bedürftige Menschen‘, bei der wir als Ausrichter kurz vor Weihnachten rund 800 Obdachlose in der ÖVB-Arena zu Gast haben, droht auszufallen.“ Bislang sei noch keine einzige Spende eingegangen, rund 25.000 Euro würden benötigt. Auf www.dein-festmahl.de können sich Interessierte informieren.

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