Nordwestbahn meldet hohe Auslastung

Volle Züge trotz Teil-Lockdown

Obwohl seit Anfang des Monats ein Teil-Lockdown gilt, sind die Fahrgastzahlen bei der Nordwestbahn in Bremen nicht zurückgegangen. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn dagegen leidet sehr. Ein paar Erklärungen.
20.11.2020, 16:29
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Volle Züge trotz Teil-Lockdown
Von Marc Hagedorn
Volle Züge trotz Teil-Lockdown

Die Züge der Nordwestbahn trotz Teil-Lockdown zu 75 Prozent ausgelastet.

Carmen Jaspersen /dpa

Trotz des aktuellen Teil-Lockdown sind die Fahrgastzahlen bei der Nordwestbahn auf ihren Bremer Strecken unverändert hoch. „Seit den neuen Einschränkungen Anfang November gibt es keinen Rückgang“, sagt Unternehmenssprecher Steffen Högemann, „wir liegen in der Region bei einer Auslastung von 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit sticht Bremen heraus.“

Tatsächlich kommen andere Unternehmen nicht auf diese Werte. Die Züge der Metronom etwa, die auf der Strecke Hamburg-Rotenburg-Bremen fahren, seien aktuell zu 40 bis 50 Prozent im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit ausgelastet. „Das ist deutlich mehr als im Frühjahr während des Lockdown“, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin, „damals sind unsere Fahrgastzahlen um 90 bis 95 Prozent heruntergegangen.“

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Im Frühjahr hatte auch die Nordwestbahn deutlich stärker unter dem Lockdown gelitten. Damals waren im Unterschied zu heute die Schulen und deutlich mehr Geschäfte geschlossen. Viele Industrieunternehmen und große Arbeitgeber wie Daimler, Arcelor Mittal oder Airbus hatten in Bremen ihre Produktion gedrosselt oder vorübergehend eingestellt. Heute dagegen läuft der Betrieb in weiten Teilen der Wirtschaft mehr oder weniger uneingeschränkt weiter, und das merkt die Nordwestbahn. „Ein Großteil der Fahrgäste sind Pendler, die im Frühjahr nicht nach Bremen mussten“, sagt Högemann.

Die Zahlen im Fernverkehr der Deutschen Bahn sehen anders aus: Bis Ende September hatten sich die Fahrgastzahlen wieder erholt, auf eine Auslastung von bis zu 75 Prozent aus der Vor-Corona-Zeit waren sie geklettert. „Die Züge sind auch jetzt voller als beim Lockdown“, sagt eine Sprecherin. Aber deutlich weniger ausgelastet als zur Vor-Corona-Zeit. Umgerechnet sind in IC- und ICE-Zügen im Moment zwischen 20 und 25 Prozent der Sitzplätze belegt. Besonders Geschäftsreisen und längerfristige Buchungen seien vom Teil-Lockdown betroffen, heißt es von der Bahn.

Unangekündigte Kontrollen

Die Regional- und Nahverkehrszüge fahren „das volle Programm“, wie Metronom-Sprecher Björn Pamperin sagt, „auch wenn wir nur zehn Fahrgäste hätten, würden wir fahren und die Krankenschwester, die zur Arbeit ins Krankenhaus muss, an ihren Arbeitsplatz bringen.“ Die Einhaltung der Maskenpflicht funktioniere im Großen und Ganzen besser als anfangs, heißt es von der Nordwestbahn. Metronom spricht von 98 bis 99 Prozent der Fahrgäste, die Masken tragen würden. „Aber es gibt unbelehrbare Verweigerer“, sagt Nordwestbahn-Sprecher Steffen Högemann. Deshalb führt die Nordwestbahn, unterstützt von Beamten der Bundespolizei, unangekündigte Kontrollen durch. Bei Verstößen werden Bußgeldbescheide verteilt.

Die vergleichsweise hohe Auslastung in den Regional- und Nahverkehrszüge macht es nicht immer leicht, die Abstandsregeln einzuhalten. „Vor allem zu den Stoßzeiten kann es schwierig werden“, sagt Nordwestbahn-Sprecher Högemann. Die im Moment maximal erlaubte Passagierzahl zu begrenzen, sei aber kein Thema. „Das müsste der Gesetzgeber veranlassen“, sagt Högemann. Das macht er aber bisher nicht, und damit gelten unverändert die bisherigen Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes.

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Ebenfalls keine Option sei der Einsatz von mehr Zügen. Zum einen sei das Streckennetz in und um Bremen zu den entscheidenden Stoßzeiten schon zu über 100 Prozent ausgelastet. Zum anderen gebe es auch keine Züge, die zum Einsatz kommen könnten. „Das ist bei uns anders als bei Busunternehmen, die gewisse Touren zurzeit nicht fahren können und deren Busse deshalb auf den Betriebshöfen parken“, sagt Högemann.

Keine Reservierungspflicht

Für die Deutsche Bahn kommt eine Reservierungspflicht nicht infrage. Man möchte den Kunden weiterhin den spontanen Zustieg ermöglichen, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Und weiter: „Viele Kunden möchten weiterhin gemeinsam reisen, beispielsweise als Familie.“ Dazu müsse es möglich bleiben, nebeneinanderliegende Sitzplätze zu belegen.

Wenn das Jahr in sechs Wochen zu Ende geht, wird die Deutsche Bahn über 50 Millionen Fahrgäste weniger als im Vorjahr befördert haben. Einbußen haben auch Nordwestbahn und Metronom zu verbuchen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) rechnet damit, dass den kommunalen Verkehrsbetrieben im Vergleich zu 2019 knapp 3,6 Milliarden Euro Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen fehlen. Dank der Milliardenhilfen des Bundes und der Länder für Nahverkehrsunternehmen komme man vermutlich bis April 2021 über die Runden, so der VDV.

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