Rechtlich gut geschützt

Wann in Bremen ein Baum gefällt werden muss

Für eine Baumfällung in Bremen sind die rechtlichen Hürden hoch gesetzt. Um die Pflege und Fällung der Bäume im öffentlichen Gebiet kümmert sich der Bremer Umweltbetrieb
18.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Wann in Bremen ein Baum gefällt werden muss

Diese große alte ­Buche auf dem Friedhof Buntentor war von einem Holz ­zerstörenden Baumpilz befallen worden und musste gefällt werden.

Roland Scheitz

Immer wieder empören sich Bürger über abgeholzte Bäume, die vermeintlich zu Unrecht gefällt werden. „Bremer hängen besonders an den Bäumen in ihrer eigenen Umgebung“, sagt Jens Tittmann, Pressesprecher der Umweltbehörde. In seltenen Fällen werde sogar die Polizei gerufen, wenn es in der Nachbarschaft zu Baumfällungen kommt – oft zu Unrecht. Vor Kurzem zum Beispiel habe ein alter Walnussbaum Stammfäule gezeigt. „Er hatte keine Standsicherheit mehr und befand sich nur wenige Meter von einem Haus entfernt – in diesem Fall musste er einfach gefällt werden“, sagt Tittmann. Wenn Bäume von Fäulnis befallen sind, ist das oft nicht von außen erkennbar. Auch in Neubaugebieten müssen manchmal alte Bäume weichen, damit Häuser entstehen können.

Im Prinzip sind Bäume in Bremen rechtlich gut geschützt: Die Baumschutzverordnung, die 2009 novelliert wurde, gilt sowohl für private wie für öffentliche Flächen und schützt Bäume je nach Gehölzart und Stammumfang. Sie schreibt vor, dass für die Fällung geschützter Bäume auf Privatgelände eine Genehmigung von der Naturschutzbehörde eingeholt werden muss. In begründeten Fällen wird eine solche Ausnahmegenehmigung auch erteilt, zum Beispiel, wenn ein Baum in unzumutbarer Weise die Nutzung eines Grundstücks beschränkt. Soll jedoch etwa ein Baum gefällt werden, weil eine neue Einfahrt entstehen soll, die auch anders gelegt werden kann, lehnt die Naturschutzbehörde die Fällung in der Regel ab – so steht es zumindest in der „Baumschutzfibel“ der Bremer Umweltbehörde.

Sommerfällverbot

In der Zeit vom 1. März bis 30. September gilt darüber hinaus ein sogenanntes Sommerfällverbot: Bäume, Gebüsche und andere Gehölze dürfen in diesem Zeitraum nicht abgeschnitten, gefällt oder gerodet werden. Zulässig ist jedoch ein Form- oder Pflegeschnitt, zum Beispiel bei Gartenhecken. „Und auch das Fällen von Bäumen ist in diesem Zeitraum möglich, wenn es zum Beispiel im Rahmen der Verkehrssicherheitspflicht notwendig wird“, erklärt Behördensprecher Tittmann.

Besonders in Stadtteilen mit historischer Bebauung ist der Baumbestand prägend. Insgesamt finden sich in Bremen weitaus mehr Bäume auf privaten Grundstücken als auf öffentlichem Grund, wobei Bäume in Hausgärten einen großen Anteil ausmachen. Ob ein Baum auf privatem oder öffentlichem Grundstück steht, entscheidet über die Zuständigkeit: Für Bäume auf privaten Flächen sind die Eigentümer verkehrssicherungspflichtig, das heißt, sie müssen Maßnahmen ergreifen, um eine Gefährdung von Menschen und Sachwerten durch die Bäume auszuschließen.

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Für Bäume im städtischen Grün ist hingegen der Umweltbetrieb Bremen (UBB) verantwortlich. Dazu gehören Bäume an Straßen oder in öffentlichen Grünanlagen und Parks, aber auch das sogenannte Rahmengrün, das Kleingärten umgibt. In den vergangenen Jahren hat sich der UBB verstärkt mit geschädigten Bäumen auseinandersetzen müssen: „Denn Bäume leiden zusehends unter dem Klimawandel“, sagt Kerstin Doty, Pressesprecherin beim UBB, „die vermehrte Hitze mit Trockenheit der letzten Jahre macht mehr Baumpflege nötig als vorher, wie zum Beispiel das Herausschneiden von Totholz aus den Baumkronen.“ In Anpassung an den Klimawandel pflanze der Umweltbetrieb auch vermehrt klimaresistente Bäume, so Doty. Wenn auf städtischen Flächen alte Bäume gefällt werden müssen, pflanze der UBB neue und achte auch darauf, dass die neuen Bäume ausreichend geschützt würden. „Manchmal macht es jedoch keinen Sinn, nach zu pflanzen, weil der Standort ungeeignet ist“, betont Doty.

Baumschnittkurse

Baum-Konflikte entstehen besonders in Neubaugebieten, in denen ein geschlossener Altbaumbestand steht. Auch wenn möglichst viele Bäume erhalten werden sollen, kommt es immer wieder vor, dass Maschinen oder Fahrzeuge Schäden an Wurzeln, Stamm oder Krone anrichten, und durch Bodenversiegelung oder -verdichtung können die Bäume an dann Sauerstoff-, Nährstoff- oder Wassermangel leiden. Nicht zuletzt sorgen auch Baumfällungen in Kleingärten oft für Unmut. „Wir halten unsere Vorstände dazu an, auf Verstöße gegen die Baumschutzverordnung zu achten, und sorgen dafür, dass es bei Baumfällungen zu Ausgleichsmaßnahmen kommt“, sagt Katharina Rosenbaum, Geschäftsführerin beim Landesverband der Gartenfreunde Bremen. Oft würden Bäume von Kleingartenbetreibern auch unsachgemäß beschnitten, was ein Absterben zur Folge haben kann. Deshalb biete der Lerngarten Floratrium auch Kurse zum Baumschnitt an.

Auch wenn es in den Sommermonaten zu Baumfällungen kommen kann, ist dies in der Regel gut begründet. „Insgesamt treten Verstöße gegen den Baumschutz relativ selten auf“, sagt Jens Tittmann von der Umweltbehörde. „Uns liegt sehr am Herzen, jeden Baum zu retten, der zu retten ist.“

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Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Baumschutz im Internet unter www.bauumwelt.bremen.de/umwelt/natur/baumschutz.

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